Klinikum Leverkusen schließt am Wochenende Kreißsaal - Hebammen fehlen

Zu wenige Hebammen : Klinikum Leverkusen schließt am Wochenende den Kreißsaal

Bei werdenden Eltern in Leverkusen sorgt die Nachricht von Donnerstag für Aufregung. Geburten sind im Klinikum Leverkusen am Wochenende nur in Ausnahmefällen möglich.

Der Kreißsaal im Klinikum bleibt übers Wochenende zu. „Das ist das erste Mal in den 25 Jahren, in denen ich hier bin“, sagt Klinikum-Geschäftsführer Hans-Peter Zimmermann. Geschuldet sei das dem Pflegekräftemangel, der landauf, landab herrsche, ergänzt er. Das Klinikum leide vor allem unter Fachkräftemangel bei Kinderkrankenschwestern und bei Hebammen. 19 Vollzeit-Hebammen stehen im Klinikum zur Verfügung. „Wir versuchen, zwei bis drei Hebammen je Schicht hinzukriegen“, beschreibt Zimmermann. Weil nun Krankheitsfälle dazugekommen sind, „kollabiert das spitz-auf-Knopf gestrickte System.“

Der Kollaps bedeutet in dem Fall: „In der Zeit von Samstag, 7. Dezember, 6 Uhr, bis Montag, 9. Dezember, 6 Uhr ist der Kreißsaal nicht mit Hebammen besetzt“, notiert das Klinikum auf seiner Internetseite. „Eine Entbindung unter ärztlicher Begleitung (Geburtshilfe, Anästhesie) ist in dringenden Fällen sichergestellt.“ Es stehe unter anderem der zuständige Chefarzt im Kreißsaal, sagt der Geschäftsführer.

Zimmermann betont: „Montag läuft es wieder planmäßig.“ Allerdings beschäftige der Pflegekräftemangel das Klinikum generell Tag und Nacht. Teils müssen Fälle in anderer Häuser verwiesen werden. „Wir hoffen, dass sich durch Neueinstellungen im kommenden Jahr die Situation etwas entspannt.“

 SPD-Gesundheitsexperte und Bundestagsabgeordneter für Leverkusen, Karl Lauterbach, kennt das Problem: „Die Hebammenversorgung ist auch in Leverkusen prekär.“ Der Bund arbeite an dem Problem, auch an einer verbesserten Bezahlung für Krankenhaus-Hebammen. Um Fachkräfte nach Leverkusen zu holen, will er der Stadt und dem städtischen Wohnungsunternehmen WGL vorschlagen, Hebammen und Pflegekräfte bei der Wohnraumvergabe zu bevorzugen. „Das ist keine Diskriminierung anderer Interessenten, sondern davon profitiert die ganze Stadt.“ Durch solche Angebote gelänge es, dass Hebammen, die wegen der Bezahlung dem Beruf den Rücken kehrten, zurückkämen.

(LH)