Landgericht Köln: Tankstellenräuber von Opladen unter Drogen

Landgericht: Maßregelvollzug wird geprüft : Tankstellenräuber unter Drogen

Zwei Überfälle in Opladen innerhalb weniger Tage – Landgericht prüfte in zweiter Instanz das Urteil gegen einen rauschgiftsüchtigen Mann aus Leverkusen.

Im August 2018 schickte das Kölner Landgericht einen damals 44-jährigen Leverkusener für acht Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Er soll eine Tankstelle in Opladen überfallen haben, und das gleich zweimal binnen weniger Tage. Das Motiv dieses seinerzeit von den Richtern als besonders schwer eingestuften Falls führte schließlich zu der recht hohen Strafe. Der Verteidiger legte Revision ein. Der Bundesgerichtshof monierte, dass die Richter in ihrem Urteil den Paragrafen 64 der Strafprozessordnung nicht ausreichend gewürdigt hätten.

Folglich musste sich eine andere Große Strafkammer des Kölner Landgerichts den Fall noch einmal vornehmen. Dabei wurde aber nicht der gesamte Prozess erneut aufgerollt, vielmehr musste man sich nur mit den Einwürfen der Karlsruher BGB-Richter beschäftigten.

So versuchte die 13. Kammer, den Einfluss von Drogen genauer zu eruieren. Die Abhängigkeit von Rauschmitteln war es auch, die den heute 46-jährigen Mann zu den Überfällen getrieben hatte. Denn zur Finanzierung brauchte er Geld. Insgesamt hat er gar nicht mal eine so hohe Summe erbeutet; von 1830 Euro war die Rede.

Nun muss das Gericht darüber befinden, ob eine Unterbringung zunächst in eine Entziehungsanstalt angemessener ist, bevor der Angeklagte seine Reststrafe absitzen muss. Eine Verkürzung der Freiheitsstrafe stand am ersten Verhandlungstag ohnehin nicht zur Disposition. Der Delinquent seit seiner Inhaftierung im Jahr 2017 inzwischen fast die Hälfte abgesessen. Wenn jetzt die Unterbringung in den Maßregelvollzug angeordnet wird, kommen bis zu zwei Jahre hinzu. Dann wird – beispielsweise bei guter Führung – eine vorzeitige Entlassung oder ein offener Vollzug geprüft.

So mussten am Dienstag drei Frauen, die als Zeugen geladen waren, den Richtern erzählen, wie sie die Drogensucht des Mannes einschätzen, mit dem sie einmal verheiratet, mehrmals gut befreundet waren oder derzeit in einer Beziehung leben. Zeugin Nummer drei und der Angeklagte hatten sich vor gut einem Jahr in der Justizvollzugsanstalt bei Gruppen-Therapiegesprächen kennengelernt. Die Frau ist inzwischen entlassen und wartet „draußen“ darauf, die Beziehung auf mehr als die Besuche in der JVA auszubauen. So jedenfalls waren die Angaben, die sie diesmal vom Zeugen-Stuhl aus machte.

In ihrem Plädoyer regte die Staatsanwältin daher an, in dem Urteil nun zusätzlich die therapeutische Maßnahme anzuordnen. Damit der Mann ohne Drogen leben, einen Beruf annehmen und damit straffrei leben könne. Im Lebensalter von 46 Jahren sollte er sich ohnehin darüber endlich klar werden, ob er den Rest seines Lebens ohne vernünftige Perspektive verbringen will. Das Urteil soll am Donnerstag verkündet werden.