Lauterbach zu Bayer: „Monsanto war ein Fehler“

Strategische Neuausrichtung des Konzerns: Lauterbach: „Monsanto war ein Fehler“

Bayers Umbauplan enttäuscht den Bundespolitiker. Rüdiger Scholz (MdL) rechnet mit weniger Bayer-Jobs in der Stadt.

Es ist Tag eins nach dem Donnerschlag, den Bayer losgelassen hat, und der Konzern ist Gesprächsthema: 12.000 von weltweit gut 118.000 Stellen will der Konzern streichen. Deutsche Standorte sind „signifikant“ betroffen. Hierzulande soll der Abbau – wegen der Standortsicherung, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt  – sozialverträglich laufen. Konkrete Zahlen nennt Konzernchef Werner Baumann noch nicht.

Auf die will Oberbürgermeister Uwe Richrath warten, vor allem auf die für Leverkusen, um dann mit Baumann zu sprechen. „Das ist klar eine negative Nachricht“, merkt er an, aber: „Mehr als 100.000 Arbeitsplätze bleiben weltweit erhalten. Bayer muss dafür sorgen, dass es Sicherheit für die übrige Belegschaft gibt. Das ist mit der Verlängerung der Standortsicherung vorerst gelungen.“ Richrath sieht positiv, dass der Stellenabbau kontrolliert laufen soll über sozialverträgliche Lösungen wie natürliche Fluktuation, Rentenregelungen etc. „Es wird niemand von heute auf morgen arbeitslos.“

Ob die neue strategische Ausrichtung „in der Übernahme von Monsanto begründet ist oder weitere Ursachen hat, kann ich nicht beurteilen“, sagt Richrath vorsichtig. Bundestagsabgeordneter Karl Lauterbach tut’s: „Es ist ein Fehler gewesen, im Wissen, dass europaweit vor der krebserregenden Wirkung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat gewarnt wurde, Monsanto zu kaufen“, wettert der SPD-Politiker. „Damit sich die Verluste der Aktionäre durch den Kauf der US-Firma im Rahmen halten, werden Jobs abgebaut. Und Leverkusen wird wohl stark betroffen sein.“ Er sei „über diese waghalsigen unternehmerische Entscheidung enttäuscht“. Der Abgeordnete in Lauterbach fürchtet einen herben Image-Schaden für den Konzern – „der ist nicht in ein paar Monaten behoben“. Der Mediziner in ihm sagt: Es sei seltsam, dass ein Konzern, der eine große Pharmasparte unterhalte, eine Firma kauft, deren wichtigstes Produkt Glyphosat als krebserregend gelte. Es müsste Bayer gelingen, darzustellen, dass Glyphosat nicht krebserregend sei und dies schon beim Kauf von Monsanto klar gewesen sei. Studien dazu sprächen aber eine andere Sprache. „Bayer hat einen Ruf zu verlieren.“ Und Leverkusen Arbeitsplätze. Auch er will mit Baumann „ins Gespräch treten“. Um alles zu versuchen, dass Leverkusen, so weit es geht, von Stellenabbau verschont wird.“ Es könne nicht sein, dass gerade der Stammsitz geschoren werde.

Lauterbach und Landtagsabgeordneter Rüdiger Scholz (CDU) sind selten einer Meinung, aber auch Scholz fürchtet um Jobs in der Stadt: „Dass die Stellen in Deutschland sozialverträglich abgebaut werden, die Standortsicherung verlängert wurde, sind wichtige Nachrichten für die Mitarbeiter. Aber jeder wegfallende Platz wird wohl nicht mehr ersetzt. Mittelfristig müssen wir mit Nettoverlusten rechnen.“

Apropos Image: Richrath ist überzeugt, dass ein Imageschaden Bayers nicht auf die Stadt abfärbt: „Wir haben mit Covestro und Lanxess noch zwei große Chemie-Player mit Produktionsstätten, die Millionen in den Standort investieren und sich so zu Leverkusen bekennen.“

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