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Landeswettbewerb Jugend forscht mit 72 Teilnehmern in Leverkusen

Landeswettbewerb Jugend forscht : Mädchen, ran an die Forschung

Beim Landeswettbewerb Jugend forscht sind von 72 Teilnehmern 18 weiblich. Etwas zu wenig, sagen die Organisatoren.

Ruben Rodermann fräst kleine Tannenbäume. Mit dem Computer. Denn darüber steuert der 16-Jährige eine 3D-Fräse in einem Glaskasten. Aber Ruben macht derzeit kein Praktikum in einem Betrieb mit großen Maschinen. Ruben hat seine computergesteuerte 3D-Fräse selbst entwickelt und gebaut. Jetzt steht er an seinem Stand im Bayer-Kommunikationszentrum und demonstriert Besuchern sein Präzisionswerkzeug, mit dem er auch Metallschilder gravieren kann. „Sie ist etwas langsamer als die großen Maschinen, aber günstiger und genauso präzise“, sagt er. „Das ist für Firmen, die Prototypen herstellen wollen, gut.“ Auf einem Schild ist zu lesen, warum der 16-Jährige aus Mettmann in Leverkusen ist: „Jugend forscht 2019“.

Der Gesamtschüler ist einer von 72 Teilnehmern am Landeswettbewerb, den der Bayer-Konzern jährlich seit 54 Jahren ausrichtet. „Leider sind in NRW nur 18 Mädchen unter den Teilnehmern“, sagt Kathrin Schneider, Patenbeauftragte des Konzerns für Jugend forscht. „Das ist mir zu wenig. Da müssen wir was tun,“ Sven Baszio, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Jugend forscht, pflichtet bei: „Die meisten Mädchen, bundesweit sind 38,8 Prozent der Teilnehmer weiblich, starten mit Projekten in Biologie.“ Nur wenige in den übrigen sechs Kategorien. So gebe es auf den höheren Ebenen des Wettbewerbs automatisch weniger Teilnehmerinnen. Er spricht sich generell für einen „Mintwoch“-Nachmittag aus, an dem Schülern in der Schule Freiräume fürs forschende Lernen eingeräumt werden. Obschon klar sei, dass Lehrer ein strenges Lehrplan-Korsett hätten, um so etwas möglich zu machen.

Zweiter Bereich, in dem Schneider und die Stiftung arbeiten wollen: Leverkusener Schulen. In der Teilnehmerliste ist keine verzeichnet. Bayer und Jugend forscht wollen mit Kurzfilmen und JuFos, so nennt Schneider die Wettbewerber, in die Schulen gehen.

Ein Job, der wie gemacht zu sein scheint für die meisten Jungforscher, die gerade ihre Forschungsergebnisse präsentieren. Eine nicht so weite Anfahrt hätten Julian Jonas Ring (18) und Alina Juliana Wiß (18). Sie kommen vom Remscheider Leibnitz-Gymnasium. Alina hat ihr Abi­tur seit 2018 in der Tasche, Julian arbeitet daran. Und daran, am Beispiel von Wimperntierchen zu prüfen, welche Histonvarianten miteinander gut können. „Histon ist ein Protein, um das sich die DNA wickelt“, erläutert Alina. In ihrer Arbeit geht es letztlich darum, wie manches Histon für die Entstehung von Krebs mit zuständig sein könnte. Freunde der beiden, die am Nachmittag mit dem zweiten Preis im Fach Biologie belohnt werden, seien geteilter Meinung zu ihrer Forschung. „Manche halten uns für Nerds. Es gibt aber welche, die finden es cool“, sagt Alina. Julian ergänzt: „Ganz gleich, ob wir gewinnen, wir werden weiterforschen. Wir sind noch nicht fertig.“

Und Ruben? Holt sich den ersten Platz im Fach Technik. Als er das noch nicht weiß, stellt er klar: „Falls ich gewinne, muss ich noch mehr an der Fräse arbeiten für den Bundeswettbewerb.“ Nicht aufs Treppchen zu kommen, wäre auch gut: „Dann hätte ich mehr Zeit für Freunde und fürs Trompeteüben. Ich will auch bei Jugend musiziert mitmachen.“