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Leverkusen/Köln: Kripo-Gewerkschafter: "Leverkusen ist für die Einbrecher attraktiv"

Leverkusen/Köln : Kripo-Gewerkschafter: "Leverkusen ist für die Einbrecher attraktiv"

Auf Wut und Unverständnis stößt der jüngste Bericht von NRW-Innenminister Ralf Jäger zu dem Hilferuf der Polizei Köln/Leverkusen, die der exorbitant steigenden Einbruchskriminalität nicht mehr Herr wird. Die Polizei hatte die Bürger aufgerufen, ihr durch Wachsamkeit und Zeugenhinweise im Kampf gegen die Einbrecherbanden zu helfen.

Doch der Minister "verniedlicht" und "beschönigt" die Notlage: Das werfen ihm Rüdiger Thust, Vorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter (BDK), Bezirk Köln, ebenso vor, wie der CDU-Landtagsabgeordnete Rainer Deppe. "Diese ewige politische Schönrednerei macht mich wütend", sagte Thust. Und Deppe schimpft: "Der Innenminister redet am eigentlichen Thema vorbei. Die Wohnungseinbrüche steigen kräftig an, und die Gefahr erwischt zu werden, ist nach wie vor gering."

Zur heutigen Sitzung des Landtags-Innenausschusses hat Innenminister Jäger nämlich an Landtagspräsidentin Carina Gödecke geschrieben: "Die in den letzten Jahren nahezu konstant hohen Fallzahlen des Wohnungseinbruchs im Bezirk des Polizeipräsidiums Köln sind nicht auf Defizite der polizeilichen Aufgabenwahrnehmung zurückzuführen. Vielmehr dürften geografische Aspekte sowie insbesondere das vermehrte Auftreten von mobilen und überörtlich agierenden Tätergruppen ursächlich für die aktuelle Kriminalitätslage sein." Diese Argumentation bezeichnet Deppe als "ein bisschen dünn" und nennt sie eine Verniedlichung.

Regelrecht auf die Palme bringt diese Darstellung aber den BDK-Vorsitzenden: Schon lange könne die Polizei in Köln, und seit der "feindlichen Übernahme von Leverkusen", so Thust wörtlich, auch hier der Einbruchskriminalität nicht mehr begegnen, weil schlicht und einfach das Personal fehle. "Köln ist für Ganoven attraktiv, und Leverkusen ebenfalls", macht der Gewerkschafter drastisch deutlich. Mit fast 6000 Einbruchsdelikten in Köln und Leverkusen im vergangenen Jahr seien Zahlen erreicht, wie in ganz Bayern oder Baden-Württemberg. Und die seien nicht etwa "geografischen Verhältnissen und mobilen Einbrecherbanden" geschuldet, wie es der Minister darstelle, sondern dem Mangel an Polizeibeamten und dem entsprechenden Fehlen von genügend Polizeipräsenz auf den Straßen bei Tag und in der Nacht.

Längst habe es sich bei den Ganoven herumgesprochen, dass man in Köln und Leverkusen relativ ungestört einbrechen könne, berichtet der Kriminalbeamte, der mindestens 100 zusätzliche Kräfte für die Region für unabdingbar hält. Erschwerend komme hinzu, dass die Kriminalbeamten heute nicht mehr in einer dreijährigen Ausbildung auf der Polizeihochschule auf ihren Beruf vorbereitet werden: "Der Kriminalpolizist ist ein Fortbildungsberuf geworden", bedauert Thust. Die jungen Kollegen seien zwar sehr motiviert und fleißig, sie fehlten aber notgedrungen immer wieder - während der vorgeschriebenen Fortbildungen - im Tages- und Nachtdienst.

"Wenn man dann noch bedenkt, dass die Kriminalpolizei auch bei den Fußballspielen in Köln und Leverkusen sowie bei großen Events wie Karneval immer mit im Einsatz sein muss, da fehlt auch dieses Personal für die Bekämpfung der Einbruchskriminalität, die aber eigentlich Priorität auch vor Verkehrsdelikten haben müsste", fordert Thust und verdeutlicht: "Hinter jedem der fast 6000 Einbrüche im vergangenen Jahr stehen auch mindestens 6000 Mehrfachopfer. Es wird ja nicht nur finanzieller Schaden angerichtet, auch psychischer und mentaler. Deshalb sollte Einbruchsdiebstahl genauso wie Raub auch als Verbrechen abgeurteilt werden."

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(RP)