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Manfort: Kreativ-aufsässig: Bunker wird 40

Manfort : Kreativ-aufsässig: Bunker wird 40

In der Feierstunde zum runden Geburtstag erinnerte Jugendhaus-Leiter Reiner Hilken an etliche Meilensteine in der Geschichte der Einrichtung, die seine Eltern vor vier Jahrzehnten ins Leben riefen.

Feierstunden mit wohlgefeilten Reden sind nicht die Sache von Reiner Hilken. Der Leiter des Jugendhauser "Bunker" in Manfort ließ sich auch beim festlichen Empfang zum 40-jährigen Bestehen nicht dazu hinreißen, nur in feierlicher Seligkeit mit den geladenen Gästen der Vergangenheit zu gedenken. Unbequem sein ist die zweite Familientradition bei den Hilkens – neben dem Einsatz für das Jugendhaus und dessen Nutzer. Das haben die Eltern Günter und Magdalene 1969 gegründet und die ersten zwei Jahrzehnte (ehrenamtlich) geleitet. Und wie einst Hilken Senior bei den Bossen der Bayer AG warb beim Empfang auch der inzwischen 50 Jahre alte Junior mit spitzer Zunge um Unterstützung.

Sanierungshinweise gut verpackt

Den Hinweis auf maroden Fußboden und sanierungsbedürftige Toilettenanlagen versteckte er in fiktiven Träumereien von regelmäßigen Treffen in solch erlesenem Kreise. Für die, so der Tenor des kleinen Schauspiels, müssten die Missstände behoben werden, für die üblichen Punker oder ausländischen Besucher hingegen sei der gegenwärtige Zustand immer noch gut genug. Eine Meinung, die er selbstredend nicht vertritt.

Für die, die in der Gesellschaft mit unverhohlenem Argwohn betrachtet werden, hatten schon seine Eltern ein Herz. Die "Schwarzen Wölfe", Bayer 04-Fans mit Rocker-Attitüde, etwa gehörten zu den ersten Gästen des in über 40 000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden nutzbar gemachten Hindenburgbunkers aus dem Zweiten Weltkrieg. Bei aller Problematik um Gewalt beim Fußball hat Günter Hilken die Wölfe, vor denen viele Leverkusener regelrecht Angst hatten, als höfliche, hilfsbereite, umgängliche Menschen kennen gelernt. Nicht umsonst war der Bunker, der aus der Jungen Gemeinschaft der Arbeiterwohlfahrt heraus entstand, Keimzelle des ersten Leverkusener Fanprojektes.

Auch die Gründung der Aktionsgemeinschaft Rockmusik (ARO), einem Vorgänger des heutigen Vereins LIKK, über 120 Auftritte mit einer Mini-Playback-Show, regelmäßige Konzerte und Diskoabende (in den 70ern gab es etwa die "Popexplosion") und die Rock Open mit Künstlern wie Bob Geldof, "Fury in the Slaughterhouse", "Status Quo" oder Doro Pesch waren weitere Meilensteine der Geschichte der Jugendarbeit im Hindenburgbunker.

Ausruhen auf dem Lob will sich Reiner Hilken, der als Hauptamtler noch viele Jahre die Geschicke der Einrichtung leiten will, jedoch nicht. Auch das passt nicht zum entschlossenen Frontmann des Bunkers. "Jugendarbeit muss verlässlich sein und sich dennoch immer wieder neu erfinden", sagt er.

(RP)