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Leverkusen: A1 und A3 werden ausgebaut - kein Tunnel, sondern Stelze

Lauterbach spricht von „Ohrfeige“ : Tunnel für A1 bei Leverkusen abgelehnt – A3 wird quer durch Stadt ausgebaut

Das Bundesverkehrsministerium hat den oberirdischen Ausbau der A1 und der A3 verkündet. Oberbürgermeister Uwe Richrath und SPD-Politiker Karl Lauterbach sind verärgert über die Entscheidung. Nun kommt die „Megastelze“ im Stadtteil Küppersteg.

Die Würfel in Berlin sind gefallen: Die A1 und die A3 werden oberirdisch ausgebaut, im Ministeriumsdeutsch: „in Höhenlage“. Im Klartext: Die gefürchtete A1-Megastelze in Küppersteg kommt ebenso wie der Ausbau auf eine achtspurige A3 quer durch die Stadt. Das hat Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, jetzt bekanntgegeben. „Die A1 und 3 gehören zu den wichtigsten Autobahnen in Deutschland. Sie reichen von der Ostsee bis ins Saarland, von den Niederlanden bis nach Österreich. Damit ist klar: Wo sich diese Strecken in Leverkusen kreuzen, muss der Verkehr reibungslos fließen. Die Festlegung auf die Vorzugsvariante in der bestehenden Höhenlage ist ein wichtiger Schritt für Leverkusen: Sie ermöglicht einen schnellen Ausbau und minimiert die Belastung für Pendler und Wirtschaftsverkehr.“ Ferlemann spricht von intensiver Abwägung wegen der komplexen städtebaulichen Situation, von Umweltverträglichkeit, Trassierung, Verkehrssicherheit, Bauablauf und Baukosten, die ebenso im Fokus gestanden hätten wie die „angestrebte Minderung der Belastung durch Feinstaub und Stickstoffoxide“. 

Karl Lauterbach (SPD) spricht von einer „Ohrfeige für Leverkusen“. Die Empörung über die Entscheidung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) schwingt in der Stimme des Leverkusener Bundestagsabgeordneten mit, als er wettert: „Die Substanz des Ganzen ist: Für Leverkusen gibt es die billigste Lösung und für die Bevölkerung den maximalen Schaden. Noch nicht mal der kleine A1-Tunnel kommt.“

Dass es so kommen könnte, hatte Lauterbach in den vergangenen Monaten immer wieder prophezeit, hatte mit NRW-Landesvater Armin Laschet Gespräche gesucht, ebenso mit Scheuer. Letzterer habe zusagt, auch den langen A1-Tunnel unterm Rhein durch bis Köln zu prüfen. „Solch eine Prüfung hat es nie gegeben.“ Lauterbach attestiert Scheuer Kalkül, kurz vor der Bundestagswahl 2021 noch diese Entscheidung getroffen zu haben. „Dazu in einer Zeit, wo die Leute coronabedingt nicht auf die Straße gehen können. Das muss man so kurz vor der Wahl als vorläufige Entscheidung werten“, sagt Lauterbach. Eine Entscheidung, die nicht zur Vogel-Strauss-Politik führen dürfe. Jahrelang hätte Leverkusen für „Tunnel statt Stelze gekämpft, erinnert er. In der Tat gab es Demonstrationen, Menschenketten, Ortstermine mit hochrangigen Ministern zum Komplex Autobahnausbau. Noch im April schrieb Stadtchef Uwe Richrath einen Brandbrief, in dem er Scheuer deftig kritisierte. Die Antwort glich, um in Lauterbachschem Sprech zu bleiben, einer verbalen Ohrfeige. „Scheuer unterschätzt die Kampfbereitschaft der Bürger“, betont Lauterbach. Nun müssten sie weiterkämpfen und nicht kleinere Brötchen backen, sich etwa „mit einer Verschiebung des Rastplatzes an der A1“ schon zufriedengeben, sollte die Entscheidung in die Richtung gehen.

Milanie Kreuz, Fraktionschefin der SPD, schimpft: „Mit der Entscheidung für die Vorzugsvariante Stelze wurde eine fatale Entscheidung für Leverkusen getroffen. Die Auswirkungen von Lärm, Abgasen und Feinstaub werden so für Jahrzehnte betoniert.“ Die Argumente des Stadtrates für „Tunnel statt Stelze“ und den A3-Durchfahrtstunnel „wurden in Berlin nicht gehört oder absichtlich beiseitegeschoben. Scheuer und Ferlemann geht es nur um Geld und Zeit. Sie denken nicht an unsere Heimat Leverkusen und die Zukunft unserer Kinder in dieser Stadt.“

Die CDU fordert: „Die Stadt Leverkusen wird die letzte verbliebene Chance nutzen, um das Projekt ,Tunnel statt Stelze’ umzusetzen. Dazu strebt sie eine Finanzierung der Baumaßnahme im Rahmen der Städtebauförderung an. Der Oberbürgermeister wird die entsprechenden Schritte einleiten, die notwendig sind, um eine Realisierung des Projektes über diesen Weg zu erzielen.“ Da der Bereich zwischen Kreuz Leverkusen-West und Kreuz Leverkusen „als letzter Bauabschnitt erst in den 30er Jahren umgesetzt wird, ist dies noch eine realistische Chance. Auch das Land Hamburg hat bei der Untertunnelung der A7 diesen Weg beschritten.“

Auch Uwe Richrath ist sauer: „ Es werden wieder einmal kommunikative Fakten geschaffen, ohne dass auch nur mit der Stadt – beziehungsweise mit mir als ihrem Oberbürgermeister – gesprochen worden wäre“, moniert er. „Es wurde offensichtlich nicht einmal für nötig erachtet, mich vorher über diese Entscheidung zu informieren.“ Das Ministerium zeige damit, „dass alle guten Argumente der Stadt für einen Ausbau in einer ,gedeckelten Troglage’ nicht gehört wurden oder schlicht nicht interessierten“. Dies als „wichtigen Schritt für Leverkusen“ zu verkaufen, erscheint „mir in diesem Zusammenhang fast schon als Hohn“, ordnet der Stadtchef ein. „Diese Entscheidung ist nicht nur ein Schlag gegen uns, sondern auch ein Schlag gegen die Landesregierung. Denn das Verkehrsministerium NRW hat sich ganz klar für unsere Interessen in dieser Frage eingesetzt.“ Und auch Richrath will kämpfen. Er verspricht: „Ich werde deshalb nicht aufhören, mich für eine Ausbaulösung stark zu machen, die die Menschen hier in Leverkusen weniger stark mit Lärm und Abgasen belastet, und alle Möglichkeiten dazu prüfen.“