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Karl Lauterbach: Zweite Viruswelle rollt im Herbst

Corona-Epidemie : Lauterbach: Zweite Viruswelle rollt im Herbst

Der Epidemiologe rät dringend dazu, Großveranstaltungen abzusagen und ein Testzentrum einzurichten.

„Alle Großveranstaltungen, die nicht nötig sind, müssen abgesagt werden. Und notwendig ist so gut wie nichts“, sagt Karl Lauterbach, Bundestagsabgeordneter für Leverkusen und Epidemiologe zum Coronavirus. Da  bildeten auch die BayArena und Co. keine Ausnahme. „Die Spiele müssen ohne Zuschauer ausgetragen werden“, fordert Lauterbach, macht sich unter Fußballfans damit wahrscheinlich keine Freunde, aber er schiebt hinterher, warum er für sogenannte Geisterspiele plädiert: Wer ins Stadion geht, könne sich mit dem Virus infizieren, müsse selbst nicht deutlich mit den Symptome zu kämpfen haben, könne aber eben andere anstecken. Gerade die Ansteckungen aber müssten eingegrenzt werden. Denn: „Die Ausbreitung ist nicht mehr stoppbar, aber sie kann entschleunigt werden, damit wird Zeit gewonnen, so dass Betroffene gut behandelt werden können“, sagt Lauterbach fest.

Eine der besten Möglichkeiten dazu: Großveranstaltungen weglassen. Unter Großveranstaltung zählt er ähnlich wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern.  Aber auch über jeden kleineren Termin mit Publikum sollten Veranstalter nachdenken. Gerade auch bei Veranstaltungen, die Leute besuchen, die schon eine chronische Krankheit haben oder bereits älter sind. „Es ist nicht mehr verantwortbar, das derzeit soetwas läuft.“  Lauterbach zufolge leiden Ältere stärker unter den Auswirkungen, sollten sie sich infiziert haben. „Covid-19 hängt in der Wirkung vom Alter ab. Die Schwere und Sterblichkeit nehmen mit dem Alter zu.“

Welchen Zeitraum das von ihm genutzte Wort „derzeit“ umfasst?  Der Epidemiologe meint damit nichts, was sich unter dem Wort „kurz“ zusammenfassen ließe. „Wir stehen am Anfang der Epidemie, das wird uns noch viele Wochen beschäftigen. Wir müssen sehen, dass wir mit so wenig Fällen wie möglich in den Sommer kommen. Für Herbst rechne ich mit einer zweiten Welle, die größer wird als die jetzige.“ Das Virus sei kein saisonales, sondern ein pandemisches. Es halte sich übers Jahr. Zudem mache Corona es für die Pharmaindustrie schwer, Arzneien herzustellen. „Es hat weniger Angriffspunkte als etwas das Grippevirus“, ordnet der Arzt ein. Und: „Ich rechne frühestens in einem Jahr mit einem Impfstoff.“

Leverkusen sieht er gut aufgestellt, das Klinikum sei sehr gut vorbereitet. Das, was das Labor Synlab in Sachen Tests mache, sei sehr gut. Aber Lauterbach empfiehlt der Stadt dringend die Einrichtung eines Testzentrums, „damit Arztpraxen nicht so stark gefährdet und zu  Hotspots für Ansteckung werden. Verschiebbare Arzttermine sollte man ohnehin verschieben“, rät der Mediziner. Die Stadt sollte sich für eine zweite Corona-Welle vorbereiten: Arzneimittel anschaffen, Beatmungsgeräte und -plätze bereithalten, einen Pandemieplan erstellen, um das öffentliche Leben im Falle eines Falles aufrechterhalten zu können.

Und jetzt? Karl Lauterbach sagt: „Nun muss die Gesellschaft Zusammenhalt zeigen. Es sei die Solidarität aller Leverkusener gefragt: Absagen großer Veranstaltungen. Nicht-Hände-Geben, Husten- und Niesetikette ebenso beachten wie Hygienemaßnahmen. „Einfach, um besonders Ältere und chronisch Kranke in der Stadt zu schützen.“