Leverkusen: "Kevin Vollgas": mit 20 schon 45 Delikte

Leverkusen : "Kevin Vollgas": mit 20 schon 45 Delikte

Ein 20-jähriger Raser brüstet sich mit Internet-Videos. Er nennt sich "Kevin Vollgas". Ihm werden von der Polizei 45 Verkehrsdelikte im Rheinisch-Bergischen Kreis, in Leverkusen, Köln und auf dem Nürburgring zur Last gelegt.

Ein jugendlicher Raser schockiert Anwohner in der Waldsiedlung und beschäftigt die Polizei. "Kevin Vollgas" nennt sich der 20-Jährige und brüstet sich stolz, mit Tempo 200 von der Feuerwehr Stixchesstraße bis zur Waldsiedlung gefahren zu sein. Seine "Heldentat" hatte der junge Mann als Video bei Youtube veröffentlicht. Er war sogar über die viel frequentierte Kreuzung Karl-Carstens-Ring/Willy-Brandt-Ring bei Rot gerast.

Seitdem er strafrechtlich verfolgt wird, ist das Video gelöscht. "Kevin Vollgas" kann jetzt aber nicht mehr Gas geben: Sein Auto wurde konfisziert. Übrigens wurde nicht nur sein BMW beschlagnahmt, sondern auch noch der Mini-Cooper seiner Freundin. Denn "Kevin Vollgas" soll auch dieses Fahrzeug als "Tatwerkzeug", wie es juristisch heißt, für seine unverantwortlichen Rasereien benutzt haben.

Doch der 20-Jährige soll noch viel mehr auf dem Kerbholz haben: 45 Anzeigen liegen gegen ihn vor, wie der Pressseprecher der Polizei Rhein-Berg, Peter Raubuch, am Donnerstag auf Anfrage berichtete. Der junge Mann, der aus Odenthal stammt, soll überall im Rheinisch-Bergischen Kreis, in Leverkusen und Köln und sogar auf dem Nürburgring straffällig geworden sein. Ihm werden Trunkenheitsfahrten, Fahren ohne Führerschein, Gefährdung des Straßenverkehrs, Beleidigungen, Tankbetrug und immer wieder Geschwindigkeitsüberschreitungen zur Last gelegt. "Die Straftaten haben begonnen, als er noch mit dem Mofa unterwegs war und ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Motorradzeit bis schließlich hin zu den Autos", berichtete Raubuch. Seit Sommer 2013 habe "Kevin Vollgas" schon keinen Führerschein mehr, berichtete er weiter. Alle 45 Taten habe der junge Mann als Strafmündiger, also im Alter über 14, verübt.

Bei der Staatsanwaltschaft Köln ist "Kevin Vollgas" bekannt. Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer sagte am Donnerstag nur so viel, dass in einem führenden Verfahren unter mehreren gegen "Kevin Vollgas" eine Entscheidung getroffen worden sei, die dem Beschuldigten aber erst noch mitgeteilt werden müsse. Bremer verneinte die Annahme nicht, dass es sich bei der Menge und Schwere der Delikte um eine Anklageerhebung handeln dürfte.

Die Reaktionen der Leverkusener zeigen indes, dass der Rasser auf keinerlei Verständnis stößt. Kommentare auf das Video von "Kevin Vollgas" zeigen dies ebenso wie Äußerungen von Anwohnern, die jetzt in einem RTL-Beitrag zu hören waren. Die Leute aus der Waldsiedlung sind schockiert, wie unverantwortlich der 20-Jährige vor allem auch an der dortigen Grundschule vorbei gerast ist. Sie fordern, ihm den Führerschein auf Lebenszeit zu entziehen. Der RTL-Reporter ist übrigens die Strecke, die "Kevin Vollgas" mit Tempo 200 in 40 Sekunden gefahren sein will, mit der vorgeschrieben Geschwindigkeit abgefahren und hat fast zwei Minuten dafür gebraucht.

In Internetkommentaren wird "Kevin Vollgas" ebenfalls heftig kritisiert und zur Ordnung gerufen: "Ich hoffe, dass du nie wieder etwas Motorisiertes bewegen darfst", schreibt ein Kommentator: "Schon mal darüber nachgedacht, ob du damit leben könntest, jemand anderen tot gefahren zu haben? Vielleicht noch ein Kind? Solltest du tun, bevor du so'n Mist noch mal machst." Ein weiterer Kommentator findet ein einziges, allumfassendes Wort für das Verhalten des 20-jährigen Autofahrers: "unfassbar!"

(RP)
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