Leverkusen: Keine Angst vor Schwarz

Leverkusen: Keine Angst vor Schwarz

Ein extrem tiefes Schwarz wird von einer Firma in England hergestellt. Zu sehen ist es in einem der Werke in der neuen Schau im Künstlerbunker. Eröffnung ist morgen.

Britta Reinhardt hat den Titel "Keine Angst vor Schwarz" politisch gelesen. Sie hat auf einem grüngrundigen, sechs Meter breiten Riesengemälde eine Völkerwanderung dargestellt, wovon allerdings nur der abstrakteste Teil des Bildes im langen Ausstellungsraum der Galerie Künstlerbunker Platz fand. Davor sitzt Komi Mizrajim Togbonou, um mit seiner dunklen Hautfarbe und entsprechender Kleidung die Verbindung zum diesjährigen Gemeinschaftsthema der Ateliergemeinschaft deutlich zu machen. Vor ihm muss sich jedenfalls niemand fürchten, im Gegenteil. Der Schauspieler und Musiker aus Berlin wird dazu beitragen, dass es morgen sehr lebendig in dem Gebäude wird.

Zum 18. Mal findet die jährliche Ausstellung zum gemeinsamen Thema statt. Einmal, um die Kollegen untereinander ins Gespräch zu bringen und andererseits um zu zeigen, wie unterschiedlich die 13 Bunkerkünstler und drei Gäste arbeiten. Unten gibt es die Appetithäppchen für mehr, denn nach der Vernissage öffnen alle Künstler für den Rest des Tages ihre Ateliers, wo weitere Arbeiten zu sehen sind.

In der Galerie ist der Platz dieses Mal noch knapper als sonst. Schwarz brauche viel Raum, betont Harry Plein, der für die Hängung verantwortlich zeichnet und seine Grafiken in den winzigen fensterlosen Innenraum verbannt hat, in dem die Punkte aus handgeschöpftem Papier zu schweben scheinen. Der Boden wirkt, als würde er schwanken, weil der Betrachter in dem weiß ausgemalten Raum kurz die Orientierung verliert. Mehrere Künstler haben sich mit der Wirkung der Nichtfarbe beschäftigt. Christine Kamps ging es digital an und bastelte einen QR-Code, der tatsächlich zusätzliche Infos bietet. Und sie stieß auf eine Firma in England, die das schwärzeste Schwarz herstellt, das sie dann für ihre Bilder verwendete. Gisela Weyand, die regelmäßig mit ihren Wachsarbeiten im Bunker zu Gast ist, wollte die besondere Eigenschaft von Schwarz zeigen, das Farben erst richtig zum Strahlen bringt. Aufgereihte, leicht gebogene Latten hat sie vorne mit schwarzem Wachs überzogen und auf der Rückseite rot gestrichen. Obwohl man nur Schwarz sieht, erscheint durch den Lichteinfall die Wand dahinter rot beleuchtet.

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Im Theater oder Ballett wird Schwarz gezielt zur Täuschung eingesetzt. Ähnlich hat es der Bunker-Fotograf Jo Seibt mit einer Aufnahme gemacht, die den Lichteinfall durch eine halb geöffnete Tür zeigt. Die unbeleuchteten Seiten hat er in vollkommen schwarzen Verlängerungen auslaufen lassen und damit tatsächlich eine theaterähnliche Situation geschaffen. Jutta Schmücking, inzwischen auch Gast in ihrer ehemals künstlerischen Heimat, hat Katalogillustrationen übermalt und bewahrt zwei alte Gesangbücher in einen Kasten, nachdem sie die Seiten teils geschwärzt, teils mit Gold überhöht hat.

Ein weiterer Gast ist Christof Lungwitz, der nach Tischlerlehre und Kunststudium auf der Schwelle zwischen angewandter und freier Kunst balanciert. Er baute ein geschwärztes Wandobjekt aus Profilleisten und Miniregal und zeigt Collagen aus Holz, schwarz in schwarz. Zudem stellen Lutz Diese, Friedrich Engstenberg, Helmut Hungerberg, Peter Kaczmarek, Anna Matzek, Katharina Meierjohann, Lüder Seedorf und Rolf Wetter aus.

Eröffnung der Schau "Keine Angst vor Schwarz" ist morgen, 11. März, um 11.30 Uhr im Künstlerbunker, Karlstr. 9. Anschließend bis 17 Uhr Tag der offenen Ateliers. Öffnungszeiten bis 24. März: mi, fr, sa 16 bis 18 Uhr.

(mkl)