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Klimaschutz in Leverkusen und im Chempark

Konzepte von Stadt und Unternehmen : So sorgt Leverkusen für besseres Klima

Der Klimawandel hält die Welt in Atem. Am Wochenende beginnt die Weltklimakonferenz in Glasgow. Für uns der Anlass zu fragen: Wie ist Leverkusen in dieser Frage aufgestellt?

Was Umwelt- und Klimabelastungen angeht, ist Leverkusen bekanntlich besonders betroffen. 2020 hat der Rat der Stadt mehrheitlich den „Klimanotstand“ ausgerufen. Fraglos nicht mehr als ein symbolischer Akt, der aber auch auf die besonders prekäre Lage der Chemiestadt hinweist: als Chemiestandort und überregionaler Verkehrsknotenpunkt mit gleich zwei Autobahnkreuzen. Schon 2017 hatte die Stadt ein 136 Seiten starkes Klimaschutzkonzept ausgearbeitet. Es listet 22 konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz auf. Ein Fahrplan zeigt die Umsetzung bis 2022 auf.

 Ausgangslage Laut Klimaschutzkonzept beträgt der Energieverbrauch der Stadt Leverkusen 3.591.344 Megawattstunden (MWh) im Jahr 2016. Während der Sektor Wirtschaft im bundesweiten Durchschnitt für circa 45% des Energieverbrauchs verantwortlich ist, nimmt dieser in Leverkusen einen Anteil von 27 Prozent ein. „Dies begründet sich dadurch, dass die vorhandenen sehr energieintensiven Betriebe auf dem Stadtgebiet bereits über den europäischen Emissionshandel bilanziert werden.“

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Weiterhin nimmt der Verkehr einen hohen Stellenwert in der Bilanz der Stadt ein. Während dieser im bundesdeutschen Durchschnitt bei 29 Prozent am Endenergieverbrauch beteiligt ist, liegt dieser Wert in der Stadt Leverkusen mit 37 Prozent deutlich darüber. Besonders der Autobahnausbau hat immer wieder zu Diskussionen und Protesten geführt. Nach dem nun anstehenden Regierungswechsel in Berlin gibt es zarte Hoffnungen in Leverkusen, das Bundesverkehrsministerium könne die Bevorzugung eines oberirdischen Ausbaus doch noch zugunsten einer Tunnellösung rückgängig machen. 

Jüngste Flutschäden, bedingt durch Starkregenfälle und die Explosion eines Tanklagers in der Sondermüllverbrennungsanlage von Currenta in Bürrig haben die Diskussion um Umwelt- und Klimaschutz weiter verschärft.

Industrie Die Leverkusener Chemiekonzerne, bevorzugte Zielobjekte öffentlicher Umweltkritik, haben die Zeichen der Zeit längst erkannt und denken um. 

Bayer AG Sie hat eine globale Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt. Hierzu gehört das Ziel, dass der Konzern ab 2030 klimaneutral sein will. „Das hat Auswirkungen auf all unsere Standorte, wo die Maßnahmen entsprechend umgesetzt werden“, sagt Unternehmenssprecher Dieter Hilla.

Als lokales Beispiel nennt er den Beschluss, dass ab diesem Jahr Management- und Abteilungsfahrzeuge grundsätzlich nur noch als Vollelektrische oder Plug-In Hybride angeschafft werden. „Ebenso bieten wir ab diesem Jahr Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Fahrradleasing zu sehr guten Konditionen an.“ Außerdem habe Bayer beschlossen, die Zahl der Dienstreisen auf die Hälfte des Niveaus von 2019 zu reduzieren. 

Ein weiteres Beispiel sei die Einführung eines internen CO2-Preis von 100 Euro pro Tonne, der in die Kalkulation jedes Investitionsprojekts von Bayer mit einfließt und dadurch umweltfreundliche Investitionen unterstütze. Gemeinsam mit den Gästen spart die Bayer Gastronomie rund 556.000 Plastikeinwegartikel pro Jahr ein, indem komplett darauf verzichtet wird oder indem diese durch Produkte aus nachhaltigen Rohstoffen ersetzt werden. Mit Hilfe einer KI-basierten Software kann die Bayer Gastronomie seit 2020 die Lebensmitteleinsätze effizienter gestalten. Überproduktion wird auf ein Minimum reduziert. Basierend auf einer kontinuierlichen Datenanalyse, kombiniert mit den Erfahrungen der Küchenchefs, konnten bereits in der Pilotphase 2020 Lebensmittel mit einem Volumen von 3500 Tellerportionen vor der Vernichtung gerettet werden.

Covestro „Wir richten uns vollständig auf die Kreislaufwirtschaft aus“, sagt Covestro-Sprecher Jochen Klüner. „Damit wollen wir die Entwicklung hin zu einer klimaneutralen und ressourcenschonenden Wirtschaft beschleunigen.“ Im Fokus stehen dabei die Themen Alternative Rohstoffe, Innovatives Recycling, Gemeinsame Lösungen, Erneuerbare Energien. Seit März 2021 betreibt Covestro am Standort Leverkusen eine Pilotanlage für chemisches Recycling von Polyurethan-Weichschaum aus Matratzen. Bis 2025 hat sich der Konzern konkrete Nachhaltigkeitsziele gesetzt. So will Covestro etwa bis 2025 die spezifischen Treibhausgasemissionen pro Tonne hergestellten Produkts im Vergleich zu 2005 um 50 Prozent senken. Ende 2020 wurde bereits eine Reduzierung um 46,2 Prozent erreicht. 

Lanxess Als eines der ersten Chemieunternehmen hat Lanxess 2019 angekündigt, bis 2040 klimaneutral zu sein. Dazu wurden weltweit zahlreiche Maßnahmenpakete geschnürt.. Ein wichtiger Hebel ist der Ausstieg aus der kohlebasierten Energieversorgung an den Niederrheinstandorten, der mittelfristig umgesetzt wird. An vielen Standorten sind darüber hinaus schon Projekte zum Klimaschutz umgesetzt worden, berichtet Lanxess-Sprecher Mark Mätschke. So wurden laut Mätschke am Standort Leverkusen in den vergangenen fünf Jahren mehr als 60 Projekte realisiert. Insgesamt wurden mehr 40.000 MWh an Energie reduziert und somit mehr als 10.000 Tonnen CO2 eingespart.

Mätschke nennt weitere lokale Beispiele: Im Phosphorbetrieb wurde eine digitale Prozessteuerung eingeführt. Als Ergebnis dieser Digitalisierungsmaßnahme spart der Betrieb nun pro Stunde rund 600 Kilogramm Dampf ein. Pro Jahr können dadurch Treibhausgas-Emissionen um etwa 4000 Tonnen reduziert werden. Im Saltigo-Betrieb wird zukünftig im Winter der Luftaustausch effizienter. Durch die Maßnahme werden pro Jahr fast 2500 Megawattstunden Energie und über 700 Tonnen Treibhausgasemissionen eingespart. 

Currenta Der Chemparkbetreiber muss sich weiterhin vom Image-Schaden durch die Explosion des Tanklagers in der Sondermüllverbrennungsanlage erholen. Doch hat die Unternehmensleitung den Klimaschutz auch hier fest im Blick und will ihn auch durch Innovationen vorantreiben.  „Currenta hat sich dem Ziel verschrieben, die Wirtschaft in Europa CO2-neutral zu gestalten“, sagt Geschäftsführer Frank Hyldmar. „Zum Beispiel, indem wir die treibhausgasarme Wasserstofferzeugung gemeinsam mit unseren Partnern vorantreiben – wie in Dormagen, wo wir mit Ineos den Aufbau und Betrieb einer 100 Megawatt-Wasserelektrolyse planen.“ 

11,7 Millionen Euro investierte der Chemparkbetreiber beispielsweise erst kürzlich gemeinsam mit dem Wupperverband in ein neues Nachklärbecken, das für weniger CO2-Ausstoß sorgen soll. Auch bei der E-Mobilität will das Unternehmen nachlegen. Seit 2017 gibt es erste Ladesäulen im Chempark, stetig kommen neue hinzu.