Bundestagswahl in Leverkusen/Köln-Mülheim: Lauterbach gewinnt dank Köln - Nowak über Liste drin

Bundestagswahl in Leverkusen/Köln-Mülheim : Lauterbach gewinnt dank Köln - Nowak über Liste drin

Karl Lauterbach bleibt dank der Stimmen aus Köln der Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis 101 Leverkusen/Köln-Mülheim. Nach dem vorlöufigen amtlichen Endergebnis des Bundeswahlleiters zeigt sich: Auch CDU-Kandidat Helmut Nowak schafft es über die Landesliste erstmals nach Berlin.

Karl Lauterbach bleibt dank der Stimmen aus Köln der Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis 101 Leverkusen/Köln-Mülheim. Nach dem vorlöufigen amtlichen Endergebnis des Bundeswahlleiters zeigt sich: Auch CDU-Kandidat Helmut Nowak schafft es über die Landesliste erstmals nach Berlin.

Etwa 15 Wahlbezirke waren noch nicht ausgezählt, da wurde Professor Karl Lauterbach im Wiesdorfer Szenelokal "Dos Y Dos" von der versammelten SPD-Unterstützerriege schon frenetisch als Wahlsieger bejubelt. Doch davon wollte der Sozialdemokrat zu diesem Zeitpunkt gegen 21.30 Uhr noch nichts wissen. Zu knapp war sein Vorsprung:

"Wenn ich gewinne, ist das euer Verdienst, wenn ich verliere meine Schuld", kündigte er unter lautem Gelächter der Umstehenden immerhin schon mal an. Und dann schwoll der Jubel erneut an, als Lauterbach hinzufügte: "Einen Grund zum Feiern gibt es ja schon, die FDP ist draußen." Bereits bei der ersten Hochrechnung hatten die Genossen im "Dos Y Dos" bei den 4,7 Prozent für die Liberalen Begeisterungsrufe wie beim Fußball von sich gegeben.

Nach dem "härtesten Wahlkampf, den ich je geführt habe" wollte der wieder in Anzug und Fliege gewandete Sieger, der den Wahlkreis 101 (Leverkusen/Köln-Mülheim) vor allem wegen zahlreicher Stimmen aus der Domstadt gegen den Bundestrend zum dritten Mal holte, am Ende nur noch eines: Feiern "und all meinen tollen Helfern danken".

Helfern wie Marlene Echterhoff. Die Küpperstegerin ist mit großen Eimern voll roter Rosen wochenlang durch die Geschäfte gezogen und hat sie verteilt. Am Sonntagabend im "Dos Y Dos" wollte sie jeden Moment des Erfolgs auskosten. Und sie wünschte sich vor allem, "dass jetzt eine große Koalition kommt und Karl Lauterbach Gesundheitsminister wird. Das wäre der erste, der Ahnung hat". Dazu wollte der so gelobte Wahlsieger gestern nur so viel sagen: "Unter meinen etwa 20.000 Gesprächen, die ich auf der Straße im Wahlkampf geführt habe, gab es viele, in denen ich gebeten wurde, Gesundheitsminister zu werden. An solchen Spekulationen beteilige ich mich nicht, aber von diesen Wünschen fühle ich mich sehr geehrt." Da wurde der sonst so nüchterne Professor plötzlich emotional.

Helmut Nowak dagegen hatte am Sonntagabend die verlorene Wahl noch analytisch einsortiert: "Ich habe das Ergebnis zur Kenntnis zu nehmen. Morgen sitze ich wie gewohnt um 6.20 Uhr an meinem Schreibtisch", sagte der Schlebuscher Brillenunternehmer, der noch vor Verkündung des vorläufigen Endergebnisses den Heimweg antrat und sich erst am nächsten Morgen über den Erfolg durch die Landesliste freuen konnte. Ein Treffen mit Wahlsieger Lauterbach fiel aus, weil der SPD-Politiker trotz deutlichem Stimmenvorsprung nicht rechtzeitig genug für Nowak ins Rathaus kam. So blieb die Atmosphäre im durchweg leeren Ratssaal im Laufe des Abends in etwa so prickelnd wie drei Mal benutztes Badewasser.

Ist für die CDU die SPD-Burg Köln-Mülheim & Co nicht zu knacken? "So würde ich das nicht sehen. Es ist für uns als CDU in diesem Bereich eben ein langwieriger Prozess", sagte Nowak. "Ich finde es nur bedauerlich, dass Leverkusen nicht durch die CDU in Berlin vertreten ist. Da werden die dringend nötigen Infrastrukturprobleme wieder auf die lange Bank geschoben." Das will er nun ändern. Nowak fand nicht, dass er und sein Team einen falschen Wahlkampf geführt haben, in dem sie auf Besuche bei Festen und Vereinen setzten. "Die CDU-Wahlkämpfer haben ordentlich mitgezogen, vor allem auch die Junge Union."

Fast unbemerkt von allen anderen schaute FDP-Bundestagskandidat Dr. Guido Fischer am Sonntagabend kurz im Rathaus vorbei. Er sprach von einer "krachenden Niederlage" für seine Partei, die "personell keinen Stein auf dem anderen lassen wird". Und weg war er wieder.

Da hatte Lauterbach im "Dos Y Dos" schon sein erstes Glas Kölsch (oder war es Fassbrause?) getrunken — nicht etwa, um zu feiern, sondern um die Anstrengung des härtesten Wahlkampfs seiner Karriere herunterzuspülen. "Zum Glück bin ich Ausdauersportler und regeneriere sehr schnell", flachste der Genosse glänzend gelaunt. "Und meine Stimme ist unkaputtbar." SPD-Unterbezirkschefin Eva Lux legte später nach: "Was der Karl nebenbei noch alles tut, um den Menschen seines Wahlkreises bei medizinischen oder Pflegeproblemen zu helfen, sieht man ja nicht. Damit geht er nicht an die Öffentlichkeit." Sein Engagement sei beeindruckend. "Von ihm", da ist sich Lux sicher, "werden wir in der Legislaturperiode noch viel hören."

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