Leverkusen : Zart zähe Prinzen-Vorstellung

Endlich: Die Karnevalisten feierten gestern den Beginn der fünften Jahreszeit. Dabei konnten die Jecken einen Blick auf ihren schmucken Prinzen Udo I. und sein charmantes Gefolge werfen. Stadtchef Buchhorn fürchtet derweil schon den Sturm auf sein nagelneues Rathaus-Ufo.

Die Leverkusener Jecken gehörten gestern zu den karnevalistischen Frühaufstehern. Schon um 10.11 Uhr startete das Programm beim Sessions-Auftakt im Audi-Zentrum am Willy-Brandt-Ring. Da wirkte der Frohsinn anfangs doch etwas verhalten, und der ein oder andere Narrenkappen-Träger genehmigte sich vor dem ersten Kölsch lieber noch einen Kaffee. Zum Glück kam das Musik-Duo "Kölsche Stääne" seinem Auftrag als musikalischer Eisbrecher unverdrossen nach und animierte die etwas verschlafenen Narren schon bald zum fröhlichen "Föttche-Schwinge".

Das Buffet lockte mächtig

Die frühe Stunde hatte einen guten Grund: Es gab auch ein rundes Jubiläum zu feiern. Das 75-jährige Bestehen des Festausschusses Leverkusener Karneval (FLK). Vom langen Atem dieser Institution konnte sich das Narrenvolk, das einen ersten Blick auf seinen neuen Prinz werfen wollte, eine Scheibe abschneiden — fast zwei Stunden dauerte es, bis Seine Tollität in spe einlief. Da verlagerte sich die Aufmerksamkeit zwischenzeitlich schon mal vom Bühnengeschehen in Richtung des noch nicht eröffneten Buffets — selbst ist der Narr. Schließlich kam er, der hochgewachsene Prinz Udo I. (Totzke), und legte einen vielversprechenden Auftritt hin.

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Keck versprach er Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn, der erste "Ufo-Rathausprinz" zu werden — der Rathaussturm an Weiberfastnacht findet diesmal vor dem nagelneuen Verwaltungsdomizil statt. Und das will Buchhorn ganz und gar nicht herausrücken, jedenfalls nicht ohne Gegenleistung. Das Haushaltsdefizit im Kopf hatte der Stadtchef da gleich eine Idee parat, schließlich arbeitet Prinz Udo I. bei der Volksbank. "Bringt er mir zügig die Millionen, soll es sich für ihn auch lohnen", offerierte Buchhorn.

Und falls das nicht zieht, muss es eben anders gehen: "Deine Lieblichkeiten krieg ich auch rum", drohte er Udo I. mit Blick auf dessen charmante Pagen. Der Prinz nahm die Abwerbeversuche gelassen, verbinden ihn doch feste Bande mit seiner Gefolgschaft. Nicht nur Ehefrau Katja, sondern auch Schwägerin Jessica Breibach stehen ihm im jecken Treiben zur Seite.

Bayer 04-Fußballanhänger

Zu seinen Vorbereitungen auf die Session schwieg der Prinz sich aus: "Ich werde nicht verraten, was ich mache", sagte er geheimnisvoll. Nur so viel: "Wir proben seit Monaten und hoffen, dass es bei der Proklamation auch richtig klappt." Die steigt am 20. November im Forum — und bis dahin bleibt es also eine Überraschung, ob Udo I. wie manche seiner Vorgänger selbst zum Mikrofon greifen wird.

Bleibt nur zu hoffen, dass die jecken Untertanen dann nicht erneut auf ihren Regenten warten müssen. Denn kurz vorher spielt Bayer 04 gegen den FC Bayern — und normalerweise verpasst der fußballverrückte Prinz kein Heimspiel der Werkself.

(RP)