Leverkusen: Ballet und Tanztheater Schlebusch zeigt "Tanzen verboten".

Tanztheater : Bunter Protest im traurigen Kummerland

140 Mitwirkende des Ballett und Tanztheater Schlebusch widersetzten sich fantasievoll dem Titel: „Tanzen verboten“.

Was für eine graue und trostlose Welt! Farblos ist die Bühne, es wabert leichter Nebel wenn grau gekleidete Menschen rot umrandete Verbotsschilder aufstellen. Da ist nicht nur „Tanzen verboten“, wie es bereits der Titel der großen Gemeinschaftsproduktion des Ballett und Tanztheaters Schlebusch von Inge Weber-Hintzen angekündigt hat. Nach einer erfolgreichen Premiere im nahezu ausverkauften Forum füllte sich der große Saal zur Wiederholung am Sonntag nochmals.

Betretenes und auch erwartungsvolles Schweigen herrschte, während ohne jede Musik weitere Schilder hereingetragen wurden, die eigentlich alles untersagen, was im Leben so Spaß macht: Hüpfen, Singen, Lachen und schließlich sogar das Trippeln. Nur Hunde sind anscheinend noch erlaubt im Kummerland des Fürsten Lachenicht, an der Leine über die Tanzfläche geführt. Pelé ist das einzige echte Tier in der Tanzballade, in der 140 Mitwirkende szenenweise in unterschiedliche Rollen und Kostüme schlüpften, unter anderem als schwarze Raben das Gefieder streckten, als gelbe Schmetterlinge umherflatterten, als knallgrüne Frösche über die Bühne sprangen oder als Rehe umherhüpften. Doch in den Wald führt der ausgesprochen tanzfreudige Kasper Floh die traurigen Menschen seines Landes erst, nachdem sie in Gruppen von Schulkindern und Erwachsenen zu motorischen Geräuschen gejagt wurden, immer schön im Slalom durch die Verbotsschilder.

Im Wald wird alles auf den Kopf gestellt, was in der Stadt Wachmannschaften mit eindrucksvollem Stechschritt zu verhindern wissen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Bäume, frisch grüne Birken, hängen kopfüber vom Bühnenhimmel. Eine witzige, aber eindrucksvolle wie praktische Ausstattungsidee. So steht nichts im Weg, wenn sich darunter die einzelnen (Alters-)Gruppen auf dem Bühnenboden abwechseln, um etwas von der breiten Palette des Tanzes zu zeigen. Kinder und Jugendliche, die sich mit spielerischen Bewegungen im Reigen drehen, während andere das Publikum mit einer russischen Volkstanz-Choreografie beeindruckten oder mit einem fetzigen Boogie in Pünktchenrock und Petticoat.Junge Erwachsene legten eine rasante Tarantella auf den Ballettboden, Jugendliche zeigten ihre ganze Beweglichkeit im Freestyle mit Breakdance-Elementen und ein Erwachsenen-Trio fügte vier Kurzchoreographien von Anna-Carolin Weber ein.

Immer wenn es unten besonders wild wurde, tanzten oben die Deko-Bäume mit, auf und ab im Takt der Musik. Stimmung wurde außerdem mit wechselnden Lichtfarben gezeichnet. Für das gelungene Gesamtbild sind die genauso wichtig wie die Musikauswahl und die farbenfrohen Kostüme, die bei dieser trist und grau begonnenen Produktion umso mehr wirken.

Die zeugte von viel Liebe zum Detail und vor allem von harten Proben in den einzelnen Gruppen, angefangen mit den Vorschulkindern in der Gruppe I bis zu den Erwachsenen im Tanztheater, die ihre langjährige Erfahrung einbrachten, vor allem im zweiten Teil, in dem sich die von Alois Weber erdachte Geschichte zuspitzte.

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