Junger Leverkusener starb auf Bali: Freunde pflanzen Baum für Calvin

Junger Leverkusener starb auf Bali : Ein Baum des Lebens für Calvin

Vor einem halben Jahr starb ein junger Leverkusener unter unklaren Umständen auf Bali. Angehörige und Freunde haben nun eine Kastanie gepflanzt und halten so sein Andenken wach.

Bali ist eine Trauminsel, ein Ort der Entspannung. Meer, Palmen und weiße Strände. Für Familie Kunert ist die Insel seit rund einem halben Jahr vor allem eines: der Ort, an dem Sohn Calvin mit 22 Jahren nach einem Unfall starb. Ein Vorfall, der wohl nie aufgeklärt wird. Freunde legten Geld zusammen, kauften und pflanzten einen Baum zur Erinnerung.

Es ist die Nacht zum 23. August. Um halb vier Uhr klingelt bei Andreas und Heike Kunert das Telefon. Es sollte die Nachricht sein, die kein Elternpaar jemals erhalten möchte. Im Alter von nur 22 Jahren war Sohn Calvin einige Stunden zuvor mit dem Motorroller an einer Mauer tödlich verunglückt. Mit einem Freund war der Leverkusener auf Bali im Urlaub. „Ich habe in dem Moment nichts gefühlt“, sagt Mutter Heike heute.

Calvin Kunert  – auf einer London-Reise – war ein lebensfroher junger Mann, der in sich selbst ruhte. Sein früher Tod hat viele Menschen erschüttert. Foto: Privat

Calvin, heißt es, habe sich am Abend zu einer Strandparty aufgemacht. Viel Alkohol, das ergaben die Tests, sei jedoch nicht im Spiel gewesen. Auf dem Rückweg, rund 120 Meter vor dem Hotel, verliert er die Kontrolle über seinen Roller. Warum – das ist bis heute ungeklärt. Viele Theorien stehen im Raum. Calvin könnte an einer Straßenlaterne hängengeblieben sein, oder ein Tier kreuzte plötzlich die Fahrbahn. Auch Fahrerflucht eines Unbekannten ist nicht ausgeschlossen.

Calvin Kunert hatte viele Freunde, auch in der Nordkurve der BayArena erinnert man sich an ihn. Foto: Privat

Die genauen Umstände des Unfalls werden wohl nie aufgeklärt, die Verständigung mit den Behörden auf Bali ist kaum möglich. Noch in der selben Nacht kommen Freunde und Verwandte ins Haus der Kunerts, um ihnen beizustehen.

Gut drei Wochen dauert es, bis Calvin nach Deutschland überführt wird. Während dieser Zeit ist die Familie, die einen weiteren Sohn hat, nie alleine. „Es waren ständig 15 Leute im Haus und Garten“, erinnert sich Heike Kunert. Sie tranken Schnaps, aßen gemeinsam. „So hatten wir keine Zeit zum Nachdenken. Und wir haben gelacht, es war nicht immer traurig.“

Zu den Menschen, die der Familie in dieser Zeit halfen, gehört Hasan Duran. Der 22-Jährige stand Calvin sehr nah. Bis heute kann er den Tod seines Kumpels nicht fassen. So wuchs in ihm die Idee: ein Andenken für Calvin. Der war groß, und er strahlte Standfestigkeit und Ruhe aus. Ein Kerl wie ein Baum. Eine Esskastanie sollte es sein. 45 Menschen aus dem Umfeld spendeten, 1700 Euro kamen zusammen. Auf einem Hof in Schlebusch ist die Kastanie nun gepflanzt. Harte Arbeit war nötig. „Das haben wir völlig unterschätzt“, berichtet Ideengeber Hasan. Mit schwerem Gerät habe die Stelle präpariert werden müssen. Jetzt steht das Andenken, das mit Lichterketten und Herzen versehen ist. Andreas und Heike Kunert gehen fast täglich mit dem Hund dort vorbei. Der Baum soll das Leben in seinem Umfeld einmal prägen, sagt Hasan. So, wie es Calvin einst tat.

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