Leverkusen: Besserung auf dem Wohnungsmarkt nicht in Sicht

Wenig Bautätigkeit: Wohnraum bleibt knapp in Leverkusen

Leverkusens Bevölkerung wächst, doch werden Mietwohnungen und Eigentum knapper und teurer. Gerade preiswerter Wohnraum wird dringend gesucht. "Angespannt bis sehr angespannt", so bezeichnet der neue Wohnungsmarktbericht die Lage. Besserung ist nicht in Sicht.

Die Stadt versucht gegenzusteuern. Die Stadt im Herzen der Metropolregion Rheinland bleibt als Wohnort beliebt. Zuwanderung fördert das Bevölkerungswachstum. Nach einer Prognose der Landesstatistiker von IT.NRW soll Leverkusen bis 2030 auf 170.500 Einwohner wachsen. Es ziehen zudem mehr Menschen nach Leverkusen als der Stadt den Rücken kehren (siehe Infokasten). Doch bleibt die Bautätigkeit weiter träge, das innerstädtische Baulandpotenzial eng begrenzt. Gleichzeitig steigen die Mietpreise, auch Bauland- und Immobilienpreise legen tüchtig zu.

Den zusätzlichen Wohnungsbedarf beziffert die Stadt auf 440 neue Wohnungen bis 2020. Darin ist der Zuzug von Flüchtlingen ab 2015 noch nicht berücksichtigt. Gerade auch durch die Zuwanderung erhöhe sich der Druck auf das preiswerte Mietwohnungsangebot, heißt es im Wohnungsmarktbericht der Stadt. Basis für den Bericht ist ein Indikatorensystem, das aus kommunalen und andern öffentlichen Datenquellen ermittelt wird. Die Zahl der Rentner steigt, entsprechend auch die Nachfrage nach altengerechten, barrierefreien Wohnungen. Da auch die Zahl der Harz IV-Haushalte zunimmt (2016 waren es 18.042, 680 mehr als im Vorjahr), erhöht sich zudem der Druck auf die öffentlich geförderten Mietwohnungen. Nach einer Prognose von IT.NRW soll es bis 2030 landesweit um 30 Prozent schrumpfen. Um dem entgegenzuwirken, hatte der Stadtrat 2013 beschlossen, jährlich mindestens 50 öffentlich geförderte Wohnungen zu bauen. Doch ist der Trend eher rückläufig: 2016 waren es 60 Neubauwohnungen, 2015 noch 83.

Die Bautätigkeit bleibt unverändert niedrig. Ende 2016 gab es in Leverkusen 82.400 Wohnungen, das ist ein Zuwachs von 0,4 Prozent. Die Zahlen für Baugenehmigungen und Baufertigstellungen sind weiter rückläufig (siehe Info). Die Leerstandsquote bleibt mit 1,0 Prozent auf unverändert niedrigem Stand. Hinzu kommt: Auf dem Stadtgebiet wird das Bauland immer knapper. Nach einer Modellrechnung des NRW-Ministeriums für Bauen und Wohnen weist Leverkusen bis 2020 einen Bedarf von 2000 bis 2500 Wohnungen auf einer Baufläche von 100 Hektar aus. "Die aktuellen Flächenreserven mit rund 75 Hektar sind somit nicht ausreichend", heißt es in dem Wohnungsmarktbericht. Die Stadt sei ein "Regionstyp mit klarer Wachstumsperspektive bis 2030". Die Parole könne deshalb nur lauten: "Angebot schnell und bedarfsgerecht ausweiten."

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Die Mietpreise insbesondere auf dem freien Wohnungsmarkt steigen auch in Leverkusen weiter (siehe Info). Der Immobilienmarkt brummt nach wie vor. "2016 sind sowohl die Kauffälle mit 1328 als auch der Geldumsatz deutlich gestiegen", heißt es in dem Bericht. "Am häufigsten wurde Eigentumswohnungen gekauft (54 %), gefolgt von bebauten Grundstücken (37 %). Die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser stiegen 2016 gegenüber dem Vorjahr um rund 4 Prozent. Neue Einfamilienhäuser wurden um 9 Prozent teurer verkauft. Der Verkaufspreis für neue Eigentumswohnungen stieg um 11 Prozent Die jüngsten Preissteigerungen zeigen laut Bericht, dass die Stadt im regionalen Vergleich "nicht mehr zu den günstigen Standorten gehört, sondern sich im oberen Mittelfeld einsortiert".

Mit dem Wohnungsmarktbericht will die Stadt für mehr Transparenz sorgen und Planungsgrundlagen schaffen. Mit externer Unterstützung erarbeitet sie derzeit ein "Wohnungsbauprogramm 2030+". Ein Baulandkataster auf der Internetseite der Stadt zeigt "Potenzialflächen" für mögliche Bau-Investoren.

(bu)