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Leverkusen: Käthe Sauer - 100 Jahre Lebenserfahrung

Leverkusen : Käthe Sauer - 100 Jahre Lebenserfahrung

Käthe Sauer feiert heute im Haus Upladin 100. Geburtstag. Bis heute hat sie sich einige Erinnerungen an ein bewegtes Leben bewahrt - genau wie ihre Fröhlichkeit.

Auf ihrem Sessel sitzend, die Beine hochgelegt - so hat es sich Käthe Sauer in ihrem kleinen, aber liebevoll eingerichteten Zimmer im Haus Upladin gemütlich gemacht. Im Fernsehen läuft Sport, Biathlon um ganz genau zu sein. Das war gestern. Heute wird sie im Mittelpunkt stehen. Denn Sauer feiert runden Geburtstag.

Allerdings nicht irgendeinen. Nein, auf stolze 100 Lebensjahre kann die Frau, die laut Pflegerin Marleine Urban "immer lustig" ist, zurückblicken. Wenn auch nicht immer in allein Einzelheiten. Und manchmal, das muss Sauer zugeben, auch überhaupt nicht. Die Erinnerungen verblassen langsam. Wenn ihr dann ab und an etwas unangenehm ist, lächelt und lacht sie den Umstand aber einfach sympathisch weg.

Sauer ist ein Beleg dafür, wie wichtig Fotos sein können - gerade im Alter. Heute werden Bilder schnell mit dem Smartphone geschossen, versauern dann oftmals auf einer Speicherkarte oder digital auf dem Computer. In einer alten Kiste aber können sie in entwickelter Form zwar verstauben, gehen jedoch niemals verloren und können stetig aus ihrem Verschlag hervorgeholt werden.

Eine solche Kiste besitzt auch Sauer. Und sie strahlt bei so mancher Kindheitserinnerung, auch wenn sie sich an so manche eben erst beim Anblick der Bilder erinnern kann. "Das ist mein Mann", sagt sie, als sie ein schwarz-weißes Hochzeitsfoto entdeckt. "Da war er so dünn, es war eine schwere Zeit damals", betont Sauer. 1940 heirateten die beiden - direkt nach dem Zweiten Weltkrieg also.

An den Krieg kann - oder vielleicht auch will - sie sich gar nicht mehr genau erinnern. Kein Wunder. Schließlich hat auch sie damals geliebte Menschen verloren - und Grauen erlebt, die sich junge Menschen heutzutage kaum mehr vorstellen können. Eines wisse sie aber noch: Als Frisöse habe sie während des Krieges stetig Kopfhäute nach Läusen absuchen müssen.

Zurück im Haus Upladin: Auf dem Tisch in ihrem Zimmer, das sie vor rund vier Jahren bezog, steht ein eingerahmtes Foto. Es ist ein Bild ihrer Tochter, die mit lockigem Haar in die Kamera lächelt. "Sie ist verstorben", erzählt Sauer, "durch einen Autounfall." Um die 30 Jahre muss ihr einziges Kind damals gewesen sein.

Die wenigen Zeilen verraten, was offensichtlich ist: Sauer hatte und hat ein bewegtes Leben, 1916 bis 2016 - eine lange Zeit. Heute gibt es eine kleine Feier im Haus, zu der viele ihrer Mitbewohner kommen werden. Ihren Ehrentag hat sich die jetzt 100-Jährige redlich verdient.

(RP)