1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Lanxess will Dividende für 2019 auf 95 Cent erhöhen

Bilanzzahlen : Lanxess baut auf Flusssäure aus Leverkusen

Der Konzern legt neuen Schwerpunkt auf Batterietechnologie. Ein Rohstoff aus dem Chempark öffnet dazu die Türen.

Was macht Matthias Zachert in fünf Jahren? Wenn es nach ihm geht, ist er weiterhin an der Spitze des Köln-Leverkusener Spezialchemiekonzerns Lanxess und hat mit dem Konzern Fuß gefasst im Bereich der Elektromobilität. „Ich bin emotional diesem Unternehmen verhaftet, finde unsere Mitarbeiter grandios“, gestand er bei der Vorstellung der Geschäftszahlen 2019 und nahm „Spekulationen“ (Zachert), dass er Lanxess verlasse, die Luft: „Ich habe vor, meinen Vertrag zu erfüllen.“ Und den Konzern immer mehr in Richtung Spezialchemie umzubauen.

Zachert setzt dabei unter anderem auf das „Wachstumsfeld Batterietechnologie“. Laut dem Spitzenmanager wird sich diese – aktuell hauptsächlich in Asien stationiert – auch in Europa etablieren, Stichwort: Elektromobilität. Bis 2025 könnte sich bis zu einem Drittel der globalen Batterie-Kapazität in der EU niedergelassen haben, schätzt der Vorstandsvorsitzende. Batterien bestünden zu 50 Prozent aus Chemikalien, was gut für die Chemiebranche sei. Von diesem Kuchen will Lanxess ein großes Stück ab haben.

Der Wunsch ist begründet: „Wir haben die Schlüsselprodukte für Batterien“, betont Zachert. Für Batteriegehäuse kann Lanxess Material liefern, im Portfolio sind auch zwei der drei wichtigen Chemikalien, der Konzern ist durch die Akquise der US-Firma Chemtura im Bereich Flammschutzmittel für Batterien gut aufgestellt, will in dem Bereich auch forschen. Ein Flusssäurebetrieb steht in Leverkusen, Zachert bezeichnet ihn als „World-Scale“-Anlage, eine Anlage im Weltformat, verrät aber aus Wettbewerbsgründen nicht, wie viele Lanxesser in dem Bereich im Chempark beschäftigt sind oder einzelne Wirtschaftsdaten, nur: „Wir müssen uns nicht verstecken.“ Lanxess habe schon jetzt Anfragen aus Korea und anderen asiatischen Staaten wegen der Flusssäure und Phosphorchemikalien „von Unternehmen, die bisher nicht zu unseren Kunden zählten“, die Rohstoffketten schließen wollen. Es gebe erste Vertragsverhandlungen.

Auch um das dritte Molekül im Bereich Batterien will der Konzern sich kümmern, konkret um die Lithium-Extraktion per umweltfreundlichen, CO2-sparsamen Verfahren. Eine Pilotanlage ist in den USA seit März in Betrieb. Im Laufe des Jahres soll sich herausstellen, „ob sich das lohnt“, kündigte Zachert an. „Wenn ja, dann werden wir es groß machen, dann sind bis zu drei Anlagen möglich, da steckt ein enormes Potenzial drin. Wir sind begeistert. Vorerst moderat begeistert.“

Moderat ist das Stichwort auch für die Aussichten. Zachert stapelt nicht zu hoch – wegen der Corona-Unsicherheiten. Zwei eigene bestätigte Fälle, einen in Köln, einen im Ausland, verzeichnet der Konzern, in China standen Produktionsanlagen für bis zu zwei Wochen still, sind aber wieder angefahren. In dem Land gebe es vor allem bei der Logistik Probleme in den Provinzen und Häfen, die sich bis in den April ziehen werden. Die Belastungen durch Corona bezifferte Zachert im ersten Quartal mit 20 Millionen Euro, aufs Gesamtjahr mit einer Belastung fürs Ergebnis zwischen 50 und 100 Millionen Euro. Zachert geht nun von einem Gewinn (vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen) zwischen 900 Millionen und einer Milliarde Euro aus.

Lanxess erwartet im zweiten Quartal 800 Millionen Euro aus Verkäufen. „Damit sind wir gut aufgestellt für Wachstum“, sagt Zachert. Er will die Dividende auf 95 Cent hochsetzen, denkt über Akquisitionen nach und investiert in Anlagen. 200 Millionen gehen an deutsche Standorte, 125 davon ins „Herz von Lanxess nach Leverkusen“.