Leverkusen: Böllerreste gefährden Tierwelt

Leichlingen: Bauern lesen auf Wiesen Böllerreste auf

Landwirtin Ute Hielscher hat Überreste von dem nächtlichen Silvester-Spektakel auf ihren Wiesen gefunden. Da diese die Futtergrundlage für ihre Kühe sind, können nun Metall und Plastik in das Futter geraten. Das kann für Tiere lebensbedrohlich werden.

Wer Raketen in die Luft schießt, verfolgt ihren Weg oft noch eine Weile, bis sie in der Dunkelheit in den buntesten Farben explodieren und schließlich verschwinden. Doch wohin die Überreste fallen, darüber machen sich wohl die wenigsten Gedanken. Und so finden Landwirte wie Ute Hielscher Metall, Holz, Plastik, Papier und Glas auf ihren Wiesen. Diese gelangen unbemerkt in das Futter und werden zu einer Gefahr für die Tiere.

Raketen, Batterien, Knallerbsen und Wunderkerzen: An Silvester wird geböllert, was das Zeug hält. Mittlerweile wird dieser Brauch zunehmend infrage gestellt, insbesondere wegen der negativen Folgen für Flora, Fauna und den Menschen. Der gesundheitsschädliche Feinstaub ist dabei ein großes Thema. Aber auch der daraus entstehende Müll verschmutzt nicht nur die Straßen, sondern kann auch lebensbedrohlich für Tiere werden.

Ute Hielscher vom Hielscher Hof hat allerlei Silvesterhinterlassenschaften auf ihren Wiesen, die den insgesamt 180 Kühen als Futtergrundlage dienen. Gefunden hat sie ihr Sohn beim Zeitungenaustragen. Sofort begann er mit den Aufräumarbeiten, alle Wiesen konnte er aber nicht vom Unrat befreien. Denn davon gibt es zu viel. „Dass Raketen mal in die Wiesen geraten ist okay, aber es scheint, als feiern die Leute auf oder zumindest an den Wiesen“, sagt Hielscher. Viele glaubten, dass Wiesen Allgemeingut seien. Tatsächlich sind die Wiesen von den Landwirten gepachtet oder in deren Eigentum und dienen den Tieren als Futtergrundlage.

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Überreste von Wunderkerzen oder Plastikdeckel gelangen gehäckselt oder auch als scharfkantige Stücke in das Tierfutter. „Die Metalldetektoren vom Häcksler kriegen leider nicht alles aussortiert“, berichtet Hielscher. Ganze Plastiktüten würden die Kühe zwar nicht fressen, in Kleinteilen gelangt das Plastik dann aber doch in den Kuhmagen. „Das ist wie bei uns Menschen. Eine Ratte würden wir vermutlich auch nicht einfach so essen. Verkauft in einem Gulasch dann aber vielleicht schon“, beschreibt die Landwirtin. Das Tier könne einem schließlich nicht sagen, was nicht stimme, und verende an den Überresten im Futter.

Schon mehr als eine Kuh hat Ute Hielscher im Laufe der Jahre verloren. „Wobei das nicht nur mit dem Silvester-Müll zusammenhängt, sondern allgemein mit Müll“, betont sie. „Jede Kuh, die an einem Fremdkörper verendet, ist eine zu viel.“ Zudem enstehen nicht nur Kosten wegen des Ausfalls, sondern auch für die Entsorgung des Tieres. Etwa 200 Euro kann das kosten, dazu kommen Ausgaben  für den Tierazrt oder Mehrkosten für eine trächtige Kuh.

Ute Hielscher jagt an Silvester keine Raketen in die Luft, sie verurteilt den Brauch aber auch nicht. „Der Krach ist gar nicht das Problem. Starke Gewitter müssen die Tiere auch aushalten“, betont die Leichlingerin. Sie wünsche sich vielmehr eine allgemeine Rücksichtnahme. Deshalb machte sie auch bei Facebook auf die Verunreinigungen aufmerksam. Es zeigte sich, dass auch andere Wiesen, etwa in Kuhle, betroffen sind. „Was du nicht willst, was man dir tu, das füg’ auch keinem anderen zu. Das bringt alles auf den Punkt“, zitiert Ute Hielscher das bekannte Sprichwort.

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