Bundestagswahl 2013: Karl Lauterbach: "Ich kann in Berlin viel bewegen"

Bundestagswahl 2013: Karl Lauterbach: "Ich kann in Berlin viel bewegen"

Als er das Zimmer in der Redaktion verlässt, macht Karl Lauterbach selbstverständlich das Licht aus. "Nicht nur über Energiepolitik reden", sagt er. Dabei ist Reden derzeit das, was er am meisten tut.

"Ich bin jeden Tag draußen, betreibe seit Wochen ausgeprägten Straßenwahlkampf", erzählt der 50-Jährige. "Auf der Straße kommen die Leute auf mich zu, können Dinge fragen, die sie schon immer wissen wollten. Ich mache nur wenig Häuserwahlkampf. Da fühlen sich die Leute oft belästigt." Belästigen will Lauterbach nicht, auch nicht überreden, sagt er: "Ich will den Leuten nicht das SPD-Programm verkaufen, ich will informieren, überzeugen." 08/15-Gespräche seien nicht seins. "Ich versuche, authentisch zu sei." Dafür nimmt er auch unliebsame Fettnäpfe in Kauf.

In einen solchen trat Lauterbach, als er kürzlich sagte, er möge kein Kölsch. "Alles andere wäre eine Lüge gewesen." Pils habe er früher getrunken, heute eher Wein, gern auch Erstklassiges aus dem Niedrigpreissegment. Lauterbach kommt kurz ins Plaudern über Merlot und Shiraz, über seine Berliner Geburtstagsparty, zu der er Wolfgang Bosbach (CDU) und Gregor Gysi (Linke) gebeten hat, "ich habe Leute eingeladen, die mir sympathisch sind. Mit Bosbach bin ich per Du."

Fast wären Harvard-Professor Lauterbach und Rechtsanwalt Bosbach Parteifreunde geworden – Lauterbach war vor seiner bisher zwölfjährigen SPD-Zeit zunächst CDU-Mitglied, war in jungen Jahren in der katholischen Jugend im Kreis Düren aktiv. "Meine Mutter war sehr christlich", merkt der Politiker an. "Als ich in den USA war, habe ich mich mit Gerechtigkeitsthemen auseinandergesetzt. Irgendwann konnte die CDU die für mich nicht mehr umsetzen. Heute bin ich 100 Prozent Sozialdemokrat."

Als solcher preist er sein Netzwerk in der Bundespolitik. Zu jedem Problem auf lokaler Ebene könne er rasch die Zuständigen aus der Spitzenpolitik besorgen, Unterstützung mobilisieren. Er tue das häufig für Menschen aus seinem Wahlkreis. Es sei ein Irrglaube, man könne gleichzeitig in Berlin etwas bewegen und noch Kommunalpolitiker sein.

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Prof. Karl Lauterbach – geschieden, vier Kinder, eine Promotion an der Uni Düsseldorf, eine an der Harvard-Univesität in den USA – hat Politiker-Selbstbewusstsein "Ich bin kein Hinterbänkler in Berlin." Viele Bürger im Wahlkreis hätten ihm gesagt, sie wünschten sich einen Gesundheitsminister aus Leverkusen." Und Lauterbach ist überzeugt, dass er den Posten antreten wird. "Es wird eine knappe Entscheidung, die ich gewinnen werde."

Was er macht, wenn nicht? "Ich halte mich nicht mit Szenarien auf, an denen ich noch etwas verändern kann." Lauterbach ist wahlkampferfahren. Zum dritten Mal kandidiert er für den Bundestag, tritt bei Landtagswahlen als Gesundheitsexperte der Genossen auf. Er sei ein leidenschaftlicher Politiker, betont er, das Handwerk dazu habe er lernen müssen. Und auch, dass es ein risikoreicher Beruf ist.

Einer zum Beispiel, bei dem die Doktorarbeiten von Abgeordneten Plagiats-Prüfungen unterzogen werden. "Das muss man akzeptieren", sagt der 50-Jährige. "Auch meine Doktorarbeit zu Nuklearmedizin ist geprüft worden, hieß es. Ob die zweite Promotion aus Harvard geprüft wurde, weiß ich nicht. Aber da sind keine Plagiate drin."

Bei dem Wort Harvard huscht leise ein Lächeln über Lauterbachs schmales Gesicht. Für ein paar Wochen im Jahr kommt er dort seinem Lehrauftrag nach. Nutzt die Zeit auch für einen distanzierten Blick auf deutsche Politik. Hier wie drüben sei die kein Schmusegeschäft. Und während in den USA Wahlkampf oft einer fulminanten Unterhaltungsshow gleicht, geht es hierzulande "nicht darum bekannt zu sein. Das reicht nicht", sagt Lauterbach. "Hier muss man von den Bürgern respektiert werden."

(RP)
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