Leverkusen: Junges Theater im Orchestergraben

Leverkusen: Junges Theater im Orchestergraben

200 Schüler der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule bespielten ungewöhnliche Orte im Erholungshaus.

Normalerweise geben Konzertbesucher im langen Gang der unteren Etage ihre Garderobe ab. Doch nun war der Raum temporäre Theaterbühne, die von Zehntklässlern der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule bespielt wurde. Mehrmals wiederholten sie die Zehn-Minuten-Szene über Jugend und Schule, die sich die Schüler selbst ausgedacht hatten. Und zeitgleich liefen an neun anderen Orten, die sonst anderen Zwecken dienen, ebenfalls Kurzvorstellungen ab.

10x10x10 heißt das Format, mit dem sich die rund 200 Schüler der Wahlpflichtkurse "Darstellen und Gestalten", der Sport- und Musikprofilklassen, des Literaturkurses und Theaters am Deichtor am Ende eines Schuljahres präsentieren und so Familie, Freunden und der übrigen Schulgemeinschaft zeigen, was da so in den einzelnen Angeboten passiert. Bayer Kultur bot zum dritten Mal die Darstellungsflächen, dieses Jahr unter dem Motto "#jetzt!" Und weil bei der Vielfalt die Bühnen im großen Saal oder im Studio nicht reichen, wurden auch ungewöhnliche Orte gefunden. Die waren für Mitwirkende wie Besucher besonders interessant, weil sie normalerweise nicht für Publikum zugänglich sind. Wie zum Beispiel der Orchestergraben oder der Hohlraum unter den erhöhten Stuhlreihen im großen Saal, zu dem bei dieser Veranstaltung die Türen geöffnet und zu jeder Vorstellung wieder fest verschlossen wurden. Denn hier war Schwarzlicht angesagt, und dieses eindrucksvolle Illusionstheater funktioniert nur im völlig abgedunkelten Raum.

  • Grevenbroich : Freude über neue Kletterwürfel an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule

"10x10x10" lautet der Titel, weil zehn verschiedene Gruppen an zehn Orten zeitgleich ihre Vorstellungen von zehn Minuten Länge zeigen. Nach einer kurzen Pause, in der das Publikum zur nächsten Station wechselt, wird erneut gespielt. Damit alles reibungslos läuft, schließen sich Besucher einem der zehn Scouts an, die jeweils einem anderen Ablaufplan folgen, do dass sich die Zuschauer möglichst gleichmäßig verteilen. Bei der öffentlichen Generalprobe zeigte sich noch rechtzeitig eine Schwierigkeit, nämlich wirklich alle zur Aufteilung in den Biergarten zu bekommen. Viele waren direkt im Eingang hängengeblieben, wo Band und Sänger der Musikklassen, die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Aber dazu ist eine Generalprobe ja da. Erst vor Ort zeigt sich, wo organisatorisch noch nachgebessert werden muss.

Gespannt verfolgten die Zuschauer schließlich die unterschiedlichen kreativen Zugänge zu Themen wie "Emanzipation", "Genie und Wahnsinn", "Erwachsen-Werden" oder "Abenteuerlust". Zum Beispiel in einer kurzen Choreographie der Jüngsten aus der Stufe sechs, die sich zur Musik im Pausenfoyer bewegten und am Schluss unter Regenbogenschirmen Schutz suchten. Mit Kostümen und professionellem Technik-Einsatz wie Licht und kreisender Drehbühne gaben die Ältesten einen Einblick, wie produktives Verstehen von Literatur heute an einer Schule geht - mit einer Szene aus E.T.A. Hoffmanns Stück "Der Sandmann".

(mkl)
Mehr von RP ONLINE