Leon Windscheid im Scala-Club in Leverkusen-Opladen

Leon Windscheid im Scala-Club : Auf die Menschen wartet die Revolution 4.0 und der Ur-Instinkt

Leon Windscheid entführte sein Publikum im Scala-Club am Freitag in die faszinierende Welt der Psychologie. Vor Jahren gewann er bei Jauch eine Million Euro.

Sympathisch, locker – auf keinen Fall belehrend, sondern eher lässig präsentierte sich der 30-jährige Psychologe im legeren Outfit und konfrontierte seine erwartungsvollen Zuschauer gleich mit der ersten Frage des Abends: „Na, wer von Ihnen war denn schon mal beim Psychologen.“ Kaum einer zeigte auf, was Windscheid allerdings wohl erwartet hatte: „Die meisten Menschen sind uns Psychologen gegenüber skeptisch, aber ich kümmere mich jetzt darum, damit Ihr erstes Mal beim Psychologen, nicht das letzte Mal ist.“

„Altes Hirn – neue Welt“, hat der gebürtige Bergisch Gladbacher sein halb wissenschaftliches Programm zu seinem gleichnamigen Buch betitelt, dass gut 200 Besucher ins Scala lockte. Eigentlich, so der Fachmann, sei es kein gutes Zeichen, „wenn Ihr Hirn in dieser geisteskranken Welt ohne Psychologe klarkommt“. Denn einige wenige kluge Hirne dieser Erde, hätten durch fortschrittliche, technologische Erfindungen eine Welt erschaffen, für die unsere Hirne (noch) nicht geschaffen sind.

Als Beispiel ließ Windscheid ein rotes, zehn Meter langes Seil durch den Saal spannen, um die Evolution deutlich zu machen. Den längsten Teil, gute neun Meter, habe der Mensch gebraucht, um sich vom Jäger und Sammler zum Landwirt zu entwickeln. „Die erste Revolution.“ Ab da sei es rasend schnell gegangen, was er auf wenigen Millimetern Schnur in seiner Hand zu verdeutlichen versuchte: Industrialisierung, Digitalisierung und nun „die unfassbare Revolution“, wie Windscheid die Revolution 4.0 nennt, denn das, was nun auf uns zu komme, sei für das menschliche Hirn schlicht nicht mehr begreifbar: „Alles besteht nur noch aus Einsen und Nullen, aus lauter Daten, mit denen Computer gefüttert werden, die schneller lernen als wir.“

Kein Wunder also, dass immer mehr Technik in der Industrie den Menschen als Arbeitskraft ersetzt. Maschinen mit einer großen Datenbank und einer ordentlichen Rechenleistung seien heute sogar in der Lage, nur anhand der Hirnströme, Bilder zu erzeugen, die Gedanken sichtbar machen. Das zeigte Windscheid anhand von Aufnahmen aus der Forschung. Der Psychologe nutzte die Stille im Saal kunstvoll, um der plötzlich aufkommenden Bedrücktheit Raum zu geben. „Macht Ihnen das Angst? Wenn ja, dann ist das gut so, denn das sollte uns Angst machen.“ Der Ur-Instinkt müsse nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden, um einen positiven Effekt zu erzielen. Denn heute hätten mehr Leute vor Terrorismus Angst als vor Bier, wobei Alkoholkonsum deutlich mehr Tote in Deutschland zu verantworten habe, als Anschläge.

Am Ende eines unterhaltsamen Abends, der einen Rundumblick auf unsere Gesellschaft bot, blieb die Erkenntnis, dass es nicht sinnvoll sein kann, im Bildungswesen nur auf die Intelligenz des Nachwuchses zu setzen, „da sind uns die Maschinen schon jetzt einiges voraus.“ In Empathie, Kreativität und Moral allerdings, können uns die Maschinen (noch) nicht schlagen.

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