1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Leuchtende Viren: So feiern Leverkusener Kindergärten Sankt Martin

In Zeiten der Pandemie : Leuchtende Viren: So feiern Leverkusener Kindergärten Sankt Martin

Kleiner fallen die Martinsfeste in den Kindergärten der Stadt dieses Jahr aus – aber nicht weniger traditionell. Nur die Laternen kommen in ungewohnter Form daher.

Dinos hatten es auch schon mal leichter. Oder Prinzessinnen. Nicht mal das wohl klassischste aller Motive – Sonne, Mond und Sterne – kann sich in diesem Jahr gegen Corona behaupten. Denn wenn im Kindergarten „Die Rheinpiraten e.V.“ eine Laterne angesagt ist, dann das Modell „Virus“.

„Die allermeisten Kinder möchten tatsächlich einen Erreger basteln“, sagt Thomas Kirchner, pädagogischer Leiter der privaten Einrichtung in Hitdorf, und lacht. Wie so viele Erzieher im ganzen Land, überlegen auch er und sein Team, wie sich die Krise in  ihrem Kindergarten bestmöglich meistern lässt. Aktuelles Beispiel: das Sankt-Martins-Fest. Dieses fällt im Corona-Jahr zwar ein wenig anders aus. „Die Traditionen aber sollen nicht verloren gehen“, meint Kirchner, dessen Einrichtung mit Hort 32 Kinder betreut.

Weckmänner gibt es und einen kleinen Umzug um die Kita in Rheinnähe. Laternen gebastelt haben die Jüngsten auch. Nur sehen diese in 2020 eben ein wenig anders aus. Und so leuchten bei den „Rheinpiraten“ derzeit quietschgelbe, knallrote und schleimig-grüne Viren. „Wir haben den Mädchen und Jungen erklärt, dass es davon unglaublich viele gibt – und genau so verschieden sehen nun auch ihre Laternen aus.“ Ein Einzelstück reihe sich ans andere. Die Eltern dürfen diese allerdings erst am Ende des Martinsumzugs sehen, wenn sie ihre Kinder wegen der Abstandsregeln ausnahmsweise an der katholischen Kirche abholen. Denn mitlaufen dürfen sie nicht. „Dafür haben wir einen kleinen Film gedreht, den sie sich zu Hause anschauen können“, erzählt Kirchner. Das Theaterstück rund um Sankt Martin, das sie 2019 noch vor Publikum gezeigt hatten, würden die Kinder vorher drehen, sodass es sich im Internet bestaunen lässt.

Dass die winzigen Partikel große Schäden anrichten können, sorgt auch im Wiesdorfer Kindergarten „Die Knirpse“ für die ein oder andere Sankt-Martins-Änderung. Die Abstands- und Verhaltensregeln dürfen die Einrichtungen zwar unter Berücksichtigung der vom Land vorgegeben Vorschriften selbst bestimmen. Doch ganz gleich, ob es sich um eine städtische Einrichtung handelt, eine in privater Trägerschaft oder eine von der Kirche geführte: Eltern bleiben in 2020 in den allermeisten Fällen draußen. Für Tränen sorge das aber nicht. „Die Kinder verstehen den Grund“, sagt Ilona Friebe, die die in Elterninitiative geführte Einrichtung leitet. Ein Vater dürfe sich am großen Tag zwar als Sankt Martin verkleiden. Ansonsten aber feiern die insgesamt 42 Mädchen und Jungen in ihren jeweiligen Gruppen; die bestellten Weckmänner bekommen die „Knirpse“ in einer Tüte gereicht, verspeisen dürfen sie das Gebäck erst zu Hause. „Mit Laternen gehen wir außerdem bei uns über den Hof“, erzählt Friebe. Dort würden sie eine Feuerschale aufstellen, die das Martinsfeuer ersetzt; eine Kapelle kann den dann mit allen Mädchen und Jungen veranstalteten Mini-Umzug auf dem Kita-Gelände leider nicht begleiten. „Wir haben den Kindern erklärt, dass der Trompeter so stark pustet, dass sein Atem auch Menschen in mehr als anderthalb Metern Entfernung erreichen würde.“

In der DRK-Kita Löwenburg, ebenfalls in Wiesdorf gelegen, testen die Mädchen und Jungen ihre Laternen in einem abgedunkelten Raum der Einrichtung, erzählt Leiterin Heike Grollius. Motive der Märchenwelt oder aus dem Weltraum seien bei den Kindern besonders angesagt, auch Naturmaterialien kämen zum Einsatz. Die Mamas und Papas dürften die beleuchteten Kunstwerke dann durch die Fensterscheibe bestaunen.  Nicht nur für Dinos keine ganz einfache Zeit.