Leverkusen: Abwasser floss in die Dhünn

Umweltverschmutzung in Leverkusen : Kanaldeckel locker - Dreckbrühe fließt in die Dhünn

Die heftigen Regenfälle vom Wochenende haben eine neue Schwachstelle des Leverkusener Kanalnetzes offen gelegt: Aus einem städtischen Kanal flossen geschätzt mehrere Millionen Liter Hausabwässer aus Steinbüchel, Schlebusch und der Waldsiedlung vermischt mit Regenwasser ungefiltert in die Dhünn.

Der Vorfall musste gestern von den Technischen Betrieben Leverkusen (TBL) an die Gewässeraufsicht der Bezirksregierung Köln gemeldet werden.

Die Dreckbrühe stand zumindest vergangenen Freitag mehr als knöchelhoch auf dem Fuß- und Radweg nahe Schloss Morsbroich. Fußgänger (auch mit Hunden) wateten ohne Hemmungen durch den stinkenden Strom, Radfahrer fuhren wasserspritzend durch. Dabei ist der Kontakt mit Abwasser risikoreich. Schon über kleine Hautverletzungen können sich Menschen Krankheitserreger holen, die meist aus dem Urin der Kanalratten stammen.

Amtsarzt Dr. Martin Oehler schätzt die Gefahr des Abwasservorfalls an der Dhünn insgesamt als gering ein, da es sich um einen Mischwasserkanal handele, in dem Regenwasser und Abwasser gemeinsam in Richtung Klärwerk Wiesdorf fließen. Pro Jahr gibt es laut Oehler bundesweit ca. 100 Abwasser-Krankheitsfälle. Aber: Vor Jahren starb eine Opladenerin, nachdem sie durch ihre mit Abwasser geflutete Wohnung gelaufen war. Ein Zusammenhang mit dem Kanalwasser erscheint wahrscheinlich, blieb jedoch letztlich unbewiesen. Nach Anfrage unserer Redaktion schickte Hans-Michael Bappert, stellvertretender TBL-Leiter, ein Säuberungsteam zur Dhünn. Es beseitigte grobe Verunreinigungen aus Toilettenpapier und Binden rings um den Kanalschacht. Die vielen Abwasserreste unter der Dhünnbrücke waren aber gestern noch zu sehen.

Nach Wissen der städtischen Technischen Betriebe trat jetzt erstmals aus diesem Schacht "ungewollt" Abwasser aus. Tatsächlich gab es schon früher solche "unerwünschten Netzaustritte", wie in der Vergangenheit der offen stehende Kanaldeckel und Papierreste gezeigt haben.

Der locker aufliegende Schachtabschluss soll jetzt vorsichtshalber verschraubt werden.

(US)
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