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Leverkusen/Köln: Lanxess - Aktionäre fordern Antworten

Leverkusen/Köln : Lanxess - Aktionäre fordern Antworten

Die erste Hauptversammlung für Matthias Zachert als Lanxess-Vorstandschef war keine leichte. Weil er harte Zeiten für den Konzern verkünden musste und weil einige Aktionäre nicht gerade mit Glacéhandschuhen ans Rednerpult traten.

Geburtstagsfeiern sind eine heitere Angelegenheit. Wieder ein Jahr geschafft. Darauf gibt's ein Gläschen Sekt und ein Stück Torte. Gestern gab's in Köln nichts davon auf der Hauptversammlung des Lanxess-Konzerns, die durchaus hätte zu einer heiteren Feier zum zehnjährigen Bestehen des Unternehmens werden können. Stimmten denn die Zahlen.

Das tun sie nicht. Der Chemiekonzern verzeichnete für 2013 einen Konzernverlust von 159 Millionen Euro. Die Aktionäre - mehr als 1500 waren zur Versammlung in die Lanxess-Arena gekommen - müssen mit der im Vergleich zu 2012 halbierten Dividende von 50 Cent pro Aktie zurechtkommen.

Und Sekt? Den gibt es vielleicht frühestens 2017 wieder. Denn der Neue an der Konzernspitze, Matthias Zachert, will und muss sparen. Wie und wo das geht, werde derzeit ausführlich analysiert, versicherte der Manager, sprach vom steinigen Weg für die nächsten zwei, drei Jahre, von kurz- bis langfristigen Anlagen-Stilllegungen und möglichen Betriebsschließungen, von strategischen Allianzen, deutlicher Wettbewerbssteigerung und mehr Profitabilität, weniger Investitionen (2015 will Zachert deutlich unter 600 Millionen, ab 2016 zwischen 400 und 450 Millionen Euro investieren) und weniger Verwaltungskosten.

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Wie das alles genau funktionieren wird? Zachert suchte eine konkrete Antwort zu umschiffen - vielleicht, weil er vorsichtig ist oder sie selbst noch nicht kennt: "Wir sind noch in der Analysephase." Das zart gebetsmühlenartig auf manche Fragen der Aktionäre repetierte "Es ist noch zu früh, das zu sagen" verunsicherte die Anteilseigner. Einem platzte der Kragen: "Diesen Standardsatz, Es ist noch zu früh' sollten Sie dem Back-Office, das Ihnen die Antworten schreibt, verbieten", schimpfte der Aktionär am Rednerpult. "Wir wollen Antworten. Uns gehört Lanxess. Wir sind nicht irgendwelche Leute, die hier sind, um ein Würstchen zu essen und uns mit Allgemeinplätzen abspeisen zu lassen. Wir wollen spezifische Antworten für Lanxess, Ihre Aussagen treffen auf jeden Dax-Konzern zu. Lesen Sie nicht jeden Sondermüll vor, den Ihnen das Back-Office vorlegt", wetterte er.

Übel aufgestoßen war ihm - wie auch etlichen anderen Aktionären rund um die Essstände in den Fluren der Arena - die angebotene Verköstigung der Anteilseigner. "Trockene Brezeln und Würstchen im Brötchen und Kaffee. Was kriegen die Bankvertreter? Wie hoch waren Ihre Aufwendungen für die gesamte Verpflegung? Der Aufsichtsrat ist für 400 000 Euro auf Dienstreise in Singapur gewesen. Was sind wir Aktionäre Ihnen Wert?", donnerte der Aktionär am Rednerpult und erntete Applaus aus dem Saal. "Wenn das Ihr Sparkurs ist, Herr Zachert, sind Sie der falsche Mann für den Job."

In der Tat hatte der Konzern laut Aufsichtsratschef Rolf Stomberg in diesem Jahr die Kosten für die Verpflegung im Vergleich zum Vorjahr "deutlich gesenkt. Die Aktionäre werden von Ständen auf den Gängen versorgt, die Vip-Gäste vom Buffet."

Auch die Vertreter der Aktionärsvereinigungen - die in Zacherts erster Hauptversammlung als Vorstandschef nicht auf Konfrontationskurs gehen wollten, "hätten den Geburtstag lieber anders gefeiert" als am "Kraterrand von einem Riesenloch", merkte Jella Benner-Heinacher (DSW) an. Alexander Elsmann (SDK) erinnerte sich wohl an Zachert-Vorgänger Axel Heitmanns Megaoptimismus in schwierigen Zeiten: "Lanxess kann viel. Lanxess ist aus der Krise geboren." Zachert formulierte das so, als könnte er weit in zukünftiger Ferne doch sehr leise wieder einen Sektkorken knallen hören: "Let's Lanxess again" (Lasst uns wieder Lanxessen).

(RP)