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Leverkusen: Alexander Dederichs aus dem Vorstand des GBO im Interview

Interview Alexander Dederichs : Corona könnte Baustellen lahmlegen

Alexander Dederichs, technischer Vorstand des Opladener Bauvereins, bangt um das Projekt Kämpchenstraße.

Wegen der Corona-Krise brechen Einnahmen bei den Kommunen weg, die Zahl der Arbeitslosen steigt, der Konsum geht zurück, das prognostizieren die Wirtschaftsweisen. Nur die Baubranche soll mit 2,7 Prozent weiterhin boomen, das sagen die Experten ebenfalls voraus. Sehen die Verantwortlichen des ältesten Opladener Bauvereins das ähnlich? Werden Projekte fristgerecht fertiggestellt? Diese und weitere Fragen beantwortet Alexander Dederichs, Diplom-Bauingenieur und technischer Vorstand des Gemeinnützigen Bauvereins Opladen (GBO).

Herr Dederichs, Welche Effekte hat Corona auf die Baukonjunktur?

Alexander Dederichs Es ist meiner Meinung nach grundsätzlich richtig, dass die Baubranche weiterhin wachsen wird. Realität ist aber auch, dass das Coronavirus für einen Dämpfer sorgt und die Bauwirtschaft deutlich ausbremst. Sämtliche Bauherren sind unsicher und stellen Investments in Immobilien zurück. Sobald eine gewisse Sicherheit zurückkehrt, werden die Investitionen vermutlich wieder anziehen.

Sind mögliche Folgen für den GBO schon absehbar?

Dederichs Wir stellen fest, dass Unternehmer und Zulieferer teilweise Probleme bekommen, weil die private Kundschaft nicht investiert. Das könnte für uns im Zweifel als Folgeeffekt ebenfalls problematisch werden. Unsere Sorge ist, dass unsere komplette Baustelle in der Kämpchenstraße stillsteht und nichts mehr geht, falls wir einen Corona-Fall in einem Schlüsselgewerk bekämen. Wirtschaftlich gesehen bedeutet das für uns zwar entgangene Mieteinnahmen, gefährdet aber in keinem Fall unsere Existenz.

Apropos Kämpchenstraße. Läuft die Baustelle wie geplant?

Dederichs Diese Baustelle läuft besser, als jemals zuvor und wir haben dort so viele Leute wie nie. Die Arbeiter sind dankbar für jede Arbeit. Die Fertigstellung ist für 1. August geplant. Allerdings gehe ich davon aus, dass wir nicht pünktlich fertig werden. Denn wir rechnen intern damit – und die Wahrscheinlichkeit dieses ungünstigsten Falles ist nicht gering – dass uns das Coronavirus ebenfalls trifft.

Das bedeutet?

Dederichs Mieteinnahmen würden entfallen. Deshalb haben wir in unseren Liquiditätsberechnungen entsprechend darauf reagiert und Einkünfte zum späteren Zeitpunkt eingerechnet. Die Frage ist ja auch, ob man ein ausgefallenes Unternehmen ersetzen kann oder darf. Die entsprechende Rechtssituation ist noch nicht geklärt, selbst wenn es eine klare Beurteilung über höhere Gewalt gibt und Corona als höhere Gewalt einzustufen ist.

Was ist mit weiteren Vorhaben?

Dederichs Eigentlich sollte die öffentlich geförderte Modernisierung in den Gebäuden Burscheider Straße 130-134 mit vollständiger Sanierung der Bäder am 15. April beginnen. Diese Maßnahme haben wir auf unbestimmte Zeit verschoben. Denn wir können den durchgängigen Bauablauf nicht sicherstellen, außerdem besteht für beide Seiten eine Infektionsgefahr. Die Gesundheit der Mieter und Unternehmer hat bei uns auf jeden Fall Vorrang und oberste Priorität.

Wie sehen andere Pläne aus?

Dederichs Wir sind immer offen für Zukäufe. Aktuell sind wir damit beschäftigt, weitere Grundstücke in Opladen zu erwerben. Unseren Besitz im Hederichsfeld würden wir gerne rund um das Eckhaus an der Schillerstraße kombinieren und vereinen. Insgesamt werden Grundstücke in der Stadt natürlich erheblich knapper. Insofern hatten wir in den letzten Jahren viel Glück. Nun sind wir erstmals in der Geschichte des Bauvereins dazu übergegangen, ein bestehendes Haus abzureißen und auf dem gleichen Grundstück neu zu bauen. Diese Ersatzbebauung ist am Imbacher Weg in Vorbereitung. Die Baugenehmigung liegt vor, wir könnten sofort anfangen. Aber zuvor wollen wir unseren Mietern vernünftige Alternativen anbieten.