Leverkusen: Bilder von Klaus Wolf (70) in der Galerie im Forum.

70 Jahre Klaus Wolf : Mit scharfem Blick für Hintergründiges

Landschaften und Dingbilder zeigt Klaus Wolf anlässlich seines 70. Geburtstags in der Forum-Galerie.

Wie viele überzeugte Nordland-Urlauber empfindet Klaus Wolf ein Gefühl von Freiheit in der unendlichen Weite der dänischen Küstenlandschaft. Den Stoff für seine großformatigen Bilder sammelt er vor Ort in ganz kleinem Maßstab auf dem Skizzenblock ein. Es sind nur wenige Linien und Formationen, aus denen er seine Landschaft entwickelt, die zwar realistisch aber nicht eins zu eins abgebildet wird. Wenn es der Gesamtkomposition dient, werden Wegverläufe oder die Form der Dünen leicht abgeändert oder Menschen hineingesetzt. Die sind abgewandt und laufen in den Bild-Hintergrund, jenen Raum, in den Klaus Wolf den Betrachter seiner Arbeiten lockt.

„Hinterm Horizont geht’s weiter“, so wissen wir. Und scheinbar ist der Raum, der sich dem direkten Blick entzieht, besonders interessant. Darauf setzt der Maler, der im Hauptberuf Kunstlehrer war und als erster grüner Bürgermeister in die Geschichte einging. In diesem Jahr feierte er seinen 70. Geburtstag. Anlass für eine Rückschau mit Besuchern der Galerie im Forum. Dort zeigt Klaus Wolf „Landschaften und Dingbilder“ aus drei Jahrzehnten, von denen etwa die Hälfte in den letzten drei Jahren entstanden ist.

Die kombinierten älteren Arbeiten zeigen, dass es dem Maler Klaus Wolf eigentlich immer um dasselbe Thema ging. Um die Erforschung des Raumes. Was bei den dänischen oder den herberen bergischen Landschaften naheliegend ist, weil sie das Interesse für das wecken, was hinter der Horizontlinie liegt, kehrt der Künstler bei seinen „Dingbildern“ um. Bewusst hat er sich für diese Bezeichnung entschieden und spricht nicht von „Stillleben“. „Die haben ihren eigenen definierten Raum“, erklärt der Lehrer im Ruhestand. Das ist bei ihm jedoch ganz anders. Die abgebildeten Alltagsgegenstände wie Tücher, Kacheln, Handtuchstangen oder Malutensilien sind so angeordnet, dass sie sich in den realen Umgebungsraum hinein strecken. Und weil manches am Bildrand abgeschnitten ist wie das Zeichendreieck, das an einem Nagel an der Wand hängt, sucht das Auge die Vervollständigung in der Umgebung. Durch übertriebene, irreale Schatten inszeniert er diese banalen Dinge, so dass sie an Bedeutung gewinnen. Die Farbigkeit erreicht Wolf durch Lasuren und häufige Übermalungen. Seit einiger Zeit arbeitet er mit Acryl, weil er die Ausdünstungen der Ölfarbe nicht mehr vertragen hat. Er musste viel experimentieren, bis er den gleichen gewünschten Effekt erzielte, sagt er. Und verrät, wie er die großen, strukturierten Himmelflächen seiner Landschaften erzielt. Krapprot ist das Geheimnis, das unter jedem Himmel liegt und an manchen Stellen noch dünn durchscheint. Chromoxidgrün und Cyanblau sind die wichtigsten Farben am Pinsel, mit dem er in der Regel an zwei Leinwänden parallel arbeitet. Jedes fertige Werk bekommt eine 14-tägige Probezeit über dem Sofa. Gut, wenn es sich dort bewährt. Andernfalls wird nachgearbeitet, im schlimmsten Fall schneidet Wolf die Leinwand aus dem Rahmen und beginnt neu.

Die Ausstellung „Landschaften und Dingbilder – 70 Jahre Klaus Wolf“ in der Galerie im Forum wird am Mittwoch, 20. November, um 18.30 Uhr eröffnet und dauert bis zum 6. Dezember. Öffnungszeiten: montags bis freitags, 8 bis 18 Uhr. Veranstalter ist die AG Leverkusener Künstler.

Mehr von RP ONLINE