Leverkusen/Köln: Lanxess: Turbulenzen um Heitmann-Abgang

Leverkusen/Köln : Lanxess: Turbulenzen um Heitmann-Abgang

Seit einer Woche ist Axel Heitmann nicht mehr Lanxess-Chef. Es gibt Vorwürfe zu seinem Führungsstil.

Was er jetzt macht? Offiziell geworden ist noch nichts. Von der Optik — schlank, im Nadelstreifenanzug, die Hände lässig in der Tasche, der Bick geradeaus — käme eine Karriere als älteres Männermodel in Frage für den Ex-Lanxess-Chef Dr. Axel C. Heitmann.

Was er gemacht hat? Lanxess in letzter Zeit den Atem genommen. Das schreibt zumindest das Wirtschaftsblatt Manager Magazin. "Ex- Chef Heitmann musste gehen, weil er fast die gesamte Führungstruppe gegen sich hatte", heißt es da. Seit seinem Abgang von der Lanxess-Bühne werde dort wieder "frei geatmet".

In den Monaten vor seinem Ende als Lanxess-Boss habe es nur noch Krach mit dem übrigen Vorstandskollegen und der Etage darunter, den Chefs der Geschäftsbereiche, gegeben. Die sollen Heitmann im September vergangenen Jahres gar einen Brief geschrieben haben, in dem sie in aufforderten, sich um "die Gemein- und Rohstoffkosten" zu bemühen, schreibt das Magazin und beruft sich auf Konzerninsider. Von dort, also vom Konzern, wollte man sich gestern zu dem Bericht des Blattes nicht äußern. "Dazu nehmen wir keine Stellung", sagte ein Pressesprecher.

Eben auch nicht dazu, dass Heitmann sich intern den Zusatz "Caesar" eingefangen haben soll, weil er spätestens seit Lanxess im DAX verzeichnet ist, laut dem Blatt als "ein selbstherrlicher Einzelunternehmer statt wie ein angestellter Manager" agiert haben haben soll.

Fakt ist: Axel Heitmann hat gerne das Weltkonzern-Image von Lanxess ordentlich poliert: Verbal versteht der Chemiker es exzellent, ein halbleeres Glas Wasser immer als ein halbvolles zu verkaufen. Mit seiner Erscheinung — ein Heitmann liest nicht eifnach eine Rede ab, er zelebriert sie mit eloquenter Betonung von Halbsätzen, Wörtern, manchmal nur Silben. Ein Heitmann setzt zu einem souveränen Spiel der Gesichtsmusulatur gezielt Handbewegungen ein. Das mag unterkühlt und vielleicht zu gatt wirken, hat aber auch immer etwas Weltmännisches. In der Außenwirkung manövrierte er erst den Namen Lanxess an die Fassade der Köln-Arena und dann die Konzernzentrale im vergangenen Jahr ins ehemalige Lufthansa-Hochhaus mitten im Zentrum von Köln. Weg von Mutter Bayers Rockzipfel in Leverkusen.

Der 54-Jährige aus Hamburg kennt in Sachen Unternehmensstrategie nur eine Richtung: nach oben. Die wurde ihm offenbar zum Verhängnis. Er habe investieren wollen, der übrige Vorstand aber sparen, berichtet das Manager Magazin. "Bis zuletzt verteidigte er störrisch die Ausrichtung des Konzerns auf die Autoindustrie." Offenbar gegen die Meinung aller übrigen Manager — inklusive der des Aufsichtsratschefs Rolf Stomberg, der die Notbremse zog. Axel Heitmann musste gehen. Wohin? Unbekannt. Bei Lanxess hieß er dem Magazin zufolge auch "Mr. Hollywood".

(RP)
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