Jugendkunstgruppem Klasse Liebes(kummer)wirrwarr

Leverkusen · Schauspielkurs der Jugendkunstgruppen spielte eigene Fassung von "Kasimir und Karoline"

 „Kasimir und Karoline“ feierte jetzt Premiere bei den Jugendkunstgruppen. Das Publikum war begeistert.

„Kasimir und Karoline“ feierte jetzt Premiere bei den Jugendkunstgruppen. Das Publikum war begeistert.

Foto: Miserius, Uwe (umi)

Die Tür zum Theatersaal ist noch geschlossen und während die Zuschauer im Foyer noch Nüsschen knabbern und ein Kaltgetränk genießen, suchen zwei Personen noch freiwillige Paare, die bei der Live-Übertragung der Sendung „Halte dich an deiner Liebe fest“ mitmachen wollten. Unschwer zu erkennen ist der Kameramann und bei der jungen Frau, die so resolut die passenden Kandidaten  – Kasimir und Karoline und Der Merkl Franz mit seiner Erna  – animiert und auswählt, ist ganz offensichtlich die Regisseurin.

„Erst seit letzter Nacht“ erzählte Vanessa Topf dem Premieren-Publikum nach dem heftigen Schlussapplaus. Sie hat die Rolle, die ihr auf den Leib geschnitten scheint, erst ganz kurzfristig übernommen. Gar kein Problem, denn sie kennt sich definitiv am besten im Stück aus, schließlich hat sie selbst diese modernisierte Version von „Kasimir und Karoline“ frei nach Ödön von Horváth geschrieben, speziell für den Schauspielkursus der Jugendkunstgruppen, den sie leitet. Nach der Aufführung der Jüngeren im Kurs I vor 14 Tagen zeigten an diesem Wochenende die Vierzehn- bis 18-Jährigen, was sie im vergangenen Jahr erarbeitet haben.

Mit den „zufällig“ ausgewählten Kandidaten gingen die Zuschauer ins kleine Theater, um einen Mix aus nachgespieltem Klassiker und der Studioaufnahme einer Vorabend-Fernsehshow mit Publikumsbeteiligung zu erleben. Nach den einzelnen Wettbewerbsrunden wurden die Stimmen für die Favoriten gezählt, nicht ganz korrekt, aber korrekt nach Drehbuch. Immerhin ging es um etwas, denn 5000 Euro waren für das Siegerpaar ausgelobt. Doch als es zum Schluss an die Preisverleihung ging war Jubel Fehlanzeige. Erna war inzwischen Single, den Merkl Franz hatte die Polizei zwischendurch beim Autodiebstahl auf dem Parkplatz erwischt. Aber „Kasimir und Karoline“ waren ohnehin unschlagbar. Doch betretene Gesichter allenthalben, denn die beiden haben sich während des Ausflugs zum Oktoberfest getrennt. Zuerst sie von ihm, und nachher er von ihr, gemäß des originalen Bühnenwerks.

Moritz Groh schaffte es als Kasimir, dem soeben die Chauffeur-Stelle gekündigt wurde, während der Aufführung keine Miene zu verziehen und durchweg den traurigen Melancholiker zu geben. Karoline dagegen ist voller Tatendrang und will etwas erleben beim Oktoberfest, Achterbahnfahren zum Beispiel oder einen Ausflug im Daimler, wozu die Truppe einfach jeweils einen Einkaufswagen umfunktionierte. Hannah Schulte spielte die Rolle mit der größten Wandlung innerhalb des Stücks – erst voller Lebenslust und schließlich als von der Liebe Enttäuschte.

Veit Verstege mimte den Merkl Franz als trinkfesten Hallodri mit kernigen Macho-Sprüchen, und Pauline Berngen blieb als seine Erna eher schüchtern und still. Schürzinger ist in diesem Stück die etwas holprige Moderatorin (Lilly Limper), die offensichtliches Interesse an Karoline zeigt, und Marlon Elsner verfolgte auch die peinlichen Szenen immer mit der Kamera auf der Schulter.