Leverkusen: Bandendiebstahl entpuppt sich als einfacher Diebstahl.

Amtsgericht : Schuldig, aber keine Bande – Parfümdiebe verurteilt 

Parfüms riechen nicht nur verführerisch, offenbar verleiten sie auch zum Diebstahl. Zehn Flakons unterschiedlicher Marken soll eine Bande in zwei Kaufhof-Filialen in Köln und Leverkusen gestohlen haben.

Grund laut Anklage: um die Parfüms im Anschluss gewinnbringend weiterzuverkaufen. Doch die Bande zerschlug sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht relativ schnell, übrig blieben zwei Angeklagte: Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Richter räumten ein, dass Strukturen einer Bande nicht erkennbar sind. Der Einzige, der das nicht einsehen wollte, war ein Kölner Kaufhaus-Detektiv.

„Am Ende kommen wir bei zwei einfachen Diebstählen raus“, resümierte der Richter. Zu Beginn der Verhandlung lautete die Anklage der Staatsanwaltschaft noch „schwerer Diebstahl“ beziehungsweise „Bandendiebstahl“. So sollen die zwei Angeklagten im Dezember vergangenen Jahres als Mitglieder einer Bande sowohl einen Tatplan entworfen, als auch geplant haben, die gestohlene Ware weiterzuverkaufen. Sie wurden mit den Parfüms im Wert von über 800 Euro auf dem Rückweg angehalten und festgenommen. Eventuelle Mittäter wurden nicht gefasst.

Laut Aussage des 44-jährigen Angeklagten haben sich die beiden mit einem dritten Unbekannten in Aachen getroffen. Von dort aus fuhren sie zunächst in das Kölner Rhein-Center. Der unbekannte Mittäter wollte vor seiner Abreise nach Bosnien Weihnachtsgeschenke besorgen. Dass dieser die Geschenke nicht bezahlen wollte, war dem gelernten Koch zunächst nicht bewusst. Zumindest in der Galeria Kaufhof in Leverkusen sei ihm dann aber klar gewesen, dass auch dort Ware geklaut werden sollte. Er habe nichts eingesteckt, nur beraten, welches Parfüm gut sei.

Der jüngere der beiden Angeklagten hingegen räumte ein, in beiden Fällen Flakons mitgenommen zu haben. Er sei von dem Unbekannten unter Druck gesetzt worden. „Er hat mich überzeugt, weil ich jung bin“, sagte der gebürtige Montenegriner mithilfe eines Dolmetschers.

Relativ schnell stand fest, dass es sich bei den zwei Taten nicht um einen Bandendiebstahl handelte. Dennoch wurde ein Zeuge geladen. Der 54-Jährige Kaufhaus-Detektiv habe in der Kölner Filiale über Video die Angeklagten beobachtet. Insgesamt vermutete er vier Täter. Die Videos konnten das allerdings nicht zweifelsfrei belegen, sie zeigten allerdings dass der 44-jährige Angeklagte ebenfalls Parfüms klaute. Trotz Hinweisen eines Rechtsanwalts, dass der Zeuge zwischen Vermutungen und Tatsachen unterscheiden müsse, blieb der Kaufhaus-Mitarbeiter bei seiner Aussage. Zuletzt sah er sogar in einem Zuhörer einen Mittäter. Dieser stellte sich aber als Angehöriger des 25-jährigen Montenegriners heraus.

Am Ende wurden die beiden Angeklagten zu einer Geldstrafe verurteilt. Auch der 44-Jährige muss 140  Tagessätze zu je zehn Euro zahlen. „Für mich ist das eine Mittäterschaft“, begründete der Richter sein Urteil. Der 25-Jährige Täter wurde zu 100 Tagessätzen je zehn Euro verurteilt.

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