Junges Theater Leverkusen spielt „Time-Out“

Junges Theater spielt „Time-Out“ : In dieser Welt ist die Zeit das Geld

Das Junge Theater Leverkusen entführt seine Zuschauer im Stück „Time-Out“ in eine Welt, in der Menschen ewig leben können – theoretisch.

Es ist eine Zeitreise in die Zukunft, in die das aktuelle Stück des Jungen Theaters Leverkusen (JTL) seine Besucher entführt. Das merken die Gäste bereits vor Beginn der Vorführung. Ein junger Mann in dunklen Klamotten und grün-leuchtenden Neonbändchen am Handgelenk verteilt Eintrittsstempel mit dem Hinweis, dass die Vorstellung „14 Minuten“ koste.

Das Science-Fiction Stück „Time-Out“ (Regie: Petra Clemens, Text: Kilian Kuhlendahl) in Zusammenarbeit mit dem W.Erk. Theater ist durchaus gesellschaftskritisch. Es ersetzt die Währung „Geld“ mit vielleicht dem noch kostbareren Gut „Zeit“. Schließlich heißt es ja so schön „Zeit ist Geld“ – und damit die Gleichung aufgeht, haben sich die Ensemblemitglieder des JTL ein Stück ausgedacht, das den Zuschauer über 120 Minuten ohne Pause in seinen Bann zieht.

In der Zukunft ist die Technik so weit fortgeschritten, dass es den Menschen gelingen kann, ewig zu leben. Dafür sorgen elektrisch geladene Armbänder, die das Leben jedes Einzelnen verlängern. Die Busfahrt kostet sieben Minuten, das Bier ganze 120 Sekunden. Wer arbeiten geht, bekommt kein Geld, sondern eben 24 Stunden „Zeit“ aufgeladen. Wenn die eigene Zeit abgelaufen ist, dann stirbt man. „Ich nulle gleich“, heißt es dann in der Zukunft, die recht dystopisch daherkommt und an den Filmklassiker „Blade Runner“ erinnert.

Es bildet sich eine zwei Klassengesellschaft, die das Zuschauerauge deutlich zwischen schwarzen und weißen Kleidungsstücken zu unterscheiden weiß. Wer im C-Bezirk wohnt, lebt in den Slums und muss täglich schauen, dass er genug arbeitet, damit es für den nächsten Tag reicht. Ihm sitzt wortwörtlich „die Zeit im Nacken“. Im A-Bezirk leben die Schönen und Reichen, die Partys feiern, sich an ihren Kleidern bezirzen und Schach spielen. Dieses Ungleichgewicht auszuhalten fällt schwer.

Obwohl das Stück in der Zukunft spielt, erkennt der Zuschauer hier eine Parallele zur Gegenwart. Sätze wie „Das Leben ist nur spannend, weil es doch endlich ist“, „Gute Manieren sind der Untergang jedes interessanten Menschen“ oder „Unsere Haut altert nicht mehr, aber unser Verstand spielt irgendwann Streiche, wenn wir hunderte Jahre alt werden“, zeigen deutlich, wie der Drang nach ewiger Jugend und ewigem Leben verändert.

Die schönste Szene des Abends: Justin de Lorean und sein Freund Tom bekommen zufällig „Zeit“ geschenkt und nehmen sich einen Augenblick Ruhe: „Hach, wir stehen einfach so rum. Krass!“, sagen die beiden sichtlich glücklich, als sie Alltagsstress und dem Gefühl des Getriebenen Einhalt gebieten und die vollständige Entschleunigung genießen. So, wie es sich vielleicht viele von uns heute bereits wünschen.