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Leverkusen: Konzept zu jugendlichen Alkoholsündern

Leverkusen : Konzept zu jugendlichen Alkoholsündern

Klinikum , Jugendamt und Suchthilfe haben ihre Kooperation zum Umgang mit Jugendlichen, die mit Alkoholvergiftung ins Klinikum eingeliefert werden, verstärkt: Ein neues Konzept soll Familien und Hilfen besser zueinander führen.

Im Durchschnitt verbringen ein bis zwei Kinder oder Jugendliche im Monat wegen übermäßigen Alkoholkonsums eine Nacht in der Kinderklinik des Klinikums. "In diesem Monat hatten wird bisher drei Fälle", sagt Prof. Joachim Eichhorn, Chef der Kinderklinik. "Ein 16-Jähriger hatte rund 2,6 Promille im Blut."

Höhepunkt der stationären Aufnahmen wegen Alkoholvergiftung bei Kindern und Jugendlichen ist Karneval. "Die Kinder werden immer jünger, der Alkoholkonsum immer exzessiver, das Trinken unkontrollierter, und die Zahl der stationären Aufnahmen steigt an", betont Eichhorn.

Das Szenario kann so nicht bleiben, sagen die Mitglieder des Kooperationskreises. 2011 hatten sich das Klinikum, der Fachbereich Kinder und Jugend und die Suchthilfe Leverkusen zusammengeschlossen, um Qualitätsstandards für die Versorgung und Betreuung von Jugendlichen und für eine rechtzeitige Prävention auf den Weg zu bringen.

Jetzt haben die Mitglieder der Kooperation ihr Konzept noch einmal vertieft. "Seit 2011 haben wir ein internes Punktesystem, nach dem wir stationäre Aufnahmen einstufen", erläutert Vera März vom städtischen Fachbereich Kinder und Jugend. Je nachdem, wie viel Punkte ein Kind oder Jugendlicher erreicht hat, folgen verschiedene Maßnahmen – in der ersten Stufe etwa gibt es einen Elternbrief mit auf den Weg, wenn diese das Kind nach der Nacht im Klinikum abholen, und den Hinweis auf Beratungsmöglichkeiten bei der Suchthilfe. Hat ein Kind mehr Punkte, folgt nach der Nacht in der Klinik neben dem Elternbrief und dem Gespräch mit dem Sozialdienst im Klinikum auch ein Hinweis ans Jugendamt.

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Hat ein Kind, das wegen einer Alkoholvergiftung die Nacht im Klinikum verbringen musste, eine gewisse Punktzahl überschritten, gibt es neben Gespräch, Elternbrief und Info ans Jugendamt von selbigem die Auflage zu einem Besuch der Suchthilfe. "Im Grundsatz haben wir Schweigepflicht", sagt Nadja Robertson von der gemeinnützigen Suchthilfe GmbH. "Um dem Jugendamt eine Rückmeldung geben zu können, ob die Leute bei uns waren, bitten wir die Familien um eine eingeschränkte Schweigepflichtentbindung. Dabei geht es aber nur um die Rückmeldung: Ja, die Familie ist hier gewesen", ergänzt sie.

Mit dem neuen Konzept will der Kooperationskreis keine Repressalien gegenüber Jugendlichen und Eltern ausüben, betont Robertson. Es gehe darum, Familien zu helfen. "Wenn Eltern ihre Kinder am Tag danach aus dem Klinikum abholen, ist das zuerst einmal ein Schock", berichtet Ingrid Baare vom Jugendamt. "Und auch für die Kinder und Jugendlichen ist es nicht angenehm, wenn sie mit Windeln aufwachen." Das sei ein guter Moment, um mit Eltern und Kind zu sprechen. Um mehr Hemmschwellen abzubauen, bekommen nicht nur die Eltern einen Brief mit nach Hause. "Die Kinder erhalten einen kleinen Flyer der Suchthilfe, damit auch sie unabhängig von den Eltern einen Ansprechpartner bei uns haben."

Joachim Eichhorn, seit gut drei Wochen neuer Leiter der Kinderklinik, lobt das vertiefte Konzept: "Null Alkohol ist auch keine Lösung, das führt mitunter auf illegale Beschaffungswege. Hier muss es darum gehen, Familien zu helfen."

(RP)