Schloss Morsbroich in Leverkusen Beim Konzert von Spark springen die Funken über

Leverkusen · Die klassische Band mixt Barock, Avantgarde und Popmusik der Beatles mit hohem Anspruch und unbändiger Energie. Der riesige Spaß, den die Musiker dabei haben, ist spürbar.

 Im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich begeisterte das Ensemble Spark das Publikum.

Im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich begeisterte das Ensemble Spark das Publikum.

Foto: Uwe Miserius (umi)

Sie hatten Entzugserscheinungen nach diesem Saal, versicherte Daniel Koschitzki, bevor er die Flöte ansetzte, um mit seinem Ensemble zu musizieren. Eigentlich bezeichnet sich Spark als „klassische Band“, was ihren Auftritt und die außergewöhnliche Behandlung von Musik wohl eher trifft. In Leverkusen ist das mehrfach ausgezeichnete Quintett längst bekannt. Das mag auch den Andrang im Spiegelsaal erklären, der bis auf den sprichwörtlichen letzten Platz gefüllt war. Eine absolute Rarität in diesen Zeiten, in denen das Klassik-Publikum noch zögerlich die wiederbeginnenden Kulturveranstaltungen besucht.

Die Zwangspause haben die Musiker bestens genutzt, um ein neues Programm zu kreieren, das gewohnt intelligent und durchdacht und mit eigenen Kompositionen, Arrangements und Interpretationen versehen ist. In einem außergewöhnlich umfangreichen Programmheft haben sie Gedanken und Hintergründe erklärt.

Doch viel wichtiger ist, dass mit Konzertbeginn alle schlaue Theorie in den Hintergrund rückt und die Vollblutmusiker einfach loslegen, virtuos und zart, einfühlsam und mit einem riesigen Spaß. Da erklärt sich auf Anhieb der Name Spark, denn da springen tatsächlich die Funken über im fast zweistündigen Dauerfeuer, dessen Ausgang und Ursprung in diesem Programm Johann Sebastian Bach ist.

Dessen Werk wird hier neu erfunden und mit Kompositionen des italienischen Avantgardisten Luciano Berio sowie Hits der Beatles in Beziehung gesetzt oder sogar verwoben. Sei es mit wechselnden Parts, frischen Akzentuierungen und unterschiedlichen Klangfarben von an die 40 Instrumenten.

Alleine Daniel Koschitzki und Andrea Ritter haben Dutzende verschiedene Flöten griffbereit, die sie munter mitten im Stück austauschen, wenn es die Vorstellung vom passenden Sound verlangt. Und die sie auf alle erdenkliche Art gebrauchen, auch mal schmatzend, hauchend oder zwitschernd, dass man sich im Regenwald wähnt.

Geiger Stefan Balazsovics greift zwischendurch für eine aberwitzige Solo-Sequenza Berios zur Viola und balanciert vergnügt am Rande des Abgrunds. Cellist Victor Plumettaz hat zwar nur ein Instrument dabei, aber das traktiert er nach allen Regeln der Kunst, nutzt es unter anderem solistisch als Schlagzeuger. Eine Rolle, die sonst gerne Pianist und Komponist Christian Fritz übernimmt, wenn er etwa mit donnernden Bassakkorden rhythmisch prägnante Übergänge schafft von einer modernen Bach-Bearbeitung zum 2020 entstandenen „The Eternal Second“ des Cello-Kollegen.

Spark sprengt alle Grenzen zwischen Barock, Avantgarde und Popmusik, allerdings mit großem Respekt, höchstem künstlerischen Anspruch und unbändiger Leidenschaft.

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