Leverkusen/Köln: Lanxess-Chef: Misstrauen gegen Industrie ist vorbei

Leverkusen/Köln: Lanxess-Chef: Misstrauen gegen Industrie ist vorbei

Matthias Zachert lobt NRW-Regierung und sieht Trump-Politik kritisch.

Gute Botschaft aus dem gläsernen Turm in Köln: Lanxess meldet ein Rekordjahr - einen um fast 30 Prozent gesteigerten Gewinn vor Zinsen, Steuer, Abschreibungen (Ebitda) und damit "das beste Ergebnis der Konzerngeschichte" - und eine zart erhöhte Dividende. 80 Cent je Aktie sollen die Anteilseigner erhalten - für 2016 gab es 70 Cent.

Auf dem Podium saßen zur Bilanzvorstellung gestern die Finanzmänner von Lanxess. Der eine - Michael Pontzen, Jahrgang 1968, BWLer - kümmert sich seit drei Jahren um die Kennzahlen. Der andere - Matthias Zachert, Jahrgang 1967, BWLer - sitzt seit 2014 auf dem Chefsessel. Lanxess kennt er zehn Jahre länger, war ab 2004 Finanzchef, wechselte 2011 zu Merck, kam 2014 zurück. Und schickte gestern neben den Zahlen weitere positive Botschaften aus. Eine wichtige für Leverkusen, dem mit rund 3600 Mitarbeitern weltweit größten Produktionsstandort: "Wir stehen zum Standort Deutschland, zum Standort NRW." Vor einiger Zeit hatte Zachert gar gesagt, das Herz des Konzerns schlage in Leverkusen - hier will Lanxess in diesem Jahr übrigens 125 Millionen Euro investieren.

Vermutlich schlägt das Herz ruhiger, seit die neue NRW-Regierung am Zug ist. "Ein Unternehmen wie Lanxess, das in NRW bleiben will, trifft auf eine Regierung, die NRW nach vorne bringen will", formulierte Zachert. Sie gehe frisch Reformen wie das Entfesselungsgesetz (Bürokratieabbau bei Gesetzen, die etwa Handel und Industrie betreffen, Anm. d. Redaktion) an. Was Lanxess in Euro davon habe, fragte ein Journalist. Zachert: "In Euro nichts, aber wir sehen daran, dass kein Misstrauen mehr gegenüber der Industrie herrscht, dass sich gesellschafts-, infrastruktur- und energiepolitisch etwas tut." Nachsatz: "Dass man wieder in einen Dialog tritt, ist eklatant wichtig für das Industrieland Deutschland."

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Die Trump'sche Handelszollpolitik ordnete der Manager hingegen so ein: "Handelsbeschränkungen führen zu einer ,lose-lose'-Situation. Die Frage ist: Wer verliert am meisten? Die Zeche zahlen die Konsumenten." Zölle auf Produkte aus der Chemieindustrie hält er für unwahrscheinlich, weil die USA mehr Chemie ex- als importierten.

Aber: Lanxess will in Nordamerika und Asien die Präsenz weiter ausbauen - "das Geschäft regional ausbalancieren", nennt Zachert das. Der Anfang ist mehr als gemacht: 2017 war geprägt von der Übernahme der US-Firma Chemtura, durch die Lanxess bis 2020 rund 100 Mio. einsparen will. Das erste Ziel - 25 Mio. in 2017 - hat Lanxess übertroffen, sparte 30 Mio. Den Großteil hat Lanxess noch vor der Brust. Für die Chemtura-Integration rechnet Pontzen in 2018 mit 30 Mio. Einmalaufwendungen. Und Zachert in seiner Prognose fürs viergliedrige Lanxess-Geschäft (ohne das Kautschuk-Joint-Venture Arlanxeo, das ab April gesondert ausgewiesen wird) mit einem Ebitda leicht über dem von 2017. Da fuhren die vier Segmente von "New Lanxess" ein Ebitda von 925 Mio. Euro ein.

(RP)