Klaus Doldinger, Billy Cobham und Götz Alsmann bei den Leverkusener Jazztagen

Leverkusener Jazztage : Die Altmeister erinnern sich gerne

Klaus Doldinger, Billy Cobham & Co. sind gute alte Bekannte bei den Jazztagen. Beim Nachwuchswettbewerb siegte eine Berliner Band.

Halbzeit bei den Leverkusener Jazztagen: Bei der 40. Auflage des über die Stadtgrenzen weit hinaus bekannten Festivals merkt man, dass es in die Jahre gekommen ist. Nicht an der Musik, die ist so jung und vielfältig wie selten zuvor. Aber viele Musiker schwelgen in Erinnerungen an frühere Auftritte in Leverkusen.

Vorweg der Altmeister des Jazz in Deutschland schlechthin: Klaus Doldinger, 83 Jahre alt. Er brachte mit seiner neuen Passport-Formation sechs junge Leute mit, die am Mittwoch das Forum wieder mit mitreißenden Klängen füllten. Der Erfinder der Fernseh-Tatort-Musik  und Komponist vieler Filmmusiken ist der beste Beweis, dass Musik jung hält. Der Bassist Lars Danielsson, mit 61 Jahren im Vergleich ein geradezu „junger  Hüpfer“, war bereits 1983 bei den Jazztagen dabei. „Wiederholungstäter“ gibt es viele, und alle erinnern sich gern an ihre früheren Tage in Leverkusen.

Zu den „German Classics“ – Motto-Abend mit Doldiger – zählte auch Götz Alsmann (62), der zuvor das Publikum mit auf eine Reise nach Italien nahm. Er interpretierte italienische Melodien auf seine Art. Und agierte so, wie man ihn aus diversen Fernsehsendungen kennt – als wortgewaltiger Unterhalter.

Wenn an drei der  ersten Festivaltagen noch die Randgebiete des Jazz abgedeckt wurden (Blues, Brassband, Rap), so war das Festival spätesten ab Montag mit der „Drum World“, der „Act-Night“ und eben den „German Classics“ beim lupenreinen Jazz angekommen. Gleich drei Welt-Klasse-Schlagzeuger konnte man am Dienstag vergleichen. Wobei die meisten Zuhörer das eher wenig aufdringliche Spiel von Wolfgang Haffner bevorzugten.

Bei der keineswegs repräsentativen Umfrage unter einigen Zuschauern verfestigte sich dieser Eindruck. In Haffners „4Wheel Drive“ hatten sich neben ihm die wohl besten Jazzer zusammen gefunden, die derzeit in Deutschland unterwegs sind: Nils Landgren (Trompeter und Gesang), Michael Wollny (Klavier) und Lars Danielsson. Aber da eine solche Einordnung natürlich Geschmackssache ist, wird Widerspruch geduldet.

Übrigens: Auch der 75-jährige Drummer Billy Cobham war schon etliche Mal bei den Jazztagen. Simon Phillips (62), Drummer in den verschiedensten Gruppen, kann sich erinnern an seinen ersten Besuch in Leverkusen – als Zuschauer.

Der Erfinder der Tatort-Musik: Klaus Doldinger (83) brachte eine neue Passport-Formation mit auf die Bühne. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Die Meinung des Publikums beim Nachwuchswettbewerb „futuresounds“ der Spada Bank war  so gespalten wie nie zuvor: Mit einer Stimme Vorsprung gewann das Berliner „Hans Anselm  Quintett“ das Finale gegen die Dresdner Gruppe „Lut“. Dabei hatte sich eine Jury monatelang über einhundert Bewerbungen angehört und sechs davon nach Leverkusen eingeladen. Die Jury befand auch darüber, wer ins Finale kam. Aber dann durfte das Publikum entscheiden, und tat das mit 61 zu 60 Stimmen. Hans Anselm heißt  übrigens keiner der Bandmitglieder; er ist ein imaginärer Name. „Er soll ein Mysterium bleiben“, erklärt Schlagzeuger Johannes Metzger.