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Leverkusen Altenheim richtet Isolierstation ein.

Corona-Krise : Isolierstation für 20 infizierte Heimbewohner

Eine Anordnung der Gesundheitsbehörden zur Corona-Gefahr hat im DRK-Altenzentrum in Opladen für Aufregung gesorgt. In den letzten Wochen ging es unter anderem auch um Personalmangel und ein neues Pflegekonzept, das keine festen Kontaktpersonen mehr vorsieht und von Heimbewohnern kritisiert wird.

Das DRK-Altenheim an der Düsseldorfer Straße richtet derzeit eine Isolierstation für Corona-infizierte Bewohner ein. Damit folgt das Haus einer Rechtsverordnung des Landes, die die Neu- und Wiederaufnahme von Bewohnern in Pflegeeinrichtungen regelt (siehe Info). Die komplette sechste und Teile der fünften Etage mussten dazu leergeräumt werden, berichtet Serap Arslan vom Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Auf der Isolierstation befinden sich nun in 15 Zimmern zehn Plätze für Verdachtsfälle und acht Plätze für Infizierte. Noch stehen alle Räume leer. Insgesamt wohnen derzeit 85 Senioren in dem Altenheim.

Wegen Personalmangels habe das Heim schon vor Ausbruch der Corona-Krise einen Aufnahmestopp verhängt, sagt Arslan. „Das kommt uns nun zugute.“ Dennoch mussten 20 Bewohner umziehen. Die Umzüge hätten die Mitarbeiter selbst geschultert, berichtet Arslan.

Geräuschlos lief das offenbar nicht ab. So beklagt sich etwa Sina Zinner, dass ihre 101-jährige Großmutter kurzfristig ihre Wohnung habe räumen und umziehen müssen. „Nach dieser Info habe ich selbstverständlich direkt die Pflegeleitung telefonisch kontaktiert. Hier wurde mitgeteilt, dass man mir keine expliziten Auskünfte zur Dauer, eines Rückzuges und der Zimmerzuteilung geben könne“, schreibt sie. „Beim Einzug war die Grundvoraussetzung, dass Oma die Aussicht zur Straßenseite hat; die andere Aussicht ist exakt auf ihr altes Haus, wo sie über 50 Jahre lebte.“

Dazu entgegnet Pflegedienstleiterin Anja Kronenberg: „Wir haben den Umzug in mehrfachen Telefonaten im Vorfeld mit allen Angehörigen abgestimmt.“ Die 101-jährige Bewohnerin sei auf derselben Seite nur zwei Etagen tiefer untergebracht worden.

In den letzten Wochen waren weitere Klagen von Bewohnern und deren Angehörigen über das Opladener Heim öffentlich geworden. Dabei ging es unter anderem um Personalmangel und ein neues Pflegekonzept, das keine festen Kontaktpersonen mehr vorsieht und von Heimbewohnern kritisiert wird. Angehörige hatten sich beschwert, dass sie von einem sterbenden Heimbewohner nicht in gebührender Form hätten Abschied nehmen können.

Der 78-jährige Eggert Jessien hate sich in einem Pressebericht über die Verletzung des Postgeheimnisses beklagt und von einer „Verwahranstalt“ gesprochen. Auch Jessien hatte umziehen müssen. Doch sind die Unstimmigkeiten inzwischen offenbar ausgeräumt worden. „Ich möchte, dass die Sache zur Ruhe kommt“, sagt der frühere Journalist. „Die Mitarbeiter kümmern sich um mich.“ Inzwischen habe er ein helles und geräumiges Zimmer erhalten.

Josef Peters, Heimleiter und DRK-Kreisverbandsgeschäftsführer, räumt ein, dass ein solcher Umzug und nötige Umstrukturierungen für Bewohner nicht immer leicht nachvollziehbar sind. „Doch müssen wir unsere gesetzlichen Auflagen erfüllen.“ Die Umzüge seien mit der Heimaufsicht und dem Gesundheitsamt abgestimmt.

Auch hätten veränderte Rahmenbedingungen die Arbeit von Leitungsteam und Mitarbeitern in den vergangenen Jahren erschwert. Neben dem Pflegekräftemangel nennt er eine zunehmende Bürokratie. „Es gibt inzwischen eine Flut von Prüfungen, und wir dokumentieren uns tot.“ Ein in der Öffentlichkeit häufig negativ gezeichnetes Bild des Pflegealltags halte junge Menschen ab, Pfleger zu werden, sagt Peters. Hinzu komme die schlechte Bezahlung der Pflegekräfte.