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Leverkusen: Autor Chrisitan Linker beschreibt den Ausnahmezustand

Endzeitszenarien und Paralleluniversen : Christian Linker schildert den Ausnahmezustand

In seinem Thriller „Influence – Fehler im System“ beschreibt der Leverkusener Christian Linker die Dystopie einer aus den Fugen geratenen Welt. Geschrieben hat er es vor der Corona-Krise.

Das fehlt in der aktuellen Situation gerade noch: Die Kommunikation bricht zusammen und die ganze Welt ist offline. Das beschreibt der Leverkusener Autor Christian Linker in seinem neuen Roman „Influence – Fehler im System“. Die Premiere des „Near-Future-Thrillers“ in Köln konnte am 10. März gerade noch stattfinden, der zweite Termin auf der Leipziger Buchmesse schon nicht mehr. Ersatzweise hat Linker aus seinem Buch für einen Beitrag auf Instagram gelesen.

Bei der Aufzeichnung wurde ihm schmerzlich bewusst, wie viele Parallelen es zwischen seiner fiktiven Kriminalstory und der aktuellen Wirklichkeit gibt. Auch in seiner Geschichte, in der einer Hackergruppe ein Anschlag auf das weltweite Netz gelingt, beschreibt er das Szenario einer Gesellschaft im Ausnahmezustand und zeigt ihre Abhängigkeit vom Internet auf. Dem Zusammenbruch von Infrastruktur und Kommunikation folgt ein Ausbruch von Gewalt, die Gesetze sind ausgehebelt.

„Influence“ erschien in der neuen DTV-Reihe „bold“, die sich an ältere Jugendliche und junge Erwachsene bis 30 Jahre richtet. „Es war eher ein Gedankenexperiment darüber, was das alles über uns aussagt“, beschreibt der Autor. Er wollte der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten – und auf einmal lässt die Realität einen Blick hinter den Spiegel zu. Er beschreibt sich als internetkritisch. Bisher jedenfalls, denn nun preist er wie die meisten die Segnungen des digitalen Zeitalters.

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Einmal, weil kreative Nutzungsformen gegen Vereinsamung helfen, aber auch aus beruflicher Sicht. Zeiten im Home-Office sind für Schriftsteller normale Arbeitsphasen. Aber heute wäre er eigentlich auf dem Weg nach Stuttgart, erzählt Linker mit Blick auf seinen außer Kraft gesetzten Terminkalender. Dort hätte er beim Krimifestival lesen sollen. Das ist ebenso abgesagt, wie die geplanten Lesungen in Schulen, die ihn besonders häufig mit dem Jugendroman „Der Schuss“ über Rechtsextremismus buchen.

Außerdem wollte er in Lesungen seine Neuerscheinung „Influence“ bekannt machen. Das geht vorerst nur mit virtuellen Formaten. Kinderlose Kollegen seien da gerade sehr viel erfindungsreicher, kreierten zum Beispiel Kettengeschichten oder Schreibwerkstätten online. Linker aber, der längst an Büchern arbeitet, die nächstes Frühjahr erscheinen sollen, hat seine drei Kinder im Alter von acht, elf und 15 Jahren zu Hause.

Die seien zwar mit Schulaufgaben beschäftigt, kämen aber doch mit der ein oder anderen Frage an seinen Schreibtisch. „Ich bin beeindruckt, wie die Kinder die Situation meistern, die sie keineswegs als geschenkte Ferien verstehen. Sie denken viel nach“, versichert der Vater. Und der Autor konstatiert, dass die Krise auch für die Gegenwartsliteratur eine Zäsur bedeute. Es werde natürlich nicht jeder über Coronazeiten schreiben, „aber man kann es auch nicht komplett übergehen.“

Zumal Linker in seinen Jugendbüchern aktuelle politische und gesellschaftliche Themen aufgreift. Anders in seinem neu erschienenen Kinderbuch „Kevin und das Wurmloch im 13. Stock“ (Thienemann Verlag), bei dem Linker seiner Fantasie freien Lauf ließ. Kevin ist kein großer Held, eher etwas versponnen, und findet, dass er nicht wirklich zu seiner Familie passt, mit der er in einem zwölfstöckigen Hochhaus wohnt.

Eines Tages klebt ein Kaugummi mit der Zahl 13 auf einem Aufzugsknopf. Der befördert Kevin in einen „relativen Raum“, das Multiversum und die Schnittstelle verschiedener Welten, wo sich Kinder aus verschiedenen Universen treffen. Sie besuchen sich und bestehen gemeinsam Abenteuer. Die Initialzündung gab ein populärwissenschafliches Buch über Parallelwelten, erzählt Linker. Bei Kevins kleiner Hochhaus-Siedlung auf dem Berg stand die Derr-Siedlung in Steinbüchel Pate, in der Linker aufgewachsen ist. Kein reizvoller Ort aus heutiger Sicht, räumt er ein, aber für ihn gab es da durchaus viel zu entdecken – und für seinen Kevin auch.