Leverkusen: Klasse Komödie: "Otello darf nicht platzen"

Leverkusen: Klasse Komödie: "Otello darf nicht platzen"

Die Volksbühne Bergisch Neukirchen zeigt ab heute ihre neue Musical-Produktion. Bei der ist vom Bühnenbild bis zum Kostüm wieder alles selbst gemacht.

Die Tänzerinnen des Ensembles haben sich nach Manier des guten alten Fernsehballetts auf der Bühne formiert. Die Bewegungen klappen mehr schlecht als recht synchron zur Musik aus dem Orchestergraben. Der Bariton trifft den falschen Ton und der Star des Abends, dessen Auftritt als Otello das marode Theater retten soll, ist noch gar nicht eingetroffen. "Halt, halt", tönt es durch den Saal der Opladener Festhalle. Der verzweifelte Prinzipal stoppt das bunte Durcheinander.

"Otello" ohne Startenor? Wie das Problem gelöst wird, zeigen in der neuen Produktion unter anderem David Naser und Anna Feldhoff. Foto: Miserius Uwe

Der Theaterleiter im Musical "Otello darf nicht platzen" ist eine Paraderolle für Karl-Heinz Leweke, den Komödianten der Volksbühne Bergisch Neukirchen. Auch wenn einige Gesangspassagen für seine Stimme eigentlich zu tief liegen. Sein Humor macht es wett und sorgt in der Komödie mit Musik von Brad Caroll für Tempo, Leichtigkeit und manchen Lacher. Das Stück bietet zwar keine bekannten Melodien, die schon alle mitpfeifen können, aber sonst vereint die Geschichte alles, was eine zündende und unterhaltsame Vorstellung braucht. Nämlich Liebesgeschichten, Verwicklungen und eine ganze Reihe schillernder Charaktere, die von den Ensemblemitgliedern nach Herzenslust ausgespielt werden.

Das Musical, das heute Premiere feiert, ist die erste Regiearbeit von Anne-Claire Berger (geborne Weber), in deren Adern aber Volksbühnenblut pulsiert. Sie selbst ist im Weihnachtsmärchen mit immer umfangreicheren Rollen aufgewachsen. Die Eltern stehen auf der Bühne, Mutter Mona Weber als eine der Exfrauen von Theaterdirektor Henry Saunders. Die abservierten Damen (Manuela Weiss und Monika Mayer) treten immer im Dreierpack und in auffällige Kostüme gehüllt auf. Die sind natllürlich wieder ebenso selbst gemacht wie das aufwendige Bühnenbild.

Alle Frauen umschwärmen den Startenor und Schwerenöter Tito Merelli, als er denn endlich an der Seite seiner kapriziösen Ehefrau erscheint. Ralph Maisel und Tanja Ellrich spielen das Paar konsequent mit charmantem italienischen Akzent und tragenden Stimmen, die auch im Duett sehr gut zusammenpassen. Ebenso wie das Männerduett Maisel und David Naser, der eine überraschende Gesangsstunde beim großen Vorbild bekommt. Seine Verwandlung vom verzagten Sänger zum selbstbewussten und klangstarken Tenor ist einfach göttlich. Das hätte er sich selbst nicht zugetraut und seine angebetete Maggie (Anna Feldhoff) schon gar nicht, die hat nur Augen für den singenden Italiener, den allerdings ein Tablettencocktail sehr bald ausknockt.

Auch Polonca Olszak hat eine Paraderolle bekommen als Otellos weiblicher Gegenpart mit einigen solistischen Gesangspassagen. Das von Han Gyul Song geleitete und aus Musikstudenten zusammengesetzte Salon-Orchester besteht zwar nur aus 13 Instrumentalisten. Da es aber vorwiegend Bläser sind, müssen Sänger und Chor ganz schön zulangen, um sich gegen den starken Klang aus dem Orchestergraben zu behaupten.

(mkl)