Lärmschutzwand Bahnstadt: Opladener stinksauer auf die Stadt

Lärmschutzwand in der Bahnstadt : Opladener sind stinksauer auf die Stadt

Die dicke Luft bei der Info für Bürger, die für die Lärmschutzwand in der Bahnstadt zahlen müssen, war fast greifbar.

Wolfgang Stock hat umgehend rechtlichen Rat eingeholt, als Infoschreiben und Einladung zum Termin am Dienstag im Forum bei ihm eingingen. Zwei Wochen ist das her. Der Opladener hätte sich einen Infotermin zur Lärmschutzwand in der Bahnstadt und deren Kosten schon vor zwei Jahren gewünscht, als die Politik darüber beschlossen hatte. „Da hätte die Stadt die Opladener informieren können, dass Hauseigentümer an den Kosten beteiligt werden, man aber noch nicht weiß, wer wie viel bezahlen muss. Dann hätte jeder Geld zur Seite zu legen können“, sagt Stock, der seit 1959 im Hederichsfeld/Ecke Karlstraße wohnt. „Von Störung durch Bahnlärm kann in all den Jahren keine Rede sein. Wir hören von der Bahn nichts. Aber zahlen sollen wir. Ich bin richtig geladen.“

Und Stock ist nicht der Einzige, dem es im Forum so geht. Die Stadt hat die 450 Hauseigentümer eingeladen, die sich an den Kosten der Lärmschutzwand an der Europa-Allee beteiligen müssen. Thomas Feldmar (Kölner Straße) fasst überspitzt zusammen: „Zahlt oder sterbt, darum geht es hier.“ Martin Graetz (Im Hederichsfeld) beklagt: „Erst wird man im letzten Augenblick darüber informiert, dass man zahlen soll, dann wir die Veranstaltung aus Opladen ausgelagert. Man könnte meinen, die Stadt kennt ihre Veranstaltungsorte nicht. Im Festsaal an der Landrat-Lucas-Schule wäre genug Platz gewesen.“ Da könne man schon Absicht dahinter vermuten, damit nicht so viele kommen, raunt es im Hintergrund. Graetz überlegt laut, dass es möglicherweise zu einer Sammelklage von Eigentümern kommen werde.

Zu klagen, das ist der einzige Weg, um sich gegen die Erschließungsgebühren zu wehren, hat Rechtsanwalt Rainer Schmitz bei der vorausgegangenen, mager besuchten Inforunde für die Politik erläutert. „Es gibt in NRW kein Widerspruchsrecht gegen diese Bescheide. Es bleibt nur die Klageerhebung vor dem Verwaltungsgericht.“ Deren Bearbeitung könne Jahre dauern.

Die Infopolitik der Stadt ist auch bei den Politikern Topthema. Friedrich Busch (FDP): „Die Leute werden richtig kalt erwischt. Das ist eine Frage des Führungsverhaltens. Wer die Stadt leitet, weiß, dass solche Themen mit starken Emotionen verbunden sind “, schimpfte er adressiert an Stadtchef Uwe Richrath. Der verwies darauf, dass es sich um eine Infoveranstaltung handele. Emotionsgeladenen Vorträge der Politik sind nicht eingeplant. Vorgetragen haben stattdessen Fachleute. Neben Schmitz auch Schallgutachter Axel Hübel, Andreas Schönfeld (Bahnstadt) und Achim Pitzer (Tiefbauamt). Er arbeitet die 15.000 Datensätze des Schallgutachterbüros so auf, dass er die Kosten für die Eigentümer berechnen kann, auf deren Grundstücken sich der Bahnlärm um (mindestens) drei Dezibel durch die Lärmschutzwand reduziert. Ein kompliziertes Verfahren. Ebenso wie die Berechnung der Schallminderung durch die Wand. Wegen der Vielzahl der Gebäude seien Messungen vor und nach ihrem Bau nicht möglich, sagte Hübel. Stattdessen wurde ein komplexes Berechnungsmodell erstellt.

Die Wand vermindert Schall und vermehrt gerade Ärger. . Foto: Uwe Miserius

Für die Eigentümer ein schwer zu verdauender Fakt. „Auch wir können jetzt nicht mehr nachweisen lassen, ob sich der Lärm tatsächlich um drei Dezibel reduziert hat, denn kein Gutachter kann jetzt, wo die Wand steht, noch messen, wie es ohne sie war“, sagt Stock. Graetz ergänzt: „Es macht staunen, dass die zahlen sollen, die mit Bahnlärm nichts zu tun haben.“ Christiane Balzer nickt: „Ich höre keinen Bahnlärm im Hederichsfeld. Und wenn ich 1000 Euro zahlen muss, dann ist das mehr als meine Rente.“