Leverkusen: "L' arte del mondo" fasziniert mit Kurzfassung von "Des Menschen Wille"

Leverkusen: "L' arte del mondo" fasziniert mit Kurzfassung von "Des Menschen Wille"

Mit intensiven, hoch-aktuellen Texten und eindrucksvoller Musik hat der Hamburger Karsten Gundermann den historischen Disput von Martin Luther mit Erasmus von Rotterdam vertont. Zusammengefasst ist das Werk im Oratorium "Des Menschen Wille", das am 12. August 2017 im Altenberger Dom uraufgeführt wurde. In der Reihe "Abendmusik an Sankt Andreas" präsentierte der Kammerchor "L'arte del mondo" unter Leitung von Werner Ehrhardt nun eine Kurzfassung dieses Werkes. "Das gesamte Oratorium zum Reformationsjubiläum würde zweieinhalb Stunden dauern", erläuterte Ehrhardt vor rund 50 Zuhörern in der Schlebuscher Kirche und betonte: "Wir sind glücklich, dass wir dieses Werk aufführen dürfen." Mitwirkende des Projekt-Kammerchores sind freischaffende Sänger. Einer von ihnen ist der Schlebuscher Kantor Martin Sanders.

"Was ist des Menschen Wille?", fragte der Chor zu Beginn des fulminanten Auftakts mit voller Stimmgewalt und flutete das Gotteshaus bis in die letzte Bank. In einer mitreißenden Klangrede ließen die Akteure die Auseinandersetzung ertönen und interpretierten das gehaltvolle Werk zugleich so, wie es sich Gundermann - der freischaffende Künstler komponierte unter anderem die Peking-Oper "Die Nachtigall" nach einem Märchen von Hans Christian Andersen - vorgestellt hatte. Locker und mit leichtem Fingerzeig führte der musikalische Leiter sein Ensemble trotz der ungewohnten Akustik durch die kompositorische Aufgabe. Chor und Sprecher Hermann Michael Hahn - er schlüpfte in die Rolle von Erasmus und Luther - wechselten sich ständig ab. Argumente beider Seiten verdichteten sich in Rezitativen, während Chorsätze kommentierten und hinterfragten.

Wie Wellen steigerten sich die Klänge ins Forte und schwollen ab ins Piano. Die Musik spannte insgesamt einen Bogen von klassischer Chor- über Filmmusik bis hin zu Jazz. Zugleich zauberte das Ensemble sowohl einen sonoren Gesamtklang als auch schmerzlich süße Kantilenen in den Kirchenraum und ließ die Zuhörer immer wieder eintauchen in grenzenloses Erleben. Der ständige Wechsel erforderte natürlich die volle Aufmerksamkeit aller Sänger und Instrumentalisten an Orgel, zwei Posaunen und Schlagzeug. Letztlich brillierten alle gemeinsam mit sinnlich-bereichernden Hörerlebnissen, in denen sich Raum, Klang und Zeit zu etwas Höherem verbanden. Eigentlich unvorstellbar, dass es sich bei solch schöner Musik um ein Streitgespräch zwischen Männern handelte, die sich nie begegnet sind, aber ein gemeinsames Ziel hatten: die Reformation der römisch-katholischen Kirche.

(gkf)
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