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Leverkusen: Brieffreundschaft zwischen Senioren und Schülern

CBT-Wohnhaus Upladin : Brieffreundschaft zwischen Jung und Alt

Weil die Senioren im Haus Upladin wegen der Besuchsverbote einsam waren, munterten sie Schüler des Landrat-Lucas-Gymnasiums mit Briefen auf. So entstand ein reger Austausch zwischen den Generationen.

„Der Brief von Niklas hat mein Herz erwärmt“, erzählt die 96-jährige Rentnerin Ingeborg Schulze, die im CBT-Wohnhaus Upladin lebt. Am Donnerstag hat sie ihren Brieffreund, den zwölfjährigen Niklas, zum ersten Mal in persona gesehen und tätschelte ihm gerührt den Arm. Die Bewohner der Seniorenheime galt es in den vergangenen Wochen am meisten zu schützen. Weil dieser Schutz mit Abschottung einherging, vereinsamten sie zunehmend. Gerade für demenziell Erkrankte war es schwer zu verstehen, warum sie plötzlich kein Angehöriger mehr besuchte.

Als aus der Elternschaft des Landrat-Lucas-Gymnasiums Hilfe angeboten wurde, hatte Pflegerin Rita Knieper die Idee, den Bewohnern „mit Briefen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“. Deutschlehrer – wie Stefan Brochhagen – stellten die Idee im Rahmen des Homeschoolings als freiwilliges Angebot den Schülern der Klassen fünf bis sieben vor. Brochhagen war überrascht, wie viel begeisterte Rückmeldung er auf seine E-Mail erhielt. „Ich war erst skeptisch, wie das angenommen werden würde. Aber viele Kinder konnten ihre Großeltern in der letzten Zeit ebenfalls nicht besuchen und sich deshalb in die Bewohner hineinversetzen“, sagt er.

Rund 50 Briefe wurden an das Upladin übergeben, 35 davon persönlich von Bewohnern beantwortet. Brieffreundschaften entstanden. Schulze erinnert sich, als Mitarbeiterin Knieper eines Tages mit einem Stapel Briefe durch die Gänge huschte. „Ich habe mir direkt einen ausgesucht, den von Niklas. Ich wollte jemand aus Opladen haben, nicht aus einem Vorort“, sagt sie verschmitzt. Schulze träumte früher selbst davon, Lehrerin zu werden. Weil damals aber für den Besuch auf dem Gymnasium noch Schulgeld fällig war und ihr Vater nur genug für ihren Bruder übrig hatte, landete sie als Sekretärin bei Bayer, wo sie 42 Jahre arbeitete. Der Sechstklässler Niklas sagt: „Ich wusste zunächst nicht, wie ich beginnen sollte, weil ich nicht wusste, an wen der Brief gehen würde. Ich habe gefragt, wie sie heißt, ob es ihr gutgeht und ein bisschen über mich erzählt und Frau Schulze dann über sich.“ Dem zweiten Brief legte Niklas zwei Fotos bei, das ihn im Pool und mit seinem Hamster zeigte. „Ein süßes Tierchen“, sagt Schulze.

Für die Jugendlichen sind nicht nur die Erzählungen aus dem Leben der Senioren ein Gewinn: Viele haben in Zeiten von Instagram und Whatsapp abseits des Unterrichts noch nie einen Brief handschriftlich verfasst. Wie die Fünftklässlerin Pia, die mit der 83-jährigen Rosemarie Hagen schreibt. Auch die beiden trafen sich zum ersten Mal persönlich. „Es war ganz toll, wie liebevoll du geschrieben hast. Dass du gerne malst und tanzt und deiner Fantasie freien Lauf gelassen hast“, sagt Hagen zu Pia. „Eben so, wie ein zehnjähriges Mädchen sein sollte.“ „Jetzt bin ich elf“, unterbricht Pia und lächelt keck. Hagen hatte nie Enkelkinder, ihre Tochter war im Alter von 50 Jahren gestorben. „Es war für mich deshalb schwer, die richtigen Worte für ein kleines Mädchen zu finden“, sagt Hagen. Das ging auch anderen Bewohnern so, weshalb einige Briefe in der Gruppe vorgelesen und beantwortet wurden.

Knieper erzählt, wie „liebevoll gestaltet“ und wohltuend die Briefe für die Senioren waren. Und: „Sie haben bei ihnen Erinnerungen wachgerufen.“ Eine ältere Dame, sagt Knieper, habe den Austausch mit der jungen Generation zum Anlass genommen, Erlebnisse aus Krieg und Jugend aufzuschreiben. Das habe sie ihren Enkeln versprochen, sich aber nie dazu aufraffen können. Die Brieffreundschaften sollen auch in Zukunft weitergeführt werden.