Leverkusen: Kinder bauen Marienschule aus Lego

Leverkusen: Kinder bauen Marienschule aus Lego

Aus rund 17.000 Einzelteilen werden die Gebäude im Miniaturformat zusammengesetzt. Eine eigene AG hat sich auf die beliebten Steinchen aus Dänemark spezialisiert. Aus allen Altersstufen nehmen Kinder und Jugendliche daran teil.

Wer sich schon einmal gefragt hat, wie viele Legosteine es brauchen würde, um die Marienschule Opladen nachzubauen - die Antwortet lautet: etwa 17.000. "Wir haben den Komplex des Hauptgebäudes so gut wie fertig, als nächstes sind dann die Kapelle und die Sporthalle dran", sagt Simon Nitsch. Er ist Lehrer für die Fächer Deutsch, Sport und Szenisches Spiel an der Marienschule - und er leitet die Lego AG. Ob das nicht eine Ausrede sei, um das innere Kind herauszulassen? "Dafür brauche ich keine Ausrede, Lego macht einfach Spaß", sagt Nitsch und lacht.

Letzterem stimmen wahrscheinlich alle in der AG. Die sollte laut Nitsch eigentlich aus Schülern bestehen, die mindestens in der sechsten Klasse sind. Eigentlich - denn dann kam Rafael. Der elfjährige Fünftklässler bekniete Nitsch so lange, bis der die Regel aufweichte - und damit Tür und Tor für weitere Rebellen öffnete. Denn Rafael brachte nach und nach weitere bauwütige Klassenkameraden mit, die von der Aktion Wind bekommen hatten. So landeten auch die fünftklässler Paul und Nadja in der AG. "Wir sind kreativer als die Älteren", sagt Rafael, wofür er natürlich sofort heftigen Widerspruch von Jonas (13) und Simon (15) erntet.

Trotz solch kleiner Kabbeleien bringt das Projekt Schüler aller Altersstufen und sogar einige Ehemalige zusammen. So wie Anna Heskamp. Die 18-Jährige hat vergangenes Jahr ihr Abitur an der Marienschule abgeschlossen, schaut aber trotzdem regelmäßig vorbei. "Man möchte natürlich auch wissen, wie es ohne einen weitergeht", sagt sie. Seit Ostern 2016 arbeitet die AG schon an dem Projekt. "Wir haben erstmal die Eltern gefragt, ob sie noch altes Lego im Keller haben, das sie wirklich nicht mehr brauchen", sagt Simon Nitsch. Er betont das "wirklich", weil er wisse, wie schwer man sich von Kindheitserinnerungen trennen könne. Da für einen möglichst originalgetreuen Nachbau aber ganz bestimmte Farben und Steine gebraucht werden, reichte das gespendete Lego natürlich nicht. Nitsch bestellt seitdem, soweit möglich, immer gebrauchte Steine. "Wir müssen den Schülern ja auch vorleben, dass wir schonend mit unseren Ressourcen umgehen sollten", berichtet er. Nitsch nutzt das Lego auch in seinem Deutschunterricht, um spielerisch Theorie und Praxis zu verbinden.

Bevor vor zwei Jahren überhaupt der erste Legostein gesetzt werden konnte, musste eine Rechnung zur Umsetzung her. Felix Benz, ehemaliger Marienschüler, entwickelte eine Excel-Tabelle, mit der er die Maßstäbe berechnete. Dabei geholfen hat dem 21-Jährigen sicherlich sein Maschinenbau-Studium. "Eigentlich habe ich mir sogar zu viel Arbeit gemacht, weil ich noch die Inneneinrichtung berechnet habe", erzählt er. Die fehlt bei dem Modell im Maßstab 1:55. Simon Nitsch möchte es aber bei den folgenden Gebäuden einbauen. "Das Ganze ist ein Lernprozess, jetzt haben wir viel mehr Erfahrung als vor zwei Jahren", sagt er. Natürlich passieren da auch mal Fehler. "Klar geht mal was schief. Einem ist sogar mal ein richtig großer Teil vom Dach runtergefallen", erinnert sich der 13-jährige Anno. Zwar hätte niemand was gesagt, der Unglücksvogel sei trotzdem nicht mehr lange aufgetaucht, erzählt der Siebtklässler.

Irgendwann soll das fertige Modell auch ausgestellt werden. Bis es soweit ist und wo es stehen wird, ist unklar - aber Zukunftssorgen braucht Nitsch nicht zu haben. "Für Nachwuchs ist gesorgt", ruft Rafael stolz und zeigt auf seine Freunde.

(RP)