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Kölner Vokalsolisten präsentierten im Forum Leverkusen Nachtgesänge

Kölner Vokalsolisten überzeugen im Forum Leverkusen : Fein abgestimmter Klangausflug in die Dunkelheit

Die Kölner Vokalsolisten präsentierten im Leverkusener Forum absolut gekonnt Nachtgesänge aus verschiedenen Jahrhunderten – mit einer Uraufführung.

Die Scheinwerfer waren schon erloschen, doch die Zuhörer hielten die Spannung noch einen Augenblick, bevor sie den Dank für einen ganz besonderen Konzertabend mit langem Applaus ausdrückten. Und dieser kurze Moment des Innehaltens war für die sechs Sänger auf der Bühne vielleicht noch bedeutender. Zeigte er doch, wie gut es ihren Stimmen gelungen war, diese zarte und verträumte Nachtstimmung mit „Klangfarben aus dem Dunkel“ zu schaffen.

Unter dem Titel „Carpe noctem“ haben die Kölner Vokalsolisten (in leicht veränderter Besetzung mit Dorothea Jakob, Julia Spies, Katharina Georg, Leonhard Reso, Fabian Hemmelmann und Christian Walter) ein Programm mit Abendliedern über den Rhein gebracht. War damit die Grundstimmung festgelegt, so erlebten die wenigen Besucher, die brav mit Maske vor Mund und Nase gebannt lauschten, eine erstaunlich bunte Mischung von Stilen und Epochen vom 16. Jahrhundert bis zur Uraufführung einer Textvertonung, die Stefan Heucke im Hölderlinjahr 2020 für dieses Ensemble geschrieben hat.

Bevor die Sänger dieses Werk mit changierenden Harmonien und Effekten anstimmten, erklärte der Komponist was ihn bei der musikalischen Interpretation des 1803 entstandenen Gedichtes „Andenken“ von Friedrich Hölderlin bewegt hat. Eine nützliche Hörhilfe für diesen einzigen Programmpunkt, dessen Text alle gedruckt in Händen hielten – zum Nachlesen und Nachsinnen zu Hause. An den hat sich Heucke eng gehalten und Strophe für Strophe möglichst emotional in Klang übersetzt. An dieser Stelle gab es Applaus für Schöpfer und Ausführende und eine kleine Unterbrechung.

Ansonsten fügten sich die so verschiedenen sechs- und manchmal auch fünfstimmigen Sätze in einem großen Spannungsbogen aneinander. In aller Verschiedenartigkeit mit weiten Sprüngen über Zeiten und unterschiedlichen Empfindungen. Mit der weichen und feinen Stille des Abendständchens von Johannes Brahms fühlte man sich gleich zu Beginn liebevoll in den Arm genommen, um gleich darauf die Abendglocken zu vernehmen, die der schwedische Komponist Hugo Alfven in seinem Lied „Aftonen“ durch die sechs Stimmen läuten lässt, bevor sie sich allmählich in Nichts auflösten. Wundervoll, wie viele Abstufungen das Ensemble gerade in den leisesten Nuancen noch zu unterscheiden schafft. Und das bei den akustischen Bedingungen eines eigentlich viel zu großen Konzertsaales, in dem noch die meisten Sitze hochgeklappt sind.

Da fehlt nicht nur die Atmosphäre, sondern auch der natürliche Nachhall, den die Sänger aus ihrer Stammkirche St. Andreas gewöhnt sind. Die musste diese Gruppe von sensibel aufeinander abgestimmten Solisten gesangstechnisch ausgleichen. Und so schmiegten sich die Stimmen bei Vertonungen von Gesualdo, Byrd oder Purcell fein ineinander. Mit wechselnder Klanglichkeit in dichtem Legato bezauberten die zeitgenössischen Beiträge. Vorwiegend warm und innig klangen Brahms Nachtwache, Regers Nachtlied und Rheinbergers Abendlied als Zugabe.