Leverkusen: Beim Kinderkonzert der Bayer Philharmoniker sorgten zwei Pantomimen für Spannung und Lacher.

Familienkonzert : Geschichten zur Musik stumm erzählt

Beim Kinderkonzert der Bayer Philharmoniker sorgten zwei Pantomimen für Spannung und Lacher.

Während des Konzerts soll das Publikum nicht reden, selbst dann nicht, wenn die vorne geschaffenen Klänge die tollsten Bildfolgen in die Köpfe zaubern. Dass auch Unterhaltungen im Flüsterton den Musikgenuss der anderen stören, weiß jedes Kind, jedenfalls alle, die am Sonntag im Familienkonzert der Bayer Philharmoniker saßen. Und da hätte man manche Geschichte zur musikalischen Weltreise erzählen können. Wohl dem, der das völlig lautlos und dennoch deutlich kann. Ein klarer Fall für das Pantomimen-Duo Bodecker & Neander, das erneut auf der Erholungshaus-Bühne bei Bayer Kultur zu Gast war.

Während die Bayer Philharmoniker, dieses Mal etwas in den Hintergrund gerückt und unauffällig im Dämmerlicht, ihre musikalische Flussfahrt auf der Moldau starteten, ließen die Pantomimen kleine Rinnsale zusammenfließen. Denn am Anfang der sinfonischen Dichtung klingt „Die Moldau“ von Bedrich Smetana noch nicht wirklich schiffbar.

Mit dem Wasserstand steigert sich bekanntlich auch die Musik. Und an dieser Stelle brauchte das stumme Duo tatsächlich den ganzen freien Platz auf der Vorbühne, weil es die hörbaren Wellen und Stromschnellen mit einer wogenden Plastikplane illustrierte. Die schien die beiden manchmal zu verschlingen, dann sah man muntere dicke Fische hinter der Wasser-Attrappe schwimmen.

Eindrucksvolle Bilder zu einer die Landschaft beschreibenden Musik, die sich Kindern direkt erschließt. Und die waren durchaus in der Überzahl bei diesem Konzert zum Saison-Ende. Gebannt verfolgten sie auch die kurzen Geschichten, die zwischen den Orchester-Stücken pantomimisch erzählt wurden.

Die Stille wurde nur unterbrochen durch spontane Lacher, denn Wolfram von Bodecker und Alexander Neander sind darauf spezialisiert, komische oder tragikomische Situationen ganz eindeutig darzustellen. Unter anderem, indem sie sich als Musiker versuchten, allerdings mit beträchtlichen Anlaufschwierigkeiten, mit Luftgeige und Gesang, den ein Schluckauf verhinderte. Die wenigen Töne oder einzelne Geräusche zu ihrer Vorstellung kamen aus dem Hintergrund, zumeist von ganz hinten aus der Schlagwerk-Abteilung.

Das Spiel der Pantomimen verfolgte das junge Publikum fast reglos, aber mehrere Kinder ahmten die Bewegungen von Bernhard Steiner nach und versuchten sich selbst als Dirigenten – pantomimisch versteht sich. Steiner ließ seine Musiker beispielsweise im Walzertakt „An der schönen Donau“ schwelgen oder auf den Besuch einer Stierkampf-Arena einstimmen mit Klängen aus der Ouvertüre von Georges Bizets Oper „Carmen“.

Und weil sich die Bilder bei Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ geradezu aufdrängen, waren auch die zu hören, allerdings in kindgemäßer Kurzfassung. Die Temperaturen und Wetterereignisse, die Vivaldi in seiner Musik beschrieben hat, waren deutlich zu erkennen, sowohl für die Ohren, als auch für die Augen. Denn Wolfram von Bodecker wartete mit einer Blume auf seine Verabredung den kompletten Jahreslauf hindurch. Dabei schüttelte der Wind seinen Mantel, er fror am Boden fest, taute wieder auf und geriet schließlich ins Schwitzen.

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