Leverkusen: Junge Kunstgeschichte in altem Bahnhof

Leverkusen : Junge Kunstgeschichte in altem Bahnhof

Das Arp-Museum Rolandseck ist nicht nur wegen seiner Ausstellung einen Besuch wert, denn im Grunde ist das gesamte Bauwerk eine Art Kunstwerk. Das traditionsreiche Haus ist ein rheinisches Kulturzentrum.

Der Bahnhof Rolandseck hat eine im wahren Sinne des Wortes bewegte Geschichte hinter sich. 1858 fertiggestellt, diente er angesichts seiner ebenso praktischen wie malerischen Lage am Rhein als Treffpunkt der prominenten Gesellschaft, die damals von der Endstation der Strecke Köln-Bonn auf Schiff oder Kutsche wechselte. Sogar Otto von Bismarck, Johannes Brahms und die Brüder Grimm sollen dort geweilt haben. Das prunkvolle Empfangsgebäude gilt bis heute als bedeutendes Kulturdenkmal der rheinischen Geschichte - und des frühen deutschen Eisenbahnbaus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Empfangsgebäude nicht mehr bewirtschaftet und sollte abgerissen werden, ehe der Galerist Johannes Wasmuth entschied, es als Wohnung, Galerie und Atelier für Künstler zu nutzen. Auch Hans Richter, Günther Uecker, Martin Walser und viele andere waren zu Gast. Nach dem Tod von Johannes Wasmuth endete erst einmal das kulturelle Leben im Bahnhof.

Inzwischen ist das Arp-Museum Bahnhof Rolandseck in dem Bauwerk heimisch geworden - allerdings erst nach umfangreichen Sanierungsarbeiten, die 2004 abgeschlossen waren.

Drei Jahre später wurde das Museum in dem Remagener Ortsteil eröffnet. Insgesamt besitzt es vier Ausstellungsebenen, die mit wechselnden Präsentationen bespielt werden. Das Programm des Drei-Sparten-Hauses umfasst Ausstellungen mit internationaler bildender Kunst, klassische Konzerte und ein sommerliches Kammermusikfestival mit bekannten Ensembles und Solisten, Künstlergespräche und Lesungen prominenter Autoren. Im Zentrum steht die Kunst von Hans Arp und von Sophie Taeuber-Arp.

Im Moment läuft in dem Haus die Ausstellung "Was sich abzeichnet", bei der Stipendiaten des Künstlerhauses Schloss Balmoral und des Landes Rheinland-Pfalz ihre Werke zeigen. Oliver Kornhoff, Direktor des Museums, kommentiert die Ausstellung so: "Zeichnung ist offen, allgegenwärtig, demokratisch, universal, uferlos, vielgliedrig, krisenfest, berauschend und emanzipiert." Vor diesem Hintergrund greife die Ausstellung die Praxis des Zeichnens auf, um die vielfältigen formalen und konzeptuellen Möglichkeiten auszuloten. Zu sehen gibt es Zeichnungen in verschiedensten Stilen und Ausrichtungen.

Nicht museal, sondern als öffentlicher Raum präsentiert sich das Bistro, bestehend aus dem historischen Festsaal und dem als Kunstwerk gestalteten Barbereich. Der ehemalige Wartesaal der Ersten Klasse und illustrer Künstlertreff lockt mit der charmanten Ästhetik einer unverputzten Stuckdecke, gepaart mit imposanten Kristallleuchtern - ein Rahmen, der Vergangenheit und Gegenwart verbindet.

(RP)
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