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Leverkusen: Abschied vom Impfzentrum

Die Einrichtung im Erholungshaus schließt zum 1. Oktober : Abschied vom Impfzentrum

Rund 120.000 Impfungen in acht Monaten im Erholungshaus: Das wäre die Kurfassung. Die ausführliche Bilanz des Impfzentrums fällt bei den Beteiligten am letzten Impftag wesentlich länger und emotionaler aus.

Martin Fricke von der Feuerwehr Leverkusen ist es wehmütig ums Herz. „Das war hier nicht irgendein Impfzentrum, das war ein Teil meines Lebens“, sagt er. Es ist Mittagspause im Erholungshaus. In gut einer Stunde werden sich die Türen wieder öffnen, werden Malteser und Sicherheitspersonal Impflinge einlassen und sie über den Empfang mit Ausgabe der Nummern-Armbänder und durch die Fieber- und Dokumentenkontrolle in den Wartebereich schicken. Dort leuchten auf den Anzeigetafeln die Nummern der Impfling-Armbänder auf und auch, in welcher der vier Impfstraßen es weitergeht.

Eine Etage darüber in der „Apotheke“ werden die Impfstoffe für die Vakzingabe vorbereitet. Ein Sicherheitsmitarbeiter behält drei große Kühlschränke im Auge. Darin liegen Butterbrotdosen. Inhalt: die Impfportiönchen in den Spritzen, die die Apotheker und PTAs nebenan fertiggemacht haben. Um das Vakzin von dort sicher in die Impfstraßen bringen zu können, wurden besagte Butterbrotdosen mit Einlagen so präpariert, dass jede Spritze darin ein stoßgeschützes Plätzchen hat.

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Alles wie immer im Impfzentrum also. Nur, dass an diesen Donnerstag im Erholungshaus alles zum letzten Mal geschieht. Das Leverkusener Impfzentrum schließt zum 1. Oktober.

 Martin Fricke zeigt eine „Butterbrotdose“ mit Impfstoff.
Martin Fricke zeigt eine „Butterbrotdose“ mit Impfstoff. Foto: Ludmilla Hauser

Fast ein Jahr zurück. Als Martin Fricke hört, dass ein Impfzentrum aufgebaut werden soll, hat er erstmal gestaunt. „Was sollen wir? Das habe wir noch nie gemacht“, habe er damals gesagt, erzählt er lächelnd. „Wir haben viel improvisiert, haben viel dabei gelernt, haben das Ziel, viele zu impfen, erreicht“, resümiert er. „Und die Feuerwehr war dabei nicht alleine.“ Gesundheitsdezernat, Malteser Hilfsdienst, Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO), „mutige Ärzte“, fasst Gesundheitsdezernent Alexander Lünenbach zusammen. Bodo Denhoven, ärztlicher Leiter des Impfzentrums, präzisiert: „Acht ärztliche Leiter, 120 Ärzte im vergangenen halben Jahr, dazu mehr als 100 medizinische Fachangestellte, mehr als 100 Apotheker und PTAs und rund 40 Malteser waren im Impfzentrum eingesetzt.“ Politiker und Mediziner Karl Lauterbach, der öfter impfte, nicht mitgezählt. Denn er war in der speziell für die Aufgabe angeschafften Software zur Einsatzkoordinierung nicht vertreten, berichtet Denhoven.

Rund 120.000 Impfdosen wurde im Impfzentrum verimpft. Die Voraussetzungen dafür hat Fricke geschaffen. Er bestellte den Impfstoff. „70 Prozent Biontech, zwölf Prozent Astra Zeneca, zwei Prozent Johnson & Johnson, der Rest Moderna“, ordnet er ein.

Es sind viele Zahlen, die an diesem Mittag die Runde machen. Die Kosten schätzt Lünenbach vorläufig auf rund vier Millionen Euro. Die Endabrechnung kommt aber noch.“ Zahlen müssen Land und Bund. 4000 FFP2-Masken wurden pro Monat im Erholungshaus verbraucht, 120.000 Spritzen, 150.000 Tupfer, 4000 Nierenschalen. Geliefert worden waren 50.000. „Die übrigen lagern wir jetzt erstmal ein“, berichtet Fricke. Die Malteser mussten, erzählt Bezirksgeschäftsführer Tim Feister, 199 mal Hilfe leisten im Erholungshaus. „Zwei Mal davon wegen einer allergischen Reaktion. Ob die durch einen Impfstoff ausgelöst wurden oder andere Gründe hatten, ist unklar.“ Die anderen Male sei es um den Kreislauf gegangen. Meistens vor der Vakzingabe.

„Gerade viele ältere Leute waren aufgeregt vor dem Termin“, berichtet auch Bettina Schwarz-Lindlar vom Leiterteam. Mancher Impfling älteren Semesters sei da in feinem Sonntagsstaat erschienen, „das war schon ein bisschen feierlich“. Was sie besonders berührt habe: „Die tiefe Dankbarkeit gerade der älteren Menschen. Auch in den Altenheimen.“ Menschlichkeit ist auch für die anderen ein großes Stichwort: „Ich hätte nie gedacht, dass aus so vielen Menschen ein richtiges Team wachsen kann“, sagt Denhoven. Reiner Falkenau (KVNO) und Tim Feister betonen: „Hier sind auch echte Freundschaften entstanden.“

Martin Fricke ergänzt: „Das Ganze hat nur so gut funktioniert, weil alle so viel Herzblut und Engagement gegeben haben. Ich nehme Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“