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Leverkusen: Kunstvoll die Nacht "durchgemacht"

Leverkusen : Kunstvoll die Nacht "durchgemacht"

Auch in der achten Auflage der Leverkusener Kunstnacht waren wieder zahlreiche Menschen unterwegs. Und manchmal schien die Kunst fast Nebensache, so viel Aktionen wurden an den verschiedenen Orten geboten.

Die sonst glatten Haare zu einer welligen Hochfrisur aufgesteckt, darüber eine extreme Elvis-Tolle geformt, die Augen bis zur Unkenntlichkeit geschminkt und das schmale Gesicht mit Puder ganz kantig schattiert — die junge Dame erkannte sich selbst im Spiegel nicht wieder, nachdem Maskenbildnerin Pascalina Kangalos ganze Arbeit geleistet hatte. Eine Stunde hatte die professionelle Verwandlung gedauert, unmöglich, jetzt einfach nach Hause zu gehen. Deswegen plante sie mit der Freundin noch eine nächtliche Unternehmung — inkognito natürlich. Selbst wenn die Lehrerin auf ihre Schüler treffen sollte, die würden sie garantiert nicht erkennen.

Zum ersten Mal stellten in der Nacht im Awo-Familienseminar Künstler aus. Foto: Miserius, Uwe

Vom Atelier bis zur Kneipe

Rockpalast-Ikone: Peter Rüchel las im "topos" aus Musikerbiografien. Foto: Miserius, Uwe

Sich bühnenreif schminken lassen, das war nur eine von ganz vielen Facetten dieser 8. Leverkusener Kunstnacht, in der wieder zahlreiche Menschen unterwegs waren. Und manchmal schien die Kunst fast Nebensache, so viel Programm und Aktion wurde in Ateliers, Galerien, Museen, Kirchen, Kneipen und Geschäftsräumen geboten.

Auch das ist Kunst: Alphornbläser am Imbacher Weinladedn. Foto: Miserius, Uwe

Hier im Bayer Kulturhaus war die Ausstellung mit Theaterfotografie immerhin Anregung und Inspiration für das Schminkprojekt, während die Fotografin und Schauspielerin Margarita Broich oben im Studio Texte las.

Im Museum Morsbroich wurde die Leverkusener Kunstnacht eröffnet. Foto: Miserius, Uwe

Gegenüber im kleinen Koloniemuseum mussten sich die Besucher an der Tür entscheiden, welche Art von persönlicher Führung sie wünschten. Neben dem historischen Rückblick auf die Gründerjahre der Arbeitersiedlung von Bayer wurde auch eine Kunstführung angeboten. Die übernahmen angehende Abiturienten des Lise-Meitner-Gymnasiums, die auch den Löwenanteil der ausgestellten Bilder geschaffen hatten. Im Haus verteilt waren verschiedene Techniken und Themen aus dem Kunstunterricht zu sehen, von der Körperzeichnung über perspektivische Architekturzeichnungen über Linolschnitte bis hin zu inszenierter Fotografie.

Augenzwinkernd zeigt Annika Mantel zwei Politikerporträts, für die sie einen besonderen Platz gewählt hatte. Silvio Berlusconi und Nicolas Sarkozy strahlten um die Wette — über dem Plumpsklo.

Einen anderen Spaß hatten sich die Schüler im Keller erlaubt und eine Invasion kleiner Ton-Pinguine von Fünftklässlern in der Kohlenkiste verteilt.

Turbulentes in der Villa

Deutlich ernsthafter, wenn auch ziemlich turbulent, ging es in der Villa Wuppermann zu, die zum ersten Mal Schauplatz einer Kunstnacht war. Antonia Murgia Friesdorf hatte das ehemalige Fabrikantenhaus angemietet, um dort ihre Malerei, Bilderrollen, Fotoserien und Keramikarbeiten zu biblischen Schriften und Motiven zu zeigen. Zu einigen Arbeiten hat sie eigene Texte verfasst, die an diesem Abend neben anderen vorgetragen wurden. Und passend zur alttestamentlichen Salome gab es zwischendurch Bauchtanzvorführungen. Wie in der Villa Rhodius nutzten die Besucher hier die günstige Gelegenheit, sich das Haus näher anzusehen.

Ebenso im AWO-Familienseminar in Opladen, das auch zum ersten Mal dabei war und gleich zehn Kreativen Köpfen, die Kunstnacht-Organisatorin Anke Holgersson auf einer Warteliste gesammelt hatte, Ausstellungsfläche bot. Die neue Leiterin Petra Jennen ist bestrebt, die Einrichtung weiter zu öffnen und da kam ihr eine Gelegenheit wie die Kunstnacht wie gerufen. Zumal hier neben Ausstellungsstücken die schrille Kabarett-Göttin Gala und die Jazzband Kollektiv Anziehungspunkte waren. Wie an 40 weiteren Orten herrschte hier ständiges Kommen und Gehen.

(RP/top)