Imker feiern in Leverkusen: Kritik am neuen Vizechef von Bayer

Imker feiern in Leverkusen : Kritik am neuen Vizechef von Bayer

Die Aktionäre verabschieden Johannes Dietsch. Sein Nachfolger Wolfgang Nickl übernimmt in einer schwierigen Lage.

Eigentlich wollte sich der Bayer-Vorstand auf der Hauptversammlung gestern für die erfolgreiche Übernahme des US-Konzerns Monsanto feiern lassen. Doch noch immer haben nicht alle Kartellbehörden zugestimmt. Und so kam der Vorstand um Werner Baumann mit leeren Händen ins World Conference Center nach Bonn und sagte nur: "Wir gehen davon aus, die Übernahme von Monsanto in Kürze abschließen zu können."

Grund zum Feiern sahen die Imker. Seit Jahren trommeln sie für ein Verbot der so genannten Neonicotinoide - jene Pflanzenschutzmittel, die Imker und Umweltschützer für das Bienensterben verantwortlich machen. Inzwischen hat ein EU-Gericht die Mittel verboten, die Bayer im Werk Dormagen herstellt. In Bonn ließen Imker es kräftig qualmen: Sie waren mit ihren Smokern (Rauchgeräten) gekommen, um Bayer von weiteren Insektiziden abzubringen. Aktivisten vom Bündnis "Stop Bayer-Monsanto" hatten einen riesigen Pacman aus Pappmaché mitgebracht. Ihre Botschaft: Die Fusion bedrohe die Artenvielfalt und die Existenz vieler Kleinbauern. Auch Attac, Linkspartei und die "Coordination gegen Bayer-Gefahren" protestierten in Bonn.

Mehr als 200 Demonstranten hatten sich auf dem Vorplatz des Centers versammelt, drückten ihren Unmut über die "Tödliche Hochzeit" teils kostümiert aus. "Die Abhängigkeit von Kleinbauern und uns Verbrauchern nimmt durch die Fusion solcher Großkonzerne wie Bayer und Monsanto zu", betonte Lena Michelsen vom Netzwerk "Inkota". Bayer und Monsanto würden über 70 Prozent des Saatgutmarktes beherrschen und so die Existenz von lokalen Bauern bedrohen. "Wir fordern mehr Nachhaltigkeit", sagte ein Landwirt aus Rösrath. Imkerin Stephanie Breil vom Verein "Honig Connection" ergänzte: "Die verpesten unsere Felder, unsere Lebensmittel, und machen uns letztendlich krank." Solche Proteste begleiten die Bayer-Hauptversammlungen seit Jahren.

Für Johannes Ditsch war es gestern das letzte Aktionärstreffen als Finanzvorstand. Seit 37 Jahren ist der gebürtige Wermelskirchener bei Bayer. Wie Werner Wenning hat er als Lehrling angefangen und sich (nach Stationen in Japan und China) bis in den Vorstand hochgearbeitet. Zum Monatsende geht der 56-Jährige in den Ruhestand. Aufsichtsratschef Wenning lobte seinen langjährigen Kollegen: "Sie haben einen großen Beitrag zum Bayer-Erfolg geleistet, dafür sind wir dankbar." Als Fußballfreund fügte er hinzu: "Dass Sie Bayer-Fan bleiben, versteht sich von selbst."

Kritik von Aktionären gab es dagegen an Dietsch-Nachfolger Wolfgang Nickl (48). "Nickl startet zu einem kritischen Zeitpunkt", monierte Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment. "Eine Kapitalerhöhung steht vor der Tür. Rating-Herabstufungen müssen verhindert werden, zudem hat Herr Nickl bisher keine Erfahrung im Pharma- und Chemiegeschäft." Umso mehr sei Werner Baumann als Konzernchef gefordert.

Auch in Leverkusen selbst ist Baumann gefordert. Der Konzern hat unlängst wegen Schlamperei im hiesigen Pharmawerk einen blauen Brief von der US-Gesundheitsbehörde FDA erhalten. Seit Monaten arbeitet der Konzern daran, die Beanstandungen zu beseitigen. Das Ganze ist mit Lieferausfällen etwa bei Canesten und Adalat Oros verbunden und kostet Bayer 300 Millionen Euro an Gewinn. Lieferschwierigkeiten hat Bayer auch bei Flüssig-Aspirin.

Solche Schlagzeilen passten nicht zu einem deutschen Pharmakonzern, sagte Joachim Kregel, Aktionärsschützer bei der SdK. "Ist hier bei Bayer die B-Mannschaft am Start, während die A-Mannschaft sich um die Übernahme kümmert?", fragte er. Baumann versicherte, man arbeite mit Hochdruck an der Lösung der Probleme.

(RP)