Leverkusen: Kunst-Konstrukteure

Leverkusen : Kunst-Konstrukteure

Einzelstücke aus der Kunst-Sammlung der Provinzial-Versicherung und aus dem Besitz des Museums Morsbroich haben Jan Albers und Jens Ullrich mit Alltagsgegenständen und eigen Arbeiten neu inszeniert.

SCHLEBUSCH Der Ausschnitt aus einem altern Stich zeigt lodernde Häuser beim Brand von New York. Im Vordergrund zwei Plünderer, die eine Kiste mit Schätzen vor den Flammen retten. Was hat so ein kolorierter Kupferstich mit einem Museum für zeitgenössische Kunst zu tun?, mag sich der Besucher von Schloss Morsbroich fragen. Aber ungefähr wie die beiden jungen Männer auf diesem Bild fühlten sich die beiden Düsseldorfer Künstler Jan Albers und Jens Ullrich, die in diesem Jahr einen ungewöhnlichen Auftrag bekamen.

Das Leverkusener Museum wählte die beiden aus für eine Kooperation mit der Provinzial-Versicherung. Sie sollten einerseits Kuratoren sein für die Ausstellung „Auswahl 8 – Kollekte“, in der Exponate aus der Kunstsammlung der Provinzial gezeigt werden. Und sie sollten dort außerdem selbst als Künstler tätig werden. Von einem „Risiko“ für alle Beteiligten sprach Museumsleiter Dr. Markus Heinzelmann. Aber es hat sich gelohnt, das einzugehen. Denn die Besucher erwartet nun ein interessanter, vergnüglicher Rundgang, bei dem sich unterschiedliche Bezüge herstellen und immer neue Zusammenhänge entdecken lassen.

Bestellte Kunstdiebe

Die beiden jungen Kuratoren bewiesen eine Menge intelligenten Humor. Unterstützt wurden sie von den Kunsthistorikerinnen der beiden Kooperationspartner, von Museumskustodin Stefanie Kreuzer und Provinzial-Kunsthüterin Astrid Legge. „Auswahl 8“ heißt das Projekt, weil es bereits das achte von zehn solcher Kooperationsprojekte ist. Das unterscheidet sich allerdings gehörig von allen Vorgängern. Dafür haben die beiden „Kunsträuber“ Jan Albers und Jens Ullrich gesorgt, die zunächst im Hause Provinzial stöberten und dabei nicht nur Gemälde aus der umfangreichen Sammlung auswählten, sondern diverse Stücke einpackten, von denen die Kunstkenner der Firma gar nicht wussten, dass man sie hat. Natürlich deswegen, weil es sich nicht um Kunst handelt, sondern etwa um einen alten Löschwagen oder historische Wassereimer, die mal für eine Feuerwehr-Ausstellung zusammengetragen wurden. Aufgewertet hat sie erst das Duo Albers/Ullrich, das sie in neuen Kontext setzte. In der Korrespondenz mit Porträts oder mit den Kopf-Zeichnungen von Albers ergibt sich ein Zusammenhang.

Ein Netz aus Strahlen

Wie ein Netz spannt sich das Thema „Strahlen“ über beide Ausstellungsetagen. Albers, der ganze Wände als Barriere in den Raum stellte, nahm sie in seinen Strahlen-Zeichnungen auf. Bei Ullrich, der grundsätzlich ungewöhnliche Präsentation-Stellagen für seine Bilder und Collagen baut, tauchen sie in den Holz- und Draht-Konstruktionen auf. Eröffnung Sonntag, 10. August, 12 Uhr.

(RP)