Kammerorchester Leverkusen lädt zum Herbstkonzert

Kammerorchester Leverkusen : Ensemble mit Vorliebe für Barock

Im Februar hat sich das Kammerorchester Leverkusen aus Mitgliedern der ehemaligen Musiziergemeinschaft der Kasinogesellschaft neu gegründet.

Alle versuchen pünktlich und regelmäßig zur Probe zu kommen. Denn: „Diese tolle Art Musik zu machen und dabei so viel zu erfahren macht einfach Spaß“, beschreibt Gabi Wagner die lebendige Zusammenarbeit im Kammerorchester Leverkusen. Unter diesem Namen ist das Ensemble noch kein Jahr alt, seit Februar ist es ein eingetragener Verein. Doch die meisten der aktuell 22 Mitglieder kennen sich weitaus länger. Wie die Geigerin, die man zur ersten Vorsitzenden wählte und die erst einmal die Gepflogenheiten der Vereinsführung lernen musste, haben die meisten Instrumentalisten vorher in der 1947 gegründeten Musiziergemeinschaft der Kasinogesellschaft Leverkusen gespielt.

Früher großzügig von Bayer gefördert hat der Konzern so wie bei vielen anderen Werksvereinen die Zuschüsse deutlich runtergefahren. Die Folge: Man hätte keine zwei Konzerte pro Jahr mehr finanzieren können. Nach reiflicher Überlegung haben sich die größtenteils Laien zum Sprung ins kalte Wasser entschlossen und das Kammerorchester Leverkusen e.V. gegründet. Mit Gabriele Nussberger haben sie offenbar genau die richtige Leiterin gefunden. Die Geigerin, die selber im Orchester der Deutschen Oper in Düsseldorf spielt, vermag die Mitglieder zu begeistern und zum Üben zu motivieren, sagen die Musiker.

Der Dirigentin ist es egal, ob sie mit Kindern, Amateuren oder Profis musiziert. „Ich begegne allen mit dem gleichen Enthusiasmus“, erklärt sie. Und sie findet es wichtig, dass die Stücke nicht einfach möglichst fehlerfrei abgespielt werden, sondern dass jeder einzelne weiß, worin der besondere Reiz der Musik liegt, welche Absicht der Komponist verfolgte und was in seiner Zeit ringsum geschrieben wurde. Mit diesem Wissen ließen sich Details besonders herausarbeiten. Hilfreich sei es, wenn nicht immer alle zusammen spielen, sondern einzelne Gruppen zwischendurch genau aufeinander hören.

Vor allem hat Nussberger die Orchestermitglieder so sehr für ihr Spezialgebiet, die Barockmusik, begeistert, dass sich alle ganz besonders auf das nächste Konzert freuen. Es ist das zweite als „Kammerorchester Leverkusen“. Da wird viel Barock auf dem Programm stehen. Ein Lieblingsstück wurde schon genannt: die ausgesprochen flotte Sinfonie Nr. 1 des schwedischen Komponisten und Bach-Zeitgenossen Johann Joachim Agrell. Großes Vergnügen bereite auch das Konzert für Viola, Streicher und Basso Continuo von Georg Philipp Telemann. Das wird zunächst nur im Orchester geprobt. Aber der Solist wird bestens passen, denn den Part übernimmt Klaus Müller von der Musikschule Leverkusen, der einige Jahre die Musiziergemeinschaft geleitet hat.

Mit dem Schritt in die Selbständigkeit hat das Orchester auch seinen angestammten Probenort im alten Wiesdorfer Bahnhof verloren, der von mehreren Werksvereinen genutzt wird. Jetzt hat man den Raum für die Proben am Mittwochabend in der Musikschule angemietet. Das sei durchaus vorteilhaft, denn die Musiker würden, anders als im abgelegenen Bahnhof, wahrgenommen. Auch von Eltern die ihre Kinder vom Unterricht abholen, die früher selbst ein Instrument gespielt haben und vielleicht wieder auf den Geschmack kämen. Man kann offene Proben anbieten, um neue Interessenten zu gewinnen.

Bleibt die Kostenseite. Denn sowohl Raummiete als auch Leiterin stehen als regelmäßige Posten auf der Unkostenseite. Dazu kommen die Kosten bei Konzerten für eine professionelle Konzertmeisterin, eventuelle Aushilfen sofern die Besetzung nicht ausgewogen ist oder jemand ausfällt, der Solist und die Miete für den Raum. Das meiste müssen die Mitglieder mit ihrem Jahresbeitrag aufbringen. Immerhin gibt es eine Förderung vom Landesmusikrat NRW.

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